Wer zum Einkaufen oder aus touristischen Gründen über die Grenze will, muss seit Mittwoch zehn Tage in Quarantäne. Die neue Regel überraschte am Dienstagabend Händler, Bürger und Lokalpolitiker. Was bedeutet das für Konstanz?

Während am Dienstagabend einige Schweizer noch schnell einkaufen gegangen waren, war Norbert Baur, Geschäftsführer der Edeka Frischemärkte Baur, alarmiert.

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Offenbar hatte die Landesregierung vergessen, dass viele Schweizer frische Waren vorbestellt hatten. Jürgen Baur sagte: „Wir haben Berge von Vorbestellungen und die Schweizer können sie nicht abholen, wir wissen jetzt nicht, was wir mit der Ware machen. Man hätte uns trotz all der Strenge und Notwendigkeit 24 Stunden Zeit geben können. Wir müssen eine Lösung finden. Es geht gar nicht ums Geld, es geht um die Kunden.“

Ein Glück: Entwarnung

Zumindest an dieser Stelle gab es wenige Stunden später Entwarnung: Der Handelsverband hatte nachverhandelt. Vor dem 22. Dezember vorbestellte Waren dürfen abgeholt werden. Doch die Schweizer Kunden fehlen nicht erst seit gestern. Peter Herrmann, Geschäftsführer vom Lago, sagt: „Seitdem die Schweiz im Oktober zum Risikogebiet erklärt wurde, fehlen uns die Kunden. Allgemein ist das Kaufverhalten sehr verhalten. Ohnehin haben momentan nur sechs Geschäfte offen.“

Peter Herrmann, Geschäftsführer des Lago Shoppingcenters. Viel los ist nicht.
Peter Herrmann, Geschäftsführer des Lago Shoppingcenters. Viel los ist nicht. | Bild: Eva Marie Stegmann

Was er sich wünscht? Einen nachvollziehbaren Fahrplan statt Über-Nacht-Entscheidungen. „Und ein klares Signal aus der Konstanzer Politik mit Bekenntnis zum Handelsstandort Konstanz.“

Handel in Konstanz Gesamtverlust 35 Prozent

Im Lago ist es leer, die aufwendige Weihnachtsdekoration strahlt fast alleine vor sich hin. Erst kürzlich war Peter Herrmann in Beratungen mit anderen Branchenvertretern. „Der Konstanzer Handel hat dieses Jahr einen Gesamtverlust von etwa 35 Prozent erlitten. Das sind Millionen an Gewerbesteuern, Familienbetriebe, die kaputt und Arbeitsplätze, die verloren gehen, weil Handel und Gastronomie der Umsatz fehlt.“

Bild: Eva Marie Stegmann

Bei der Bäckerei Sternenbäck ordnet Hildegard Löser Stollen. Kein Kunde weit und breit. „Wir spüren den Wegfall der Schweizer Kunden massiv, eine von zwei Filialen im Lago hat zu, weil es sich einfach nicht lohnt gerade.“

Was Andreas Jung bedauert

Für den Konstanzer Bundestagspolitiker Andreas Jung (CDU) kam die neue Regel kurzfristig, aber wenig überraschend: „Es gab schon länger Diskussionen, die Regeln anzupassen. Auch wegen der Skiausflüge vieler Deutscher in die Schweiz.“ Auch seien viele in Grenzregionen zum Weihnachtsgeschenke-Kaufen gefahren, seitdem wieder Lockdown herrsche.

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„Letztes Wochenende war in Straßburg verkaufsoffener Sonntag. Viele Deutsche waren dort. Die 24-Stunden-Regel war nicht dazu gedacht, dass Dinge, die bei uns nicht erlaubt sind, im Ausland gemacht werden.“ „Eines bedaure ich sehr“, so Jung weiter, „dass es nicht geglückt ist, hier und in den Grenzkantonen vergleichbare Regeln zu schaffen.“

Nese Erikli (Grüne): „Land blieb nichts anderes übrig.“

Auch die Landtagsabgeordneten haben offenbar erst kurzfristig von den Absichten des Landes erfahren, die Quarantäneverordnung anzupassen. Die Konstanzer Abgeordnete Nese Erikli (Grüne) sagt: „Angesichts der katastrophal hohen Ansteckungs- und Todeszahlen blieb dem Land nichts anderes übrig.“ Dass die Schweizer, die in Deutschland vorbestellt haben, ihre Waren abholen dürfen, findet sie richtig. „Gut, dass hier nachgearbeitet wurde.“