Hunderte Fische ziehen in dem riesigen Aquarium ihre Kreise: Kaiserfische, Doktorfische, Clownfische.

Dazwischen schwimmt ein Taucher. In seinem schwarzen Aufzug wirkt er zwischen den bunten Tieren etwas fehl am Platz.

Der Taucher zückt eine Bürste und schrubbt die wenige Zentimeter dicke Glasscheibe, die ihn und mehr als 300.000 Liter Salzwasser von den Besuchern trennen.

Bild: Lukas Ondreka

Unter Brille, Schnorchel und Taucheranzug steckt Dennis Arndt, er ist einer der zwei Chef-Aquaristen des Sea Life.

Er und sein Team werkeln im Hintergrund, damit die Aquarien und ihre Bewohner etwas her machen: Heute ist er mit einem Kollegen in das Ozean-Becken gesprungen, um in dem großen Meerwasseraquarium für Ordnung zu sorgen. Sie sortieren Steine und putzen die Panoramascheiben des Aquariums.

Die Arbeit in der Schwerelosigkeit hat ihre Tücken. Bei den Vorbereitungen hatte Dennis Arndt gewarnt: "Nicht die Haie sind gefährlich, die Schildkröten sind das Gefährlichste."

Video: Robert Victor Plock, Sea Life

Amadeus und Clementine heißen die zwei Meeresschildkröten, beides Weibchen. Dass diese anmutig durchs Wasser gleitenden Tiere den Tauchern gefährlich sein können, erscheint unglaublich. Sie kreisen um die Taucher, stupsen sie an.

Die Schildkröten seien sehr verspielt, sagt Dennis Arndt. "Aber sie beißen gerne auch mal, aus Neugierde."

Ein Kollege steht deshalb zwischen schaulustigen Besuchern im gläsernen Unterwassertunnel des Ozean-Beckens und überwacht den Tauchgang.

Bild: Lukas Ondreka

Mit der Taschenlampe leuchtet er die Taucher dann an, wenn sich eine der mächtigen Schildkröten unbemerkt annähert. Dennis Arndt und sein Kollege im Wasser wissen dann: Jetzt müssen sie vorsichtig sein.

Damit sich Amadeus und Clementine zufrieden geben, reicht manchmal eine kurze Streicheleinheit

Video: Lukas Ondreka

Die beiden Meeresschildkröten sind Aushängeschilder der Unterwasserlandschaft am Bodensee. Insgesamt beherbergt das Sea Life Konstanz etwa 3.500 Tiere, die sich auf 35 Becken verteilen. Mehr als 100 Tierarten sind hier beheimatet.

Bild: Lukas Ondreka

Sechs Aquaristen kümmern sich um ihr Wohl. Die Frauen und Männer sind gelernte Zootierpfleger, Fischwirte und Biologen.

Oder sie vereinen gleich mehrere dieser Fähigkeiten auf sich, wie Carla Santinho.

Bild: Lukas Ondreka

Carla Santinho ist Anfang des Jahres zu dem Aquaristen-Team dazugestoßen. Die studierte Meeresbiologin kommt aus Portugal.

Im Zoo von Lissabon hat sie als Pflegerin und Trainerin gearbeitet. Delfine, Seelöwen und Pinguine umsorgte sie dort. Nach einer Station in der Schweiz ist sie in Konstanz gelandet, wo sie mittlerweile auch wohnt.

Carla macht eine Futterrunde, die letzte Station ist der hauseigene Oktopus.

Video: Lukas Ondreka

Erst verspeist das Tier die kleine Muschel, die Carla mit einer Zange reicht. Dann klammert es mit seinen starken Saugnäpfen die Greifzange selbst.

Carla Santinho lässt das Gerät los und lacht. "Das passiert häufig", sagt sie. "Die holen wir uns später wieder." Unter den kleinen Tieren sei der Oktopus ihr Lieblingstier.

Bild: Lukas Ondreka

Ob der Oktopus einen Namen hat? Carla Santinho lacht auf. "Ja, sie heißt Carla." Wirklich? "Ja, aber Karla mit K, denke ich", sagt die Meeresbiologin und schiebt lachend hinterher: "Und ich bin Carla mit C." Also gut: Karla mit K, und Carla mit C.

Füttern ist das eine, aber die Tiere wollen auch gefordert werden, besonders ein hochintelligentes wie der Oktopus Karla. Immer wieder werden sie deshalb mit spielerischen Aufgaben konfrontiert, müssen sich eine Mahlzeit erst erarbeiten.

