Glühweinstände, der Geruch von Bratwurst, der sich mit Lebkuchenduft durchmischt, und ein Gedränge, das manchen die soziale Distanz herbeiwünschen lässt – all dies wird es diesen Dezember in Konstanz nicht geben. Die Bundesregierung hat am Mittwoch das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. Dezember verlängert. Konkret: Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktnachverfolgung und Einhaltung von Hygienemaßnahmen nicht möglich sind, bleiben verboten.

Stadtverwaltung bestätigt das Aus

Auf Anfrage des SÜDKURIER heißt es aus der Verwaltung: „Den Weihnachtsmarkt in seiner üblichen Form wird es nun sicher nicht geben.“ Walter Rügert, Pressesprecher der Stadtverwaltung: „Um die Situation abschließend beurteilen zu können, müssen wir noch abwarten, wie das alles in Baden-Württemberg rechtlich umgesetzt wird.“

Der Konstanzer Weihnachtsmarkt im Hafen, ein Bild aus dem Jahr 2019
Der Konstanzer Weihnachtsmarkt im Hafen, ein Bild aus dem Jahr 2019 | Bild: Robert Hahn Bauer

Wie rettet man einen Weihnachtsmarkt?

Wird es nun aber wirklich keine Möglichkeit geben, die Vorweihnachtszeit in der Stadt zu genießen? Das Veranstalter-Team will die Hoffnung noch nicht aufgeben. Doch auch Levin Stracke sagt: „Eine große Veranstaltung wie wir sie aus den Vorjahren kennen wird es nicht geben.“ Gemeinsam mit seiner Familie und dem zweiköpfigen Team von Event-Promotion organisiert Stracke den Weihnachtsmarkt 2020 – oder versucht, ihn unter Corona-Bedingungen zu retten.

Ein Sicherheitskonzept sollte die Veranstaltung ermöglichen

Über Monate hinweg hat das Organisationsteam versucht, mit einem Sicherheitskonzept ein Weihnachsmarktgeschehen so zu planen, dass es die nötigen Hygienebestimmungen einhält. Das Konzept enthielt beispielsweise ein Einbahnstraßen-System, ein Konzept für die Gastronomie-Stände, Besucherzählung über Video sowie zusätzliches Personal, das als Ordner eingesetzt worden wäre. „Das Konzept ist gut, die Umsetzung wäre aber mit extrem hohen Kosten verbunden gewesen“, erläutert Stracke.

Levin Stracke (links) und Frank Schuhwerk von Event Promotions hoffen, dass es doich noch eine Chance gibt, einen dezentralen kleinen Weihnachtsmarkt zu organisieren.
Levin Stracke (links) und Frank Schuhwerk von Event Promotions hoffen, dass es doich noch eine Chance gibt, einen dezentralen kleinen Weihnachtsmarkt zu organisieren. | Bild: Wagner, Claudia
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Hinzu komme das hohe unternehmerische Risiko. Bei steigenden Infektionszahlen zum Zeitpunkt des Weihnachtsmarkts wären die Veranstalter Gefahr gelaufen, dass der Markt abgebrochen worden wäre – mit zu wenig Umsatz und bereits entstandenen hohen Kosten. Doch dieses Konzept ist nun ohnehin hinfällig. Das Organisationsteam hat so viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt, dass es gern eine Alternative anbieten würde. „Wir wollen eine Veranstaltung vorschlagen, die kleiner und dezentral organisiert ist“, sagt Stracke. Mehr will er dazu mit Rücksicht auf die laufenden Gespräche mit der Stadtverwaltung nicht sagen. Möglich sei ohnehin nur, was im Moment genehmigungsfähig ist.

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Für die Händler dürfte es von zentraler Bedeutung sein, ob es gelingt, eine Alternative zu schaffen. Gerade für Aussteller, die dauerhaft auf Messen und Märkten unterwegs sind, ist das Weihnachtsgechäft unersetzbar. „Seit März haben sie in diesem Corona-Jahr keine Einnahmen mehr, das kann nicht gut gehen“, sagt Stracke.

Auch die Konstanzer Händler wollen einen Weihnachtsmarkt

Für die Konstanzer Standbetreiber sei der Weihnachtsmarkt dagegen eher ein weiteres Standbein ihres Geschäfts, wenn auch ein wichtiges. Das bestätigt Roy Braunwarth, der Glasarbeiten verkauft. „Für die breite Händlerschicht ist er ein wesentlicher Umsatzfaktor“, sagt er. Sein eigener Betrieb ruhe auf drei Säulen: sein Geschäft in der Niederburg, der Weihnachtsmarkt und direkte Kundenaufträge.

Persönlich würde er sich über ein alternatives Konzept eines kleineren Markts freuen. Die Krise biete die Chance, etwas Neues auszuprobieren. „Dabei müssten Stadtmarketing und Verwaltung aber sehr schnell handeln und helfen, die Idee zu bewerben.“