Trompeten und wirbelnde Fahnen begrüßen am Freitagabend die MS Vorarlberg im Konstanzer Hafen. Ein ungewöhnliches Bild: Der traditionsbewusste Fanfarenzug Niederburg empfängt das mit hochmodernen technischen Geräten bestückte Schiff der Weißen Flotte. An Bord sind 200 technikbegeisterte Menschen, ausgerüstet mit Computern und Ideen. Sie alle nehmen teil am Hackathon, der zum ersten Mal auf einem Schiff stattfindet. Initiiert und gefördert wurde der sogenannte Umma Hüsla Hackathon von der Plattform für digitale Initiativen und Bodenseemittelstand 4.0. "Die Idee ist, die Grenzen zwischen den vier Bodenseeländern Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein verschwimmen zu lassen und international zusammenzuarbeiten", erklärt Alexandra Boger, die Leiterin von Bodenseezentrum Innovation 4.0. "Der Hackathon findet zum vierten Mal statt", ergänzt Julia Goebel von Bodensee Standort Marketing, "aber eben das erste Mal auf dem Wasser." Sie erklärt auch, dass „umma hüsla" ein österreichischer Ausdruck für rumwurschteln und improvisatorisch etwas auf die Beine stellen ist.

Zwei Ur-Konstanzer tüfteln an einem praktischen Konstanzer Projekt. Thomas Munker (hinten) und Marcus Beck haben Physik an der Uni Konstanz studiert und arbeiten bei ITK Engineering in Friedrichshafen. „Wir erstellen eine Webseite, die die Warteschlange an der Autofähre Meersburg-Staad analysiert und automatisch in Wartezeiten umrechnet“, erklären die beiden Physiker. Bild: Charlotte Kurz
Zwei Ur-Konstanzer tüfteln an einem praktischen Konstanzer Projekt. Thomas Munker (hinten) und Marcus Beck haben Physik an der Uni Konstanz studiert und arbeiten bei ITK Engineering in Friedrichshafen. „Wir erstellen eine Webseite, die die Warteschlange an der Autofähre Meersburg-Staad analysiert und automatisch in Wartezeiten umrechnet“, erklären die beiden Physiker. Bild: Charlotte Kurz | Bild: Charlotte Kurz

Doch nicht nur für die Hacker konnte im Vorfeld so internationales Flair geschaffen werden, auch Interessierte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz können jeweils vor Ort zusteigen und sich über die Projekte informieren, an denen die Hacker innerhalb der 28 Stunden arbeiten.

Techniker wollen Gemüsebeete zum Sprechen bringen

Auf der MS Vorarlberg ist jedes Schiffsdeck vollgepackt mit Tischen, die gruppenweise zusammengestellt sind. Dazwischen findet man Roboter, mehrere 3D-Drucker und jede Menge Laptops, Kabel und Steckdosen. An den Tischen sitzen eifrige Tüftler, die die Köpfe zusammenstecken und innovative Ideen ausarbeiten. Ein Beispiel ist das Projekt der intelligenten Hochbeete, die das Stadtbild der Zukunft revolutionär verändern könnten. "Um einen Bezug zur Natur für Kinder in der Stadt zu schaffen, müssen wir Kohlrabi sprechen lassen", schmunzelt Johannes Diem. Die sechsköpfige Gruppe, bestehend aus Informatikern, Designern und Technikern, plant Beete mit Sensoren auszustatten, die automatisch erkennen, wann Dünger oder Wasser benötigt wird. "Durch eine programmierte Sprachsteuerung können die Nutzer quasi mit den Pflanzen sprechen", erklärt Diem.

Thomas Mathis (vorne links) und Johannes Diem (hinten links) kümmern sich beim Hackathon auf der MS Vorarlberg um das Design intelligenter Hochbeete. Manuel Lang (vorne rechts) und Jan Amann übernehmen die technischen Aufgaben. „2019 kann man unser Projekt in der Stadt Dornbirn bereits besichtigen“, freut sich Thomas Mathis. Bild: Charlotte Kurz
Thomas Mathis (vorne links) und Johannes Diem (hinten links) kümmern sich beim Hackathon auf der MS Vorarlberg um das Design intelligenter Hochbeete. Manuel Lang (vorne rechts) und Jan Amann übernehmen die technischen Aufgaben. „2019 kann man unser Projekt in der Stadt Dornbirn bereits besichtigen“, freut sich Thomas Mathis. Bild: Charlotte Kurz | Bild: Charlotte Kurz

