Wer aus dem Nichts ein Festival mit Kammer- und Orchesterkonzerten organisiert, braucht Mut und Idealismus. Das Organisationsteam der Höri-Musiktage um Hilde von Massow, ihren Mann Wolfgang Wüster und Dirigent Eckart Manke kann behaupten, dass sich das gelohnt hat: Bei der Premiere im vergangenen Jahr waren alle Angebote ausverkauft und die Baden-Württemberg-Stiftung sagte prompt eine weitere finanzielle Unterstützung zu. Die Finanzierung ist es, die eine langfristige Vorbereitung braucht: Die Förderanträge für 2019 und 2020 hat der Verein schon gestellt, bevor die diesjährigen Höri-Musiktage im August über die Bühne gehen.

Initiatoren wollen Finanzlage absichern

"Ein Festival mit Orchester trägt sich nie selbst", erklärt Hilde von Massow. "Wir können erst dann Künstler engagieren und Verträge machen, wenn die Finanzlage sicher ist." Es geht um rund 110 000 Euro, die für die Deckung sämtlicher Kosten der Höri-Musiktage nötig seien. Die Förderung der BW-Stiftung deckt 40 000 Euro ab, diese Förderung muss aber stets neu beantragt werden. Laut von Massow bieten sich Fördermittel vom Land auch deshalb an, weil der Veranstaltungsort, der Augustiner-Chorherrenstift in Öhningen, zu zwei Dritteln dem Land gehören. Dabei sei es eine große Hilfe, dass die Premiere im Vorjahr so gut angenommen wurde. Die Höri-Musiktage seien ein Beispiel dafür, dass solch eine Veranstaltung am letzten Zipfel Deutschlands möglich sei und funktioniere, sagt von Massow. Der Verein kann sich noch viel mehr vorstellen: "Unsere Idee ist die ganzjährige Nutzung des Klosterensembles als Akademie für Orchester- und Ensemblemusik", kündigt sie an. Nun müssten sie mit Gemeinde, Kirchengemeinde, Regierungspräsidium und Land abklären, ob und wie das möglich sei.

2020 dreht sich alles um Beethoven

Vorerst stecken sie aber noch in den Planungen für die nächsten Musiktage. Die Planung für dieses Jahr habe im Sommer 2017 begonnen und das sei immer noch kurzfristig. Für die nächsten Termine haben sie mehr Zeit: "Wir sind jetzt in der inhaltlichen Planung für die nächsten drei Jahre." Weil sich Ludwig van Beethovens Geburtstag im Jahr 2020 zum 250. Mal jährt, soll sich alles um ihn und seine Zeit drehen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll dabei ausgebaut werden. Ein Anfang sei das Konzert in Stein am Rhein, das für Montag, 6. August, geplant ist. Auch für das aktuelle Programm gibt es einen Schwerpunkt: Es soll an die Reichspogromnacht erinnern, die sich zum 80. Mal jährt. Dabei wurde auch die Synagoge in Wangen zerstört. Der Fokus zeigt sich mit einem Klezmer-Konzert und den Werken zweier jüdischer Komponisten.

Wie die Programmplanung entsteht

Woher wissen die Organisatoren, welche Werke sie wählen sollen? Jedes Mitglied des Organisationsteams, das von Pianist Leonhard Dering und Sopranistin Mechthild Bach unterstützt wird, trage Favoriten zusammen. Dann stimmten sie sich ab, bis das Programm steht. "Wir wollen in den Epochen wandern und reizvolle Kontraste finden", sagt von Massow. Ein Klassik-Festival gebe es in dieser kompakten Form nirgendwo sonst. Auch das Festivalorchester mit Studierenden aus Europa sei ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Dirigent Eckart Manke. Dieses Orchester wird eigens zusammengestellt: Mitte Januar haben sie 56 Hochschulen angeschrieben, im März war Bewerbungsschluss und dann haben sie sich Bewerbungsvideos angesehen. Entscheidend sie auch hier die Qualität, sagt von Massow – nur damit könnten sie Akzeptanz erreichen. 44 Musiker wurden ausgewählt, für mehr hätten sie keinen Platz auf der Bühne. Ihr Notenmaterial ist schon bestellt, das war ein weiterer Punkt auf der langen Aufgabenliste. Die Künstler, ob Studierende oder bereits Profis, unterstützten gerne ein junges Festival unterstützen – "wir haben keine Ablehnung erfahren", sagt von Massow.

Was Öhningen für das Gelingen beiträgt

Die Studenten werden in Gastfamilien unterkommen. Das zeige, wie sehr sich die Bevölkerung einbringe, sagt Wolfgang Wüster. "Ein Vorteil, den die geringe Größe von Öhningen mit bringt", ergänzt seine Frau. Und es sei vielleicht ein Ausdruck der Dankbarkeit für ihre Bemühungen, das Kloster wiederzubeleben. Die Organisatoren können sich auch auf Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid und Pfarrer Stefan Hutterer verlassen. Schmid habe sich persönlich um die Verpflegung gekümmert, deren Kosten die Gemeinde übernehme. Hutterer stelle nicht nur Kirchenräume zur Verfügung. Die Mozart-Messe beim Festgottesdienst werde auch finanziell von der katholischen Gemeinde unterstützt.

Was alles funktionieren muss

Wenn Hilde von Massow von den Vorbereitungen berichtet, klingt es fast, als sei an den Höri-Musiktagen selbst gar nicht mehr viel zu tun. Doch dieser Eindruck täuscht, wie sie sagt: Dann geht es um die Bestuhlung, die Versorgung, genügend Wechselgeld und einen funktionierenden Zeitplan. "Selbst Banales kann zum Problem werden, wenn man nicht vordenkt", sagt Wüster. Viele Dinge griffen ineinander, damit ein stimmiges Festival auf der Höri entsteht.