Axel lebt in einer anthroposophischen Einrichtung in Stuttgart und ist in den Ferien zu Besuch bei seinen Eltern. „Axel ist so ein absoluter Charmeur, dass man ihm seine Behinderung nicht ansieht“, sagt Christa Bühl über ihren Sohn. Schon im Kleinkindalter wurde bei dem heute 52-Jährigen eine Stoffwechselerkrankung festgestellt, die eine eingeschränkte geistige Entwicklung zur Folge hatte.

Damit kamen Anforderungen auf die Familie zu, die für Christa Bühl zu einer Lebensaufgabe im Einsatz für Menschen mit Behinderung wurde. „Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich keine freie Stunde gehabt“, kennt sie die Herausforderungen an die Eltern.

31 Jahre bei der Lebenshilfe

Als der Sohn 16 Jahre alt war, zog die Familie von Böblingen nach Bohlingen und Axel ging auf die Haldenwangschule. Das war für sie der Beginn eines jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagements. Ihr Name ist untrennbar mit der Lebenshilfe Singen-Hegau verbunden, auch wenn ihr Sohn nach der Haldenwangschule zurück in die anthroposophische Einrichtung ging.

Christa Bühl gab nach 31 Jahren im Vorstand der Lebenshilfe ihr Amt als erste Vorsitzende ab. Schon bei ihrer Wahl zur Vorsitzenden habe sie sich für nur eine Periode zur Verfügung gestellt. Christa Bühl sagt mit einem Augenzwinkern: „Ich bin 73 Jahre und da darf man schon mal in Rente gehen.“

Vom PTA-Treff zum Be-Treff

Den gemeinnützigen Verein Lebenshilfe kannte sie schon aus der Zeit in Böblingen, Mitglied war sie dort aber nicht. Außer Schwimmen habe es damals auch nicht viele Angebote für Behinderte gegeben. Zur Lebenshilfe Singen-Hegau kam sie dann über die Haldenwangschule, wo sie gleich zur Elternbeiratsvorsitzenden gewählt worden war. Als dann eine Anfrage der damaligen zweiten Vorsitzenden der Lebenshilfe kam, begann ihr Engagement für den Singener Verein.

Und das gleich an vorderster Front als Beisitzerin. „Zu der Zeit hatte die Lebenshilfe keine eigenen Räume, die Sitzungen fanden privat statt“, denkt Christa Bühl an die Anfänge zurück. Als Angebot für Behinderte gab es damals nur den offenen Freizeittreff der PTA (Pfadfinder trotz allem), den eine Elterninitiative gegründet hatte und der ein Mal wöchentlich im Gemeindesaal Herz-Jesu stattfand. Die Lebenshilfe richtete für die PTA eine Adventsfeier aus und finanzierte eine Silvesterfreizeit. Diese Treffen waren der Wegbereiter für den Be-Treff.

80000 Mark als Startkapital

„Es kamen immer mehr Besucher und den Betreuern wurde die Aufgabe zu viel. Wir mussten die Treffen auf eine professionelle Ebene stellen“, erzählt Christa Bühl. Auf der Suche nach Räumen kamen sie beim Sozialstammtisch im ehemaligen Hammer unter. Das hieß für die Betreuer zusätzlichen Einsatz: „Wir mussten jedes Mal den Billardtisch und Kicker aus dem Keller rauf und wieder runter bringen, aber wir waren froh, dass wir die Räume hatten.“

Dank einer SÜDKURIER-Aktion kamen 80 000 Mark Startkapital zusammen und so konnte die Lebenshilfe von Anfang an auch zwei Halbtagskräfte einstellen. Damit war im Jahr 1996 der Be-Treff als neue Freizeiteinrichtung eröffnet.

„Schwellenängste abbauen“

Während ihrer Zeit im Vorstand konnte durch Spenden vieles auf den Weg gebracht werden. Ihr Dank gilt auch den Teilnehmern und Unterstützern der Sponsorenläufe für den Be-Treff. Dort hätten Behinderte eine Anlaufstelle, wo sie sich treffen, voneinander lernen, sich unterstützen und Erfolgserlebnisse haben. Das könnten Eltern zuhause gar nicht bieten, weiß Christa Bühl aus eigener Erfahrung. „Uns war es auch wichtig, an die Öffentlichkeit zu gehen, Schwellenängste abzubauen und Menschen mit und ohne Handicap zusammenzubringen.“

Der Inklusionsgedanke sei dem Vorstand immer wichtig gewesen, denn Eltern allein hätten gar nicht die Möglichkeit, ihren Kindern die Beteiligung am normalen Leben zu geben. Als Vorstandsmitglied hatte sie Einblick in alle Bereiche und – nicht berufstätig – war sie von Anfang an in alle Aktivitäten eingebunden. Drei Mal wöchentlich Bürozeit im Be-Treff gehörte für sie zum Alltag. Es habe ihr aber immer Freude gemacht: „Es ist erfüllend wenn man sieht, was alles bewegt worden ist“, bezieht sie auch den Familiendienst mit ein.

Als Ehrenamtliche in der Klinik

Als Ruheständlerin kann man Christa Bühl aber nicht bezeichnen, „in Rente“ ging sie nur bei der Lebenshilfe. Sie sagt: „Mir ist es ein Herzensanliegen, mich für Menschen und eine Sache einzusetzen.“

Dafür steht auch ihr Engagement in der Singener Klinik, wo sie sich schon vor 35 Jahren anfangs im Besuchsdienst in der Dialyse einbrachte, dann an den Aufnahmetagen den Lotsendienst für Patienten und den Bücherdienst übernahm. Seit über 25 Jahren bringt sie zwei Mal wöchentlich Lesestoff auf die Stationen. Seit 2000 ist sie auch bei Zonta engagiert, einem Service-Club von und für Frauen.

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