Sylke Boike-Wullich hat wie viele Eltern anstrengende Monate hinter sich. Denn sie musste nicht nur ihre Firma leiten, sondern auch ihre drei Kinder und einen Klassenkameraden betreuen. Nicht nur die Laune, sondern auch die Leistung habe gelitten – schließlich sei sie keine Pädagogin. Doch während des vergangenen Schuljahres wurde nur bedingt normaler Unterricht geboten, häufig blieben die Klassenzimmer zu. Damit das nicht wieder geschieht, ist Sylke Boike-Wullich mit ihrem Mann Andreas Wullich selbst aktiv geworden und hat kurzerhand die Klassenzimmer in der Doppelgemeinde mit 16 Geräten ausgestattet.

Das ersetzt zwar nicht Hygiene-Regeln und Stoßlüften, wie beim Gespräch vor Ort mit Bürgermeister Patrick Stärkdeutlich wird. Aber es könne hoffentlich dazu beitragen, dass das nächste Schuljahr weniger Einschränkungen mit sich bringt.

68.000 Euro für 16 Geräte investiert

Es sieht aus wie ein hoher, schmaler Kühlschrank und brummt ein wenig – aber nicht zu laut, wie Leiterin Christina Gnirss beim Betrachten eines der neun neuen Luftfiltergeräte für ihre Grundschule sagt. Sie habe anfangs nämlich Sorgen gehabt, dass die Geräte zu laut sein könnten. Gemeinsam mit seiner Frau hat sich Andreas Wullich in den vergangenen Wochen eingehend mit solchen Geräten beschäftigt.

Mit der Begleitung und Expertise der hiesigen Kinderärzten Birgit und Christian Döring haben sie einen Hersteller ausgewählt – und 68.000 Euro investiert. Auch für ausreichend Filter für die nächsten zwei Jahre sei schon gesorgt. Einzig die Stromkosten muss die Gemeinde tragen.

Damit hat das Unternehmer-Paar eine große Last von den Schultern der Verantwortlichen genommen. Im Fall der Grundschule ist das Bürgermeister Patrick Stärk. Das sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat Haus am Mühlebach ist hingegen in freier Trägerschaft und kann sich über sieben Geräte für die Kinder mit Behinderung freuen.

Gemeinde-Haushalt ist nicht zuletzt wegen Unwetter belastet

„Ich bin Ihnen beiden sehr dankbar“, sagt Stärk. Nicht zuletzt die Unwetter-Katastrophe im Juli belaste die finanzielle Situation der Gemeinde. Dabei sei Familie Wullich selbst von den Folgen der Katastrophennacht betroffen – „mit am meisten“, wie der Bürgermeister betont. Dennoch sei ihnen die Gesundheit von Kindern sehr wichtig, erwidert Andreas Wullich.

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Geräte sollen auch nach der Pandemie nützlich sein

Während andere Schulen teils noch auf Geräte warten, kann das Schuljahr in Mühlhausen-Ehingen also mit gefilterter Luft starten. Anfang August wurden die Geräte geliefert – das Ehepaar hat extra früh bestellt, um nicht in den allgemeinen Ansturm von Schulträgern zu geraten. Sechsmal pro Stunde soll der Filter nun die Luft im Klassenzimmer tauschen. Das sei auch für eine Zeit nach der Corona-Pandemie relevant, wie Andreas Wullich erklärt. Denn die Geräte würden auch Viren anderer Erkrankungen aus der Luft filtern.

„Das erleichtert den Start für die Kinder“, sagt Christina Gnirss mit Blick auf 156 Schüler, die hier bald wieder fürs Leben lernen sollen. So könne sie sich wenige Tage vor dem neuen Schuljahr bereits wieder auf pädagogische Dinge konzentrieren.

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Massive Entlastung für Haus am Mühlebach

Im Haus am Mühlebach enden die Ferien eine Woche früher, hier wird also schon mit dem sanften Unterton der Filter unterrichtet. Für die besonders gefährdeten Kinder mit Behinderung, die das SBBZ mit Internat besuchen, seien solche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit besonders wichtig, betont Marianne Voelker als Geschäftsführerin. Da könne man noch so viele Notfallpläne für die 45 Schüler und zehn Kindergarten-Kinder machen: Eine Pandemie sei schwer vorauszusehen. Über die Spende sagt sie daher: „Das war für uns eine massive Entlastung.“

Auch im Haus am Mühlebach in Mühlhausen-Ehingen ist die Freude über Luftfiltergeräte groß. Die Kinder, die dort unterrichtet werden und leben, sind aufgrund ihrer Behinderung besonders gefährdet.
Auch im Haus am Mühlebach in Mühlhausen-Ehingen ist die Freude über Luftfiltergeräte groß. Die Kinder, die dort unterrichtet werden und leben, sind aufgrund ihrer Behinderung besonders gefährdet. | Bild: Susanne Dietz-Vollmar

Bürgermeister Patrick Stärk hätte sich schon früher solche Filter-Lösungen gewünscht: „Das hätte man davor schon wissen können und manche Klassenschließung verhindert.“ Unter den aktuellen Umständen könne er sich weitere Schulschließungen nicht vorstellen, höchstens dass einzelne Gruppen auf Zeit geschlossen werden. Doch es sei auch nicht einfach, solche Entscheidungen zu treffen. Er hat beobachtet: „Nichts wird so kontrovers diskutiert wie Schulpolitik.“

Unternehmer wollen gutes Vorbild sein und andere inspirieren

Die Politik hätte früher klare Vorgaben machen können, findet auch Andreas Wullich als betroffener Vater. Er möchte mit seiner Frau als gutes Vorbild vorangehen und andere Unternehmen ermutigen, es ihnen gleich zu tun. Denn als Unternehmen habe man andere Möglichkeiten für eine Investition als eine Behörde, wie sie für die Grundschule zuständig sei, oder die freien Träger des Hauses am Mühlebach: Man könne ohne große Ausschreibungen bestellen, spare die Mehrwertsteuer und könne die Spende steuerlich geltend machen.

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Wie Schulen ins neue Schuljahr starten wollen

Für den Schulstart ist der sogenannte Regelunterricht unter Pandemie-Bedingungen geplant mit versetzten Start- und Pausenzeiten, wie Schulleiterin Christina Gnirss erklärt. Schüler müssen Masken tragen, wenn sie nicht im Sport oder draußen sind. „Grundschüler können diesen Abstand nicht einhalten“, schildert sie. Auch mit konstanten Lerngruppen sollen Infektionen vermieden werden.

Gelüftet werden müsse weiterhin: Musiksaal und Lehrerzimmer haben keine Lüfter und auch unabhängig von Geräten sind sich Experten einig, dass ein regelmäßiger Luftaustausch am besten vor dem Coronavirus schützt.