„Es tut mir im Herzen weh. Und wenn ich nach Hause komme, dann beschäftigt es mich total“, ringt Brigitte Wiedemann bei ihren Erzählungen aus Rumänien nach Luft. Die Seniorin aus Weiler kämpft mit ihren Tränen, als sie vom Anblick einer an Krebs erkrankten Großmutter erzählt, die ohne Essen im Dunkeln und auf einem Strohsack am Boden liegt oder wenn sie von Kindern berichtet, die vor Hunger auf Müllhalden an leeren Plastiktüten schnüffeln.

Trotz der Mitgliedschaft in der Europäischen Union liegt der Anteil der von Armut betroffenen Menschen in Rumänien bei über 30 Prozent. Vieles sei zwar besser geworden, doch auf dem Land sei die Armut weiterhin groß, berichtet die Weilerin aus eigener Anschauung. Auf den Autobahnen komme man mittlerweile gut und schnell durch Rumänien. Auch gebe es im Moment große Kaufhäuser. „Doch das nützt alles nichts, wenn die Menschen kein Geld haben“, sagt Wiedemann.

Die Stiftung erhielt in diesem Jahr ein Bild der Familie Marian aus Dorbra über die Ankunft der Hilfsleistungen in Rumänien.
Die Stiftung erhielt in diesem Jahr ein Bild der Familie Marian aus Dorbra über die Ankunft der Hilfsleistungen in Rumänien. | Bild: privat

Seit 25 Jahren engagiert sich die Weiler Familie für die Stiftung Mama Rosa, die die Ärmsten in Rumänien mit Hilfsgütern unterstützt. Doch die Pandemie machte der Hilfe nun einen Strich durch die Rechnung.

Die Stiftung ist nach der Gründerin Rosa Engelmann aus Radolfzell benannt. Vor etwa 30 Jahren ermöglichte Rosa Engelmann mit ihrem Ehemann Wolfgang Kindern aus rumänischen Kinderheimen einen mehrwöchigen Urlaub am Bodensee. Bereits fünf Jahre später unterstütze der Ehemann von Brigitte Wiedemann die Initiative und holte gemeinsam mit den Maltesern die Kinder aus Rumänien ab. Was als Urlaubsinitiative für Kinder in Armutsverhältnissen begann, weitete sich im Laufe der Jahre auf das Verschicken von Hilfsgütern nach Rumänien aus.

Die Präsidentin der Stiftung Mama Rosa, Nora Pogan, verladet mit dem Fahrer die Hilfsgüter für Rumänien.
Die Präsidentin der Stiftung Mama Rosa, Nora Pogan, verladet mit dem Fahrer die Hilfsgüter für Rumänien. | Bild: privat

Als Rosa und Wolfgang Engelmann verstorben waren, koordinierte die Weiler Familie die Hilfeleistungen für die Stiftung. „Frau Engelmann und ihr Mann krempelten ihre Ärmel hoch und hatten sich so ins Zeug gelegt – das kann man einfach nicht einschlafen lassen“, erklärt Brigitte Wiedemann das Motiv ihrer Hilfsbereitschaft.

Allein in den letzten sieben Jahren gingen bei ihr 752 Sachspenden ein – durchschnittlich jeden dritten Tag eine. Wegen der Corona-Pandemie kann Brigitte Wiedemann jedoch aktuell keine Sachspenden mehr annehmen, da durch die Maßnahmen zu der Eindämmung der Pandemie der Transport nach Rumänien nicht gesichert ist.

Stiftung unterstützt aktuell Menschen in 30 Ortschaften

Beim Transport der Güter half in den letzten Jahren ein Rumäne, der sich zwei Mal im Jahr geschäftlich in München aufhielt und die Sachspenden aus Weiler mit einem Transporter und Tieflader in seine Heimat brachte. Die Stiftung unterstützt aktuell in drei Ortschaften 30 Kinder und sieben Familien mit Kleidung, Spielzeug, Bettwäsche sowie mit Schulsachen und Gutscheinen für Lebensmittel. Schulen erhalten für den Unterricht Instrumente oder für den Sportunterricht Tennisbälle samt Schläger. Kinder bekommen Roller, Sportschuhe und Trainingsanzüge, aber auch Fahrräder für den Schulbesuch oder ein Fahrgeld für den Bus.

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Die Stiftung Mama Rosa lieferte auch einem Altenheim und einem Krankenhaus Rollstühle sowie Medikamente und ein Ultraschallgerät für die medizinische Versorgung – alles aus Sachspenden, die von Brigitte Wiedemann gesammelt, sortiert, gereinigt und für den Transport hergerichtet werden.

Die Stiftung unterhält mittlerweile ein eigenes Büro im Stiftungshaus in Ilia. Von dort aus werden Hilfsmaßnahmen mit der Weiler Hauptstelle koordiniert. Zu ihnen gehören die Versorgung der Familien vor Ort mit Gutscheinen für Lebensmittel oder dem Kauf von Holz für das Heizen, falls bei einem strengen Winter Dorfbewohner genötigt wären, ihre Obstbäume zu fällen.

Kooperation mit der Stiftung Future for children

Die Stiftung ermöglicht den Erwerb von Ziegen, Hühnern und Ferkeln für die Grundversorgung. Neben prall gefüllten Schultüten mit Sportartikeln, Unterrichtsbedarf und Süßigkeiten konnten zu Ostern durch Geldspenden auch elf Tablets für die Kinder und ihren pandemiebedingt virtuellen Schulunterricht besorgt werden.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung „Future for Children“ werden Unterkünfte und Häuser instandgesetzt oder mit Stromleitungen versorgt, wenn das Dorf mit Hochwasser zu kämpfen hatte. Die Stiftung Mama Rosa ermittelt hierbei den Bedarf für Hilfeleistungen, die von der österreichischen Stiftung mit Material und Handwerkern koordiniert und ausgeführt werden.