Auf einem alten Pressefoto von Hella Wolff-Seybold sitzt der CDU-Stadtrat Klaus Keller-Uhl auf einem Oldtimer-Motorrad und knattert lachend über die gerade fertiggestellte Schänzlebrücke. Auf dem Rücksitz der damalige Oberbürgermeister Bruno Helmle.

Ein Brückenbauer zwischen den Fraktionen

Der Bau der als Autobahnbrücke geplanten zweiten Überquerung des Seerheins war jahrelang heftig umstritten gewesen. Harte Prozesse von Anwohnern und Umweltschützern waren gegen das Monsterbauwerk geführt worden. Die politische Atmosphäre zwischen bürgerlichen Fraktionen, die das Bauwerk befürworteten, und Bürgerinitiativen war schwer belastet.

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In dieser Situation versuchte Keller-Uhl, mit seiner humorvollen Einlage die Gemüter zumindest für den Moment zu befrieden. Ein für ihn typischer Akt: In rund einem Vierteljahrhundert seiner Gemeinderatszugehörigkeit gehörte der Bäckermeister aus der Altstadt nie zu den konfrontativen Diskutanten, Polemik war ihm fremd, er glaubte an die Kraft des Kompromisses: Ihm lag an Interessensausgleich, moderatem Ton und am Brückenschlag auch zum politischen Gegner.

Ein Herz für das historische Konstanz

Neben seinem Interesse an sozialpolitischen Fragen widmete sich Klaus Keller-Uhl im Gemeinderat der Kultur und vor allem dem Denkmalschutz. In den 1980ern wurde die Stadt an allen Ecken modernisiert. Rasch passierte es, dass bedeutende Zeugen der städtischen Architekturgeschichte verschwanden, um einfallslosen Betonkisten Platz zu machen.

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In dieser Atmosphäre hat Keller-Uhl den von ihm einst gegründeten Arbeitskreis Denkmalpflege in die Stiftung Stadtbild Konstanz umgeformt. Engagiert und öffentlich hörbar weist die Stiftung seither auf erhaltenswerte Bauten hin, gibt Eigentümern Hilfe zur Sanierung und zeichnet mit einer edlen Plakette gelungene Vorhaben aus.

Ein Unterstützer des Studiums an der HTWG

Bei aller Liebe zur Geschichte war Keller-Uhl kein starrer Konservativer. Unter der politischen Leitung von Bürgermeister Wilhelm Matthias Hansen, dem damaligen Abgeordneten Klaus von Trotha und FH-Rektor Olaf Harder gehörte Keller-Uhl zum Kreis der Engagierten, die dafür kämpften, die alte „Bodenseekunstschule“ in die Fachhochschule zu überführen und so die Designerausbildung für Konstanz zu erhalten.

Neben seinem Beruf als Uni-Verwaltungsangestellter und dem Erhalt der Bäckerei, die längst von Sohn Reginbert weitergeführt wird, widmete sich Keller-Uhl liebevoll der Straßenfasnacht: Als Chef der Laugelegumper wahrte er Traditionen, unterstützte Anfang der 1980er-Jahre den neuen „Butzenlauf“ und sorgte dafür, dass Schnurrgruppen im „Laugelekeller“ neben dem Landgericht immer herzlich bewirtet wurden.

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