Roboter hadern mit dem Seegang

Eine andere Gruppe programmiert Freundschaftslampen, die über weite Strecken hinweg mit ihren Zwillingen verbunden sind. Nutzer können die Farbe ihrer Lampe verändern und bei ihren Freunden oder Verwandten leuchtet sofort die gleiche Farbe auf. So können sie sich trotz großer Distanz miteinander verbunden fühlen. Student Martin Steinberger ist extra aus Wien angereist, um auf dem Bodensee an diesem Projekt zu arbeiten. An anderen Tischen wird an Robotern, die automatisch Sudokus lösen, und intelligenten Spiegeln, die die morgendlichen Nachrichten und Zugabfahrtszeiten anzeigen können, getüftelt. Eine Gruppe versucht einem Roboter beizubringen, Bälle automatisch in Becher zu werfen, aber hier macht sich dann doch die schwankende Umgebung bemerkbar. Schließlich wird gerade Starkwindwarnung ausgegeben. Roboter auf Schiffen, das ist vermutlich ein seltenes Phänomen und wie der Hackathon auf dem Bodensee zeigt, manchmal mit größeren Koordinationsproblemen verbunden.

Zusammen mit den Kindern Jeremias, Anna, David, Timon und Rafael (von links) basteln Christian Anselmi (hinten links) und Tobias Häusle an einem U-Boot, das Daten über den Zustand des Bodensees erfassen soll, wie zum Beispiel Trübung und pH-Werte. Bild: Charlotte Kurz
Zusammen mit den Kindern Jeremias, Anna, David, Timon und Rafael (von links) basteln Christian Anselmi (hinten links) und Tobias Häusle an einem U-Boot, das Daten über den Zustand des Bodensees erfassen soll, wie zum Beispiel Trübung und pH-Werte. Bild: Charlotte Kurz | Bild: Charlotte Kurz

Die meisten Teilnehmer sind jedoch begeistert über den Veranstaltungsort und genießen den Ausblick. Doch diese Premiere stellt für andere auch ein Hindernis dar: "Ich wollte mitmachen, aber die ganze Zeit auf den Laptop starren und dazu das Schwanken des Schiffes, das geht für mich gar nicht", erklärt Verena Krupp, eine Besucherin des Hackathons. Auch ihr Kollege Stefan Helfrich kann aus den gleichen gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Beide sind nur für ein paar Stunden zu Besuch. Sie freuen sich auf den nächsten Hackathon und hoffen, dass dieser wieder ganz normal an Land stattfinden wird.

Niklas, Arthur, Janne, Robin und Josua (von links) bauen ein Boot aus Müllteilen, das eingesetzt werden soll, um mit Förderbändern und Schaufelrädern Müll aus dem Bodensee zu fischen. Bild: Charlotte Kurz
Niklas, Arthur, Janne, Robin und Josua (von links) bauen ein Boot aus Müllteilen, das eingesetzt werden soll, um mit Förderbändern und Schaufelrädern Müll aus dem Bodensee zu fischen. Bild: Charlotte Kurz | Bild: Charlotte Kurz

Angebot für Kinder

Der gleichzeitig stattfindende Kids Hackathon ermöglichte es Kindern Einblicke in Programmieren und Technik, abseits von Smartphone und Tablet, zu bekommen. In Konstanz gibt es die Initiative IT-Kids für Zehn- bis 14-Jährige. Ins Leben gerufen wurde die Plattform von der BBQ Berufliche Bildung gGmbH und cyberLAGO und wird unterstützt durch das Kinderkulturzentrum der Stadt Konstanz. Die Kinder treffen sich einmal im Monat und programmieren unter anderem Webseiten mithilfe der Programmiersprache Scratch.

Der Fanfarenzug Niederburg empfängt feierlich die 200 Teilnehmer am Hackathon auf der MS Vorarlberg. „Umma Hüsla steht für den österreichischen Ausdruck für rumwurschteln und improvisatorisch etwas auf die Beine zu stellen“, erklärt Julia Goebel von Bodensee Standort Marketing. Bild: Charlotte Kurz
Der Fanfarenzug Niederburg empfängt feierlich die 200 Teilnehmer am Hackathon auf der MS Vorarlberg. „Umma Hüsla steht für den österreichischen Ausdruck für rumwurschteln und improvisatorisch etwas auf die Beine zu stellen“, erklärt Julia Goebel von Bodensee Standort Marketing. Bild: Charlotte Kurz | Bild: Charlotte Kurz