Der Blick von Wolfgang Scheinberger ruht auf der schwarzen Schreibmaschine der Marke Mignon aus dem Jahre 1904. "Wenn wir keinen Raum finden, gehen die schönsten Sachen in privaten Besitz über. Der Rest kommt in den Müll", sagt der Vorsitzende des Vereins Compurama in der Trafostation der Radolfzeller Köllinstraße. Bis zum 31. Dezember darf der Verein hier noch seine historische Sammlung an technischen Geräten lagern – danach ist Schluss.

Erfolglose Raumsuche

Die Stadtwerke als Vermieter kündigten die Überlassung des Lagerraums auf und bringen den Verein damit in eine prekäre Situation. Der Verein sucht bisher erfolglos nach einem Raum für die Exponate. Von der Stadt und den Stadtwerken kann scheinbar keine langfristige Lösung erwartet werden.

Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke, bedauert die Lage des Vereins. Das Trafohaus werde jedoch für den "operativen Geschäftsbetrieb" ab dem 1. Januar 2019 wieder selbst benötigt. "Unsere Hilfestellung, die wir bis Jahresende geben werden, war in Absprache mit dem Verein nur als Übergangslösung gedacht", so Reinhardt.

Sammlung aus mehr als 500 Museumsstücken

Dass der Raum nur vorübergehend genutzt werden darf, war Scheinberger beim Bezug vor etwas mehr als einem Jahr nicht bekannt, wie er sagt. Er rechnete mit einem langfristigen Verbleib. Der Verein renovierte den Raum und investierte in vier neue Regale. Kosten: 1200 Euro. Ein Betrag, der für einen Verein mit 20 Mitgliedern nicht einfach zu stemmen ist, wie Scheinberger zugibt. Mit den geschichtsträchtigen Maschinen wird nämlich kein Geld verdient, sie dienen zur Ausstellung.

Die Sammlung umfasst 537 Geräte: darunter 59 Telefone, 37 Schreibmaschinen, 254 Computer, 65 Radios und Phonogeräte und 63 Rechenmaschinen. Die Stücke brauchen Platz – den es in Radolfzell nicht gibt. Zumindest in keinem Gebäude, das in der Hand der Stadt liegt.

Auch die Stadtverwaltung hat keine Räume

Seit fünf Jahren probiert es Wolfgang Scheinberger jährlich mit einer Anfrage an den Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab. "Bei jeder Anfrage werden wir weiterverwiesen. Unsere kulturelle Arbeit wird geschätzt, doch es gibt keinen Raum für uns. Als Verein haben wir schlechte Karten", sagt Wolfgang Scheinberger.

Nach einer Nachfrage dieser Zeitung bei der Stadtverwaltung zeigt sich, dass der Pessimismus des Vorsitzenden nicht unbegründet ist. "Die Stadt unterstützt Vereine schon immer bei der Suche nach Räumlichkeiten. Bedauerlicherweise sind gegenwärtig alle zur Verfügung stehenden städtischen Gebäude schon vermittelt. Aktuell ist uns kein Objekt bekannt, welches wir dem Verein zur Verfügung stellen können", sagt Moritz Schade, Pressesprecher der Stadt Radolfzell.

Dem Verein droht das Aus

Bisher konnte die Stadt drei ehemalige Klassenräume in einem Pavillon auf dem Schulhof der Gerhard-Thielcke-Realschule mit rund 200 Quadratmeter anbieten, die den 254 Computern des Vereins Platz bieten. Doch auch dieser Standort ist nur vorübergehend: Nach dem Anbau an die Realschule soll der Schulhof umgestaltet und damit der Pavillon nach 2019 abgerissen werden. In einem Kellerraum der Liggeringer Grundschule stehen die 65 Radios und Phonogeräte des Vereins, doch er ist zu klein für weitere Geräte.

Sollte kein Ersatzraum für das Trafohaus gefunden werden und nach dem Abriss des Pavillons keine dauerhafte Lagerung in Sicht sein, steht der Verein vor dem Aus. Etliche Kulturgüter wären damit verloren.

Vorsitzender regt ein Technisches Museum an

Compurama-Chef Scheinberger verweist auf fünf private Sammler in der Region, die mit dem selben Problem zu kämpfen haben. Sein Vorschlag: "Generell müsste hier im Raum Hegau ein Technisches Museum entstehen, das all die Sammlungen aufnehmen könnte. Das Technorama in der Schweiz schreibt schwarze Zahlen und das Museum in Sinsheim auch. Wir wären zwar viel keiner, aber es müsste doch zu machen sein. Wenn eine Stadt oder das Land will."

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