Nächstes Jahr wird kein Fünftklässler mehr zum Zähringerplatz aufbrechen. Zumindest nicht, wenn sie oder er eine Realschule besuchen will. Der Gemeinderat hat das schrittweise Aus der Theodor-Heuss-Realschule ab dem Schuljahr 2021/22 mit einer 80-Prozent-Mehrheit beschlossen. Die letzten Abschlussprüfungen finden voraussichtlich im Sommer 2024 statt.

Zweite Gemeinschaftsschule statt Erweiterung der bestehenden

Gleichzeitig soll die Stadt Konstanz schnellstmöglich eine neue Gemeinschaftsschule mit bis zu drei Zügen einrichten, die nach einigen Umbaumaßnahmen in die Räume des Theo ziehen zoll. Eine alternative Erweiterung der bestehenden Gemeinschaftsschule Gebhard auf bis zu acht Züge ist somit vom Tisch.

Die Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz, hier der Standort in der Pestalozzistraße, wird nun doch nicht auf bis zu acht Züge erweitert.
Die Gemeinschaftsschule Gebhard in Konstanz, hier der Standort in der Pestalozzistraße, wird nun doch nicht auf bis zu acht Züge erweitert. Stattdessen wird eine zweite, eigenständige Gemeinschaftsschule am Zähringerplatz eingerichtet. | Bild: Oliver Hanser

Frank Raddatz, Rektor des Theo, bedauert die Entscheidung und erklärt: „Bis zuletzt hatten wir die Hoffnung, dass die Vielfalt des schulischen Angebots in Konstanz für die Entscheidungsträger wichtig sein würde, auch dass es gelingen könnte, eine Lösung ohne Verlierer zu finden.“

Frank Raddatz, Rektor der Theodor-Heuss Realschule in Konstanz.
Frank Raddatz, Rektor der Theodor-Heuss Realschule in Konstanz. | Bild: Oliver Hanser

Theo-Schulleiter: Qualitäten der Schule fanden keine Beachtung

Mit Vielfalt meine er Art, Struktur und Größe der Schule. „Leider verengte sich die Betrachtung in der letzten Zeit auf die zwei Optionen, entweder die Theodor-Heuss-Realschule zu retten und gleichzeitig die Idee der Gemeinschaftsschule zu schädigen oder umgekehrt“, so Raddatz weiter.

Ihm fehlte die Beachtung der Qualitäten einer kleinen Schule für „Schüler mit besonderem Entwicklungsbedarf“ oder für jene, die von einem Gymnasium auf das Theo wechselten und „ihren Bildungsweg sehr erfolgreich korrigieren konnten“ – bis hin zum Abitur über die Berufsschulen.

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„Diese Ideale wurden nun von der Mehrheit der Räte dem Prinzip der Gemeinschaftsschule untergeordnet – damit erhält die letzte eigenständige Realschule in Konstanz das Aus“, fasst Theo-Rektor Raddatz zusammen und dankte – auch im Namen der Lehrerinnen und Lehrer – der Minderheit.

FGL-Stadträtin schert von Haltung ihrer Fraktion aus

Zu ihr gehörte bis zuletzt Stadträtin Anne Mühlhäußer (Freie Grüne Liste), weil sie die Schule „als wichtigen Baustein der Konstanzer Schullandschaft“ sieht. Sie wich dabei von der Mehrheitsmeinung ihrer Fraktion ab, die für das Aus des Theo stimmte, weil „dies strukturell notwendig ist“, wie Mühlhäußers Fraktionskollege Till Seiler anmerkte.

Mit Blick auf die große Nachfrage auf die bestehende Gemeinschaftsschule Gebhard und angesichts geringer Anmeldezahlen am Theo sah Susanne Heiß (Freie Wähler) in der Entscheidung „den eindeutigen Elternwillen abgebildet“. Anne Mühlhäußer hatte die rückläufigen Anmeldezahlen am Theo dagegen in Zusammenhang damit gebracht, „dass seit Jahren über eine mögliche Schließung spekuliert wird“ und stattdessen nicht „das teils überdurchschnittliche Leistungsniveau kommuniziert wurde“.

Stadträtin Zahide Sarikas begründete für die SPD-Fraktion die Abstimmung für eine zweite Gemeinschafts- und das Aus der Realschule: „Es ist wichtig, dass wir vorwärts kommen und Eltern und Kindern Sicherheit geben, wohin der Weg geht.“

Kritik von der FDP und dem Jungen Forum Konstanz

Eine letzte Kritik an der Aufgabe des Theo äußerten Vertreter der Fraktionen Junges Forum (JFK) und FDP. Letztere hatte sich besonders deutlich für den Erhalt ausgesprochen. „Wir wollen eine möglichst große Vielfalt“, sagte der Fraktionsvorsitzende Heinrich Everke. Mit Blick auf die begehrte Gemeinschaftsschule fragte er: „Wie viele pädagogische Konzepte werden wir im Laufe der Zeit kennenlernen und wieder fallen lassen?“

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Sei das Theo einmal weg, „geht ein wertvoller Baustein unserer Schullandschaft verloren“. In 20 Jahren sei der Zulauf auf den noch jungen Schultyp vielleicht vorbei. „Dann haben wir zwar eine riesige Gemeinschaftsschule, aber keine kleine Realschule mehr“, sagte Everke.

Ins selbe Horn stieß der JFK-Vorsitzende Matthias Schäfer und taufte den betreffenden Tagesordnungspunkt (Schulentwicklungsplanung) in „Schulschließungsplanung“ um. Seine Fraktion stimmte wie die FDP gegen das Ende der Theodor-Heuss-Realschule.

Theo-Elternbeiratsvorsitzende mahnt: „Noch ist das Theo nicht geschlossen.“

Franka Gansow nahm nach der Sitzung die Stadt und die Schule in die Verantwortung. In ihrer Funktion als Elternbeiratsvorsitzende „fordere ich für uns Eltern die Möglichkeit der Mitwirkung und Beteiligung bei der Umsetzung der nächsten Jahre. Ein Übergang muss pädagogisch und strukturell gut geplant werden“, erklärte sie gegenüber dem SÜDKURIER.

Gansow spreche dabei auch für Familien, die sich bei den Anmeldungen fürs kommende Schuljahr ganz bewusst fürs Theo entschieden haben. „Und das, obwohl bereits das Auslaufen der Schule schon fast beschlossene Sache war“, sagte sie, die einerseits „traurig ist, dass nun der politische Wille durchgesetzt und besiegelt wurde“. Andererseits gab Franka Gansow zu bedenken: „Noch ist das Theo nicht geschlossen.“