Oktopus Karla darf den Deckel einer Dose aufdrehen. Kein Problem für das kluge Tier. "Auch drei gestapelte Matrjoschka-Holzpuppen kann Karla auseinandernehmen", sagt Dennis Arndt, der von seinem Tauchgang zurückgekehrt ist.

Bild: Lukas Ondreka

Die Arbeit mit den Tieren mache ihm am meisten Spaß. Doch viel Zeit verbringt der gelernte Zootierpfleger damit, die komplizierte Technik der Unterwasserwelt am Laufen zu halten.

600.000 Liter Wasser müssen sauber gehalten werden. Die Tiere und Futterreste hinterlassen Dreck. Deshalb werden die etwa 4000 Badewannen Wasser ständig umgewälzt und aufbereitet.

Eiweißabschäumer, Ozonisator, UV-Bestrahlung: Das alles klingt kompliziert. "Die Regeln sind aber wie bei einem ganz normalen Heim-Aquarium", sagt Dennis Arndt. "Nur die Dimensionen sind größer."

Der Aquarist zeigt auf ein Rohr.

Bild: Lukas Ondreka

Teile der Technik würden häufig versalzen, das Meerwasser eben. Immer wieder müssten sie Rohre austauschen. "Die meiste Zeit verbringen wir mit Arbeit an der Technik", sagt Dennis Arndt.

Und dann gibt es die Arbeiten, für die er diesen Job vor allem macht: die Pinguinfütterung steht an. Ausgestattet mit einem großen Kasten voller toter Fische betritt Dennis Arndt die Schleuse zwischen Besucherbereich und Gehege. Die Tiere seien sehr empfindlich, sagt er.

Während sich Dennis Arndt eine spezielle Hose, Jacke und Gummistiefel überzieht, beobachten ihn zwei der zehn Pinguine ungeduldig.

Bild: Lukas Ondreka

Rasch noch die Schuhsohlen desinfiziert und Dennis Arndt betritt das Gehege. Vorsichtig läuft er über den glatten Boden zur Futterstelle, vorbei an aufgeregten Pinguinen.

Hier kommt nur er hin, selten mal ein Gast. Es ist eisig kalt. “Kühlschrankkalt”, sagt Dennis Arndt. So mögen es die Eselspinguine, die eigentlich in der Antarktis beheimatet sind.

Bild: Lukas Ondreka

Überhaupt versuche das Team, die Bedingungen in der Natur so genau wie möglich nachzubauen.

Die Temperatur wird Winter und Sommer entsprechend angepasst. Das Licht simuliert einen Tageszyklus, Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Sogar ein Mondlicht gibt es. Alles wird per Computer gesteuert.

Dennis Arndt hat sich zur Futterstelle vorgearbeitet.

Video: Lukas Ondreka

“Die Fische haben Restaurant-Qualität”, sagt Dennis Arndt. Die Pinguine seien sehr gefräßige Tiere. "Die essen am Tag mehr als alle anderen Bewohner hier", sagt der Pfleger.

Eselspinguine sind die drittgrößte von weltweit 19 Pinguinarten, nur übertroffen durch Königspinguine und Kaiserpinguine. Ihren Namen tragen sie, weil ihr Ruf wie der Schrei eines Esels klingt.

Wenn sie rufen, werfen sie den Kopf in die Höhe: Iah.

Bild: Lukas Ondreka

Nicht alle seine Schützlinge kommen zur Fütterung. Eines der Pinguinweibchen hütet ein Ei. Bei der nächsten Fütterung sei es dann andersherum, sagt Dennis Arndt. Dann sei das Männchen dran.

Pinguine seien sehr partnerschaftliche Tiere: Nestbau und Aufzucht, alles werde gemeinsam erledigt. Sie können ein Leben lang zusammen sein. Dass Nachwuchs schlüpfen wird, sei unwahrscheinlich. Die Bedingungen müssten perfekt sein. Dreimal habe es aber bereits geklappt.

Aber auch Polygamie, also wechselnde Partnerschaften gebe es. Und sogar ein schwules Pinguinpärchen hat Dennis Arndt unter seinen Schützlingen. “Auch das kennt die Natur”, sagt er.

Bild: Lukas Ondreka

Der Fisch ist leer, die Besucher ziehen weiter zur nächsten Attraktion. Dennis Arndt läuft Slalom durch die Pinguinreihen, zurück in die Schleuse.

Bonaparte, sein Lieblingspinguin, begleitet ihn noch bis zur Tür.