Man stelle sich vor: In einer beliebten Ausflugsregion rutscht ein Hang und das Erdreich bleibt über Jahre hinweg nahezu unangetastet liegen. Weil sich Privateigentümer nicht in die Pflicht nehmen lassen wollen, die Stadtverwaltung sich bedingt in der Pflicht sieht und beide Seiten zwischenzeitlich über Anwälte miteinander kommunizieren. Somit wird sich am Hohenegg in Allmannsdorf auch nach vier Jahren so schnell nichts tun, beliebte Fuß- und Radwege bleiben verengt – oder gar nicht nutzbar.

Der Hang bewegt sich

Für Alexander Gebauer steht fest: "Es ist wichtig, dass etwas passieren muss." Diesen Wunsch hegt der Ehrenvorsitzende der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) seit langem. Er weiß um die Bedeutung des Hoheneggs als Naherholungsgebiet, wenn Spaziergänger den Weg oberhalb des Hangs beschreiten wollen, von dem auch Touristen einen bleibenden Einblick in die Landschaft und von der Region erhalten haben. Zäune versperren den Weg. Auf der Hoheneggstraße zwischen Brauerei Ruppaner und Weinhandlung "Zum Felsenkeller" passieren Nutzer des Bodensee-Radwegs und Fußgänger ebenfalls Gitter, die das abgerutschte Erdreich abgrenzen.

Und fest steht: Das Erdreich bewegt sich weiterhin. Der Rest des Hangs ist aufgrund seiner Steilheit in Verbindung mit dem geologischen Schichtenaufbau und Wassereinflüssen nicht stabil. "Rutschungen sind unter diesen Bedingungen ein unvermeidbarer natürlicher Prozess", erklärt Martin Wichmann, Leiter des Umweltamts bei der Stadtverwaltung. Es müsse etwas getan werden. Die Hoheneggstraße und ein Gebäude der Brauerei Ruppaner lägen in direktem Einflussbereich von zu erwartenden Rutschungen. Eine Absicherung sei unumgänglich.

Für eine Stabilisierung des Hangs und eine Sanierung müssen mehrere Seiten an einem Strang ziehen. Das tun sie aber nicht. Auf telefonische SÜDKURIER-Anfrage antwortet ein Grundstückseigentümer, er habe alles gesagt, was er sagen wollte: nämlich nichts. Versuch beim zweiten Eigentümer: kein Kommentar. Die betreffenden Personen seien zwischenzeitlich anwaltlich vertreten, geht aus einer Stellungnahme von Martin Wichmann hervor.

Es geht um viel Geld

"Der Rechtsbeistand der Eigentümer hatte argumentiert, dass sich das Risiko eines weiteren Hangrutsches verringert habe und dass die Errichtung einer Stützmauer ausreichend Schutz für die Hoheneggstraße biete. Die Objektivität des von der Stadt beauftragten Gutachtens wird in Zweifel gezogen." Was darauf deutet, dass sich die Stadtverwaltung auf eine längere juristische Auseinandersetzung einstellen muss. In dieser Angelegenheit geht es um Geld, viel Geld: rund 400.000 Euro.

Auf diese Summe hat das Radolfzeller Ingenieurbüro HPC die Sanierungskosten für den Hang am Hohenegg beziffert. Es war zu der Einschätzung gekommen, dass "mehrere ungünstig zusammenwirkende Faktoren" zu dem Rutsch von 850 Kubikmeter Erdreich beigetragen haben. 850 Kubikmeter als Teil einer "landschaftlichen Kostbarkeit", wie Alexander Gebauer von der Bürgervereinigung beschreibt. Er sagt, er habe erst kürzlich wieder eine Erosion entdeckt.

Er sagt, Tempo 30 flächendeckend kann die Stadt Konstanz gar nicht einführen: Martin Wichmann, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz.
Er sagt, Tempo 30 flächendeckend kann die Stadt Konstanz gar nicht einführen: Martin Wichmann, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz. | Bild: Jörg-Peter Rau

Das von der Stadt beauftragte Radolfzeller Büro hatte einen Sanierungs- und Sicherungskonzept erarbeitet. Aber: "Die beiden Grundstückseigentümer erkennen die Notwendigkeit, beziehungsweise den Umfang der vom Ingenieurbüro HPC ermittelten Sanierungsmaßnahmen nicht an", schildert Martin Wichmann. Zu den errechneten Kosten von 400.000 Euro kommen weitere hinzu. 60.000 Euro seien bei der Stadt Konstanz und damit bei der Allgemeinheit bislang für Maßnahmen am Hang aufgelaufen, die gleiche Summe für Mess- und Überwachungsmaßnahmen sowie Absperrungen.

So herrscht Stillstand am Hohenegg, zumindest bei der Bewältigung des Themas. Die Hoheneggstraße ist immerhin, wenn auch verengt, nutzbar. Der Wander- und Spazierweg oberhalb des Hangs bleibt vorerst offiziell gesperrt. "Eine neue Wegeführung ist ohne vorherige Durchführung der Sanierungsmaßnahmen nicht sinnvoll und hat daher keine Priorität", erklärt Martin Wichmann vom städtischen Umweltamt. Eine neue Wegeführung würde ebenfalls über Privatgrund führen – und auch hier würde sich die Frage stellen, wer den Weg dann herstellen müsste.
 

Zuständigkeiten und Ursachen

  1. Warum ist der Hangrutsch auch ein Thema für die Stadtverwaltung? Die betreffenden Grundstücke, von denen der Hang abgerutscht ist, sind zwar in Privateigentum. Die Hoheneggstraße zwischen Allmannsdorf und Egg ist eine öffentliche Straße und hat laut städtischem Umweltamt eine wichtige Erschließungsfunktion. Die Stadt ist für die gefahrlose Benutzung öffentlicher Verkehrswege verantwortlich.
  2. Was war der Grund für den Hangrutsch? Von großer Bedeutung waren im Frühjahr 2013 laut Gutachten des Radolfzeller Ingenieurbüros HPC langer und starker Regen. Eine Wasserquelle im Oberhang hat zu einem Aufweichung des Bodens beigetragen, die extreme Neigung des unteren Hangteils, fehlende Absicherungen sowie eine unsachgemäße Terrassierung seien weitere Faktoren gewesen. Bei Baumfällungen in der Vergangenheit sei stabilisierendes Wurzelwerk beseitigt worden. Erst in der Summe habe dies zum Hangrutsch geführt.