Der Klimawandel wird für die meisten Menschen eine dramatische Veränderung ihrer Lebensumstände mit sich bringen. Teile der Bevölkerung sind aber jetzt schon von den Folgen betroffen. Landwirte und Bauern spüren die Veränderungen praktisch tagtäglich.

Einen Einblick in die Entwicklungen geben unter anderem die Beobachtungen, die Gemüsebauer Leonard Glaser aus Iznang in seinem Berufsleben gemacht hat. Um eines vorweg zu nehmen – seine Einschätzung, ob der Klimawandel existiert, fällt eindeutig aus. „Ich behaupte, dass es ihn gibt“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ihm ist aber klar, dass es sich dabei um einen schleichenden Prozess handelt, der deshalb nicht unbedingt leicht wahrzunehmen ist.

Natürlich kennt er auch die Aussagen der älteren Menschen, die immer davon berichten, dass es auch in früheren Zeiten Wetterextreme gegeben hat. Der 61-Jährige ist in vierter Generation als Gemüsebauer auf der vorderen Höri tätig und kennt die Geschichten aus seiner eigenen Familie. Dennoch ist sich Leonard Glaser sicher, dass sich Ereignisse mehren und in ihrer Intensität zunehmen. „Sie sind extremer und in kürzeren Abständen“, sagt er.

Schleichende Entwicklung

Vor allem aber sieht er eine schleichende Entwicklung hin zu immer wärmeren Temperaturen und vermehrter Trockenheit. „Das merkt man gar nicht so richtig“, sagt er selbst. Zu den steigenden Temperaturen gesellt sich nach seiner Beobachtung eine Zunahme des Windes: „Ich bin der Meinung, wir haben viel mehr Wind“, stellt Glaser fest. In Kombination mit zunehmender Wärme wird der Wind zu einem Problem für die Bauern. Der Boden trocknet schneller aus und damit leiden die Pflanzen und Kulturen.

Zudem bleiben die Niederschläge, die der Boden so dringend benötigt, zunehmend aus. „Wir haben heute teilweise lange keinen Regen mehr“, sagt Glaser. Die Niederschläge fehlen mittlerweile nicht nur im Sommer, sondern bereits im Winter. „Im Winter sind wir als Kinder entweder Schlitten gefahren oder Schlittschuh gelaufen“, erinnert sich der 61-Jährige.

Zu viel Sonne für Freilandtomaten

Die Folgen der klimatischen Veränderungen machen sich in mehrfacher Hinsicht bei Glasers Arbeit bemerkbar. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Kulturen, die entweder im Anbau problematisch oder aber auch erst möglich geworden sind. „Reine Freilandtomaten sind fast nicht mehr möglich“, berichtet er. Grund dafür sind Schäden durch zu intensive Sonneneinstrahlung.

Ähnliches kann er von Erdbeeren und anderen Früchten sagen. Klassische Sommerkulturen wie Brokkoli sind wegen der Wärme ebenfalls problematisch. Und den weißen Rettich, der früher auf der vorderen Höri üblich gewesen sei, könne man nicht mehr anbauen. Für andere Kulturen verbessern sich hingegen die Bedingungen.

Der Klimawandel macht es möglich: Aprikosenblüten auf der vorderen Höri. Derartige Kulturen waren vor einigen Jahrzehnten noch nicht denkbar.
Der Klimawandel macht es möglich: Aprikosenblüten auf der vorderen Höri. Derartige Kulturen waren vor einigen Jahrzehnten noch nicht denkbar. | Bild: Jarausch, Gerald

„Zucchini, Auberginen, Artischocken und Fenchel können wir heute bedenkenlos anpflanzen. das war vor 30, 40 Jahren nicht möglich“, sagt Glaser. Mittlerweile baut er sogar Aprikosen an. Vieles kann zudem deutlich früher geerntet werden als noch vor wenigen Jahrzehnten. „In diesem Jahr haben wir den ersten Spargel am 29. März gestochen. So früh waren wir noch nie“, berichtet er.

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Ähnliches gilt für Salate, Radieschen und Kohlrabi. Mit all diesen Veränderungen müssen Landwirte und Bauern umgehen. Leonard Glaser ist der Meinung, dass man künftig sensibler und bewusster mit der Umwelt umgehen müsse als bisher: „Wir belasten die Umwelt zu sehr.“