Ingrid Steimer sieht es ihrem Mann an den Augen an, ob er etwas mag oder nicht. Das Café Malta, da ist sich die 72-Jährige sicher, gefalle dem früheren Hausmeister. „Man merkt, dass er sich darauf freut“, sagt sie. In Worten ausdrücken könne er nicht mehr. Die Demenz ließ ihn verstummen – eine Krankheit, die ihm langsam die Sprache raubte.

Vor etwa vier Jahren sei die Alterserkrankung festgestellt worden, sagt Ingrid Steimer. „Mein Mann war ein fröhlicher und gut gelaunter Mensch, irgendwann hat er sich immer mehr zurückgezogen“, erklärt sie. Er sei immer ruhiger geworden, inzwischen sage er gar nichts mehr. Aber seine Augen leuchteten, wenn sie vom Café Malta spreche, dem Treffpunkt des Malteser-Hilfsdiensts im Seniorenzentrum am Fürstenberg.

Für eine Auszeit in das Café Malta

Menschen mit Demenz finden hier Ansprache und pflegende Angehörigen eine kleine Auszeit. Ohne die ehrenamtlichen Helfer würde es das Café nicht geben. Diese sind ebenso gesucht wie Menschen, die das Café durch Spenden unterstützen.

So können Sie das Café Malta des Malteserhilfsdiensts unterstützen

Ihr ganzes Berufsleben hat Marianne Maier den Babys gewidmet, die gerade geboren wurden. Seit fast schon sieben Jahren setzt sich die frühere Kinderkrankenschwester für Menschen mit Demenz ein. „Man sieht die alten Menschen mit ganz anderen Augen. Man zollt ihnen Respekt“, stellt Maier fest.

Seit ihrem Ruhestand sei sie im Café Malta und freue sich, mit den Senioren einen schönen Nachmittag zu gestalten. „Das gibt mir Kraft. Das ist ein tolles Gefühl.“ Im Café Malta gestaltet sie Betreuungsnachmittage, zeigt beispielsweise mit Seidentüchern, wie sich der Wind vom Säuseln zum Sturm aufbaut. Die Gäste machen die Bewegungen mit, und somit ganz nebenbei noch ein wenig Gymnastik.

Ehrenamtlich und mit Freude dabei

Diese raten auch mit Begeisterung mit, wenn Ute Steiniger nach dem „Seelenwärmer“ in der kalten Jahreszeit fragt. Einige wissen, das kann nur die Suppe sein. Eine Frau berichtet von der Nudelsuppe, die sie so gern esse, am liebsten mit Schnittlauch und Rindfleisch. Steiniger gehört ebenso zu den langjährigen Helfern. Seit neun Jahren ist sie im Café Malta dabei.

Ute Steiniger (vorne) und Marianne Maier engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich im Café Malta. Thomas Werner (links) unterstützt sie stets mit seinem Akkordeon. Die Nachmittagsbetreuung für Demenzkranke am Fürstenberg ist derzeit drei Mal in der Woche.
Ute Steiniger (vorne) und Marianne Maier engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich im Café Malta. Thomas Werner (links) unterstützt sie stets mit seinem Akkordeon. Die Nachmittagsbetreuung für Demenzkranke am Fürstenberg ist derzeit drei Mal in der Woche. | Bild: Claudia Rindt

Schon im Berufsleben habe sie mit Menschen zu tun gehabt, berichtet die Frau. Nachdem sie ihre pflegebedürftige Mutter über viele Jahre hinweg betreut hatte, brachte sie sich in das Café ein. „Es macht mir Freude, sonst wäre ich ja nicht schon knapp zehn Jahre dabei“, erklärt Ute Steiniger.

Mit dem Akkordeon ins Café Malta

Einer, der die Gruppe gern unterstützt, ist Thomas Werner und sein Akkordeon. Seit fünf Jahren kommt der Mann mit seinem Instrument und bringt gute Laune in die Runde, etwa mit der Melodie von „Hoch auf dem gelben Wagen“. Der Mann, der im Seniorenzentrum lebt und noch recht fit ist, holt seit fünf Jahren die Musik ins Café Malta. Es ist drei Tagen die Woche zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet.

Sollte es mehr freiwillige Mitarbeiter geben, dann wäre auch ein vierter Nachmittag denkbar, sagt Gisela Zöller, Leiterin der Sozialarbeit beim Malteser Hilfsdienst in Konstanz. Nachfragen gebe es mehr als genug.

Gisela Zöller von der Sozialarbeit der Malteser organisiert die ehrenamtliche Hilfe. Sie hofft auf mehr Freiwillige.
Gisela Zöller von der Sozialarbeit der Malteser organisiert die ehrenamtliche Hilfe. Sie hofft auf mehr Freiwillige. | Bild: Claudia Rindt

Aufgrund der Corona-Pandemie dürfe ein Besucher derzeit nur an einem Nachmittag in der Woche kommen, sagt Zöller. Die Gruppen seien verkleinert worden, dürften nur mit Abstand ins Café Malta. Masken sollten die Menschen auch tragen, doch das sei den Senioren mit Demenz nicht immer zu vermitteln. Die Gruppe widme sich an einem Nachmittag meist einem Thema, angepasst an die Jahreszeit. Aktuell geht es um den Herbst und den Advent.

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Oft erzählten die Senioren von ihren Erlebnisse aus der Kindheit und der Jugend. Diese Biografiearbeit helfe den Menschen mit Demenz, sich zu erinnern, wer sie sind. Dieses Berichten, aber auch der Kaffee und der Kuchen, das Basteln, Malen und Scherzen gehöre zum Café Malta. Die Besucher erlebten hier, was sie trotz der Krankheit noch alles können. Zu den goldenen Regeln des Treffens gehöre es beispielsweise, mit den Erkrankten zu sprechen und nicht über sie, sagt Gisela Zöller.

Ehrenamtliche dringend gesucht

Sie hofft, das Café an einem weiteren Tag öffnen zu können, am Dienstag oder Donnerstag. Dafür benötige sie noch ehrenamtliche Helfer, also Menschen mit Einfühlungsvermögen und Geduld. Sie arbeiten im Sinne der tätigen Nächstenliebe gegen eine Aufwandsentschädigung. Die Pflegekasse komme in der Regel für die Betreuungsstunden im Café auf.

Wer bereit sei zu helfen, werde 40 Stunden lang geschult für die besonderen Anforderungen, sagt Gisela Zöller. Sie hofft auf Bürger, die bereit sind, Zeit zu spenden und sich für Menschen mit Demenz engagieren wollen. Das Café habe zudem den Wunsch, seniorengerechte Sessel neu anzuschaffen. Zur Zeit gibt es nur ein Sofa, in das die alten Menschen so tief sinken, dass sie ohne Hilfe nicht aufstehen können.

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Das Café Malta entlastet pflegenden Angehörigen wie etwa Ingrid Steimer. Ihr Mann könne zwar auch mal allein bleiben, wenn sie etwa einkaufen gehe. Zeit für sich habe sie aber nur, während ihr Mann im Demenz-Café sei, berichtet die 72-Jährige. Sie nutze diese, um Spazieren zu gehen, eine Freundin zu treffen oder einen Verein zu besuchen.