Der Personalwechsel in den städtischen Kindergärten und der Mangel an Fachkräften sind zwei der Sorgen, die Radolfzeller Eltern bei der Versammlung des Gesamtelternbeirats der Kindertagesstätten (GEB Kita) im Rathaus zu Gehör brachten. Die Eltern setzten sich dabei für die Unterbringung ihrer Kinder wie auch für Fachkräfte in der Betreuung ein.

Die Konzepte in den Kindergärten wurden generell positiv aufgenommen. Doch bestehe die Frage, ob diese auch umgesetzt werden, so eine Mutter. "Im Idealfall könne dies durch ein Qualitätsmanagement dokumentiert und von einer Fachberaterin begutachtet werden", erläuterte die Vorsitzende des GEB Kita, Susanne Pantel, die sich für die Implementierung solcher Verfahren einsetzt. Gut aufgenommen wurde das städtische Konzept in der Betreuung von Kindern in den Schulferien und dass diese auch kurzfristig ermöglicht wird. Mütter berichteten über den Einsatz einer in Skandinavien entwickelten und bei zwei freien Trägern erfolgreich eingesetzten Familien-App, die sowohl den Alltag im Kindergarten abbildet wie auch die Eltern bei Veränderungen im Tagesablauf in Sekundenschnelle informiert.

Für über Dreijährige fehlen 60 bis 90 Plätze

Für die Gemeinde sind genügend Plätze für die Unterbringung von Kindern unter drei Jahren geschaffen worden. Für über Dreijährige fehlen 60 bis 90 Plätze, fasste Susanne Pantel den städtischen Bedarfsplan für die Unterbringung zusammen: Die Stadt wolle Räume anmieten und auch neue Einrichtungen generieren. Doch die Stadt gehe davon aus, dass die Kinderzahl ab 2030 insgesamt zurückgehe und möchte keine neuen Einrichtungen bauen, so Pantel. Den städtischen Prognosen und dem Wanderungsverhalten innerhalb der Gemeinde steht die Vorsitzende kritisch gegenüber.

Ein Sprecher des GEB sieht in den Platzangaben der Verwaltung sogar eine konservative Planung der Stadt: Sie plane nach einem Ist-Zustand und nicht progressiv, bei dem weitere Zuzüge berücksichtigt würden: "Da wir ein Zuzugsgebiet sind, rechne ich damit, dass es eher schwieriger mit den Zahlen für Ü3 und U3 wird", so seine Einschätzung.

Ideen für eine bessere Attraktivität des Berufs

An drei größeren städtischen Häusern sollen drei Anerkennungspraktikanten angestellt werden. Erfahrene Erzieher könnten dadurch in Unterbringungen geschickt werden, in denen Not herrsche. Das rette nicht vor Personalmangel, so Susanne Pantel. Die GEB-Vorsitzende wünscht sich Konzepte der Stadt, wie der Beruf attraktiver gestaltet werden kann und vergleicht private Anbieter mit jenen städtischen, die weniger Probleme mit der Besetzung freier Stellen hätten: Als Maßnahmenkatalog für städtische Einrichtungen und für die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber schlägt sie eine bessere Eingruppierung, Dienstwohnungen, mehr Gehalt, keine Überbelegung und mehr Fortbildungen vor.

Das sei letztlich eine Entscheidung des Gemeinderates und somit eine politische, wie viel Geld eine Stadt in diesem Bereich einsetzt, so Pantel: Die Betreuung sei mit Abstand der größte Posten im Gemeindehaushalt, ist sich Susanne Pantel bewusst: Doch letztlich entscheide der Gemeinderat, ob eine Krippe gebaut würde oder nicht oder ob freie Träger zugelassen würden oder nicht, erläutert die Vorsitzende.

Kooperation mit GEB Kita Singen geplant

Der GEB Kita in Radolfzell erweitert seine Strategie für die Durchsetzung der Elterninteressen. Er möchte die Programme der Parteien zur Kommunalwahl analysieren und die Ergebnisse den Eltern zukommen lassen. Er möchte ebenso mit dem GEB Kita Singen kooperieren und sich an dessen Konzept der Elternumfrage orientieren.