Die jüngste Sitzung des Konstanzer Gesamtelternbeirats Schulen (GEB) könnte mit einem zentralen Thema überschrieben werden: Wie können Kinder und Jugendliche bestmöglich aus der Krise geführt werden? Denn dass die Jüngeren einen enormen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie geleistet haben und immer noch leisten, darüber waren sich Elternvertreter, Stadträte und Schulleiter bei der virtuellen GEB-Sitzung einig.

„Wir sind keine Querdenker“

So stellte Ellenrieder-Elternbeiratsvorsitzender Stefan Weinschenk die Initiative „Bringt Steine ins Rollen“ vor: Konstanzer Schüler können ihre Sorgen und Gedanken zum Unterricht während der Pandemie auf Steine schreiben, diese an einen festgelegten Ort an ihrer Schule legen und ein Foto davon auf die Internetseite www.geb-konstanz.de hochladen. Die Aktion dauert noch bis Ende Juni. Danach wollen die Initiatoren alle Steine einsammeln und sie der Landesregierung übergeben – in welcher Form, steht noch nicht fest.

Sie kämpfen für die Bildungsrechte der Kinder und Jugendlichen (von links): Anne Mone Sahnwaldt, Sonali Mahlas-Bartels, Stefan Weinschenk und Thomas Wolf vom Konstanzer Gesamtelternbeirat.
Sie kämpfen für die Bildungsrechte der Kinder und Jugendlichen (von links): Anne Mone Sahnwaldt, Sonali Mahlas-Bartels, Stefan Weinschenk und Thomas Wolf vom Konstanzer Gesamtelternbeirat. | Bild: Kirsten Astor

„Wir wollen endlich nicht nur gehört, sondern auch erhört werden“, fordert Stefan Weinschenk. „Wir sind keine Querdenker“, betont er. „Aber wir möchten die Aufmerksamkeit auf Kinder, Jugendliche und Studierende lenken. Sie wurden zuerst weggesperrt und werden zuletzt wieder freigelassen.“ Eine der Forderung der Konstanzer Aktion ist: „Es braucht jetzt nachhaltige und zukunftsorientierte Bildungsmaßnahmen und deutlich erhöhte Bildungsausgaben.“

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Außerdem solle es mehr Lehrer, Schulsozialarbeiter und -psychologen sowie Fortbildungen geben und eine Weiterentwicklung der Digitalisierung an Schulen. Stefan Weinschenk fragt: „Bleibt auch nach der Pandemie etwas von der Digitalisierung übrig? Und gibt es auch künftig neue Tabletcomputer oder war das eine einmalige Hau-Ruck-Aktion des Landes?“

„Schule zu Hause ist doof“

Rund 150 Steine sind schon bemalt, auch vor der Grundschule Dettingen liegen ein paar Exemplare. „Blöde Maske“ ist auf einem Stein zu lesen. „Lasst die Kinder Kinder sein“ sowie „Druck raus, mit Freude lernen“ auf anderen. Auch der Sohn des Dettinger Elternbeiratsvorsitzenden Thomas Wolf hat seine Meinung auf einem Stein kundgetan: „Schule zu Hause ist doof“.

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Zwei Schulleiter bestätigen die „sehr intensive Zeit“ an den Schulen. So sagte Frank Raddatz, Geschäftsführender Schulleiter aller Schularten (außer Gymnasien) sowie Theo-Rektor: „Wir haben viele neue Dinge gelernt, die wir hoffentlich nie wieder brauchen: Wie erstellt man Hygienepläne, wie organisiert man Wechselunterricht?“ Nun sind alle Schüler seit etwa zwei Wochen wieder im Präsenzunterricht.

Frank Raddatz ist der Leiter der Theodor-Heuss-Realschule.
Frank Raddatz ist der Leiter der Theodor-Heuss-Realschule. | Bild: Kirsten Astor

Das Fazit von Frank Raddatz: „Wir stellen Kompetenzlücken fest, aber auch Schwierigkeiten im Sozial- und Arbeitsverhalten.“ Diese Aussage bereitete den Eltern des GEB Sorgen. Petra Rietzler fragte: „Kann nicht mal der Strahlensatz hintenangestellt werden zugunsten gemeinsamer Ausflüge?“ Raddatz bejahte: „Alles, was erlaubt ist, wird gemacht, unter anderem gehen viele Klassen Eis essen. Das klingt banal, bringt aber viel für das Klassenklima.“ Auch die Schulsozialarbeit sei sehr gefordert.

Patrick Hartleitner, Geschäftsführender Schulleiter der Gymnasien und Suso-Rektor, ergänzte: „Es gibt gleich vier Programme in den Ferien, damit Schüler Lernlücken aufholen können.“ In Sachen Digitalisierung hätten die Kollegien sehr viel gelernt, dafür sei die Schulentwicklung fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Patrick Hartleitner ist Rektor des Konstanzer Suso-Gymnasiums.
Patrick Hartleitner ist Rektor des Konstanzer Suso-Gymnasiums. | Bild: Kirsten Astor

Zum Thema Corona-Tests an Schulen gab Hartleitner einen Ausblick: „Am Suso läuft noch bis zu den Sommerferien ein Pilotprojekt. Wir testen digitale Bescheinigungen negativer Corona-Tests, es läuft gut.“ Anschließend soll dies möglicherweise auch an anderen Schulen angeboten werden.

„Hier soll Geld gespart werden...“

Und dann tauchte am Ende der Diskussion ein altbekanntes Thema wieder auf: Die mobilen Luftfiltergeräte. Die Stadt Konstanz hatte einst einem Vater eine Absage erteilt, der solche Geräte für die Grundschule Allmannsdorf spenden wollte. Der Schulträger entschied in Absprache mit den Schulleitern, dass an keiner der Konstanzer Schulen solche Geräte zum Einsatz kommen sollen.

Nun forderte die stellvertretende GEB-Vorsitzende Anne Mone Sahnwaldt: „Wir brauchen diese Geräte in den Klassenzimmern! Sonst heißt es im Herbst wieder: Masken an, Fenster auf und gegen die Kälte Hüpfen und Klatschen. Hier soll Geld gespart werden, indem man sagt, diese Geräte brächten nichts.“

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In dasselbe Horn bliesen Stefan Weinschenk, SPD-Stadträtin Zahide Sarikas und Grünen-Stadtrat Günter Beyer-Köhler. Angesprochen war Frank Schädler, Leiter des Konstanzer Amts für Bildung und Sport. Er antwortete: „Unsere Grundlage sind wissenschaftliche Daten zur Wirksamkeit solcher Geräte. Demnächst erscheint dazu ein Gutachten des Landes Baden-Württemberg, dann können wir das diskutieren.“