Margrit Brinkmann aus Mühlhausen hat über den Betreuungsverein der Caritas Singen Hegau die Mitverantwortung übernommen und unterstützt betroffene Personen in den Bereichen Finanzen, Wohnen, Gesundheit und bei Aufgaben und Anforderungen, die im alltäglichen Leben entschieden werden müssen.

„Da wächst man hinein“

Eine komplexe Aufgabe, die auch Einfühlungsvermögen, Verständnis und viel Geduld für Lebensverläufe, die vom Normalen abweichen, erfordert. „Da wächst man hinein“, sagt Margrit Brinkmann, die ein Qualifizierungsseminar beim Caritasverband absolvierte und seit fünf Jahren ehrenamtlich als Betreuerin tätig ist.

Schon während ihrer Berufstätigkeit als Privatkundenberaterin bei der Sparkasse sei ihr bewusst geworden, wie wichtig es für viele Menschen ist, Unterstützung zu haben.

1,3 Millionen Betreute

„Ohne Ehrenamtliche würde es gar nicht gehen“, sagt Brigitte Ossege-Eckert, Fachbereichsleiterin Soziale Dienste bei der Caritas. Trotz demografischem Wandel halte sich die Zahl der Betreuten in Deutschland ziemlich konstant bei 1,3 Millionen.

„Der Grund dafür ist, dass immer mehr Leute eine Vorsorgevollmacht für Angehörige erstellen und eine rechtlich verfügte Betreuung überflüssig wird“, erläutert Ossege-Eckert. Der Betreuungsverein der Caritas ist einer von sieben Vereinen im Landkreis, der Betreuungen übernimmt. Als Unterstützung stehen den Ehrenamtlichen Berufsbetreuer zur Seite.

Die Chemie muss stimmen

Margrit Brinkmann ist eine von 140 Betreuerinnen im nördlichen Landkreis und betreut im Moment zwei Heimbewohner. Wenn man allen Angelegenheiten gerecht werden will, sei das eine ausfüllende Aufgabe. Bei den ersten persönlichen Kontakten müsse man erst mal schauen, ob die Chemie stimmt und man miteinander auskommt.

„Durch regelmäßige Besuche nähert man sich an und kann Vertrauen aufbauen, denn es geht ja um ganz persönliche Dinge. Im Prinzip kümmere ich mich um alles, was die Leute betrifft“, sagt Margrit Brinkmann. Sie weiß, dass viele dankbar für die Unterstützung sind.

„Eigene Fähigkeiten einsetzen“

Die Betreuung einer Person kann über Jahre gehen und immer wieder neue Situationen und Herausforderungen wie beispielsweise Krankheit oder Wohnungswechsel mit sich bringen. Das mache es auch spannend und zu einer schönen Aufgabe: „Man kann die eigenen Fähigkeiten einsetzen und lernt dazu.“, erklärt Margrit Brinkmann.

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Entscheidungen werden immer in Absprache mit der betreuten Person getroffen. Für Margrit Brinkmann heißt das, auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen und gemeinsam zu versuchen, den richtigen Weg zu finden. Was nicht immer einfach ist: „Man muss belastbar sein, denn die Stimmungslage der Personen kann sehr unterschiedlich sein.“ Man müsse sich Zeit nehmen und zuhören, wenn ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen, den verstorbenen Partner vermissen oder traurig sind, weil die Angehörigen sie nicht besuchen. Ein Spaziergang könne da oft schon Abhilfe schaffen.

Bis an die eigenen Grenzen

Ein ganz anderes Feld und wesentlich aufwändiger seien Betreuungen von jungen Menschen mit geistiger Behinderung, die gerade 18 geworden sind. Da könne die Betreuung zu einer Herausforderung werden: „In dem Alter haben sie wenig Einsicht, weil sie viele Dingen nicht überblicken und es kommt Widerstand“. Manche Fälle seien so komplex, dass man an die eigenen Grenzen stoße.

Margrit Brinkmann erzählt von einem Mädchen, mit dem sie sich über einen langen Zeitraum gut verstand. Als der Einfluss der Eltern sich nach der Volljährigkeit aber verstärkte, sei die Betreuung der Tochter zu einer so großen Herausforderung geworden, dass sie von einer Berufsbetreuerin übernommen wurde. Auch im Bereich Krankheit musste Margrit Brinkmann schon schwerwiegende Entscheidungen treffen. Auch wenn der Arzt einen massiven Eingriff für notwendig hält, müsse der Patient seine Einwilligung zur OP geben.

Eine Aufgabe die fordert

Für viele wichtigen Entscheidungen trägt sie die Mitverantwortung, aber Margrit Brinkmann sagt: „Man wächst mit den Aufgaben und es entsteht auch eine Bindung zu den Betreuten.“ Sie genieße ihren Ruhestand, aber es sei auch schön, eine Aufgabe zu haben. Und eine, die fordert, denn sie sei ein Mensch, der sich gern einbringt, wo es gebraucht wird.

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