Es ist kurz vor 21 Uhr, als Dieter Quintus am Mittwoch ans Mikrofon getreten ist. Seine Rede war längst überholt, der scheidende Feuerwehrkommandant hatte ja nicht gewusst, was auf ihn zukam: all die Reden, lobenden, aber auch durchaus ernsten Worte, die Ehrungen. Und so stieg er mit einer Feststellung ein: „Mir fehlt bis jetzt überhaupt nichts.“ Nach 30 Jahren ist er nicht mehr führender Feuerwehrmann mit Ecken und Kanten, aber auch fürsorglicher Ader.

Dieter Quintus machte auch in seiner letzten offiziellen Ansprache keine großen Worte. Er hielt sich kurz. Was er zu sagen hat, sagt er in wenigen Sätzen – und das nicht immer bierernst. Quintus bedankte sich bei all jenen, vor allem seinen hauptamtlichen und freiwilligen Kameraden, die ihn und die Konstanzer Feuerwehr in den vergangenen 30 Jahren unterstützt, freundschaftlich und konstruktiv begleitet haben. Bei der Stadtverwaltung bedankt er sich zusätzlich für die Einladung zu seinem Abschiedsfest im oberen Konzilsaal samt Antwortkarte. Die Arbeit habe ihm stets Freude bereitet. Der Konstanzer verschwieg aber auch nicht: „Die zeitliche Belastung war enorm.“ Darunter habe vor allem die Familie gelitten.

Er war durchaus ein Unbequemer. Uwe Jordan, stellvertretender Leiter des Feuerwehramts, formuliert es in seiner Ansprache so: „Natürlich hat man es mit Dir nicht immer leicht gehabt.“ Quintus hatte seine klaren Vorstellungen, wie etwas laufen sollte. Und diese versuchte er durchzubringen. Uwe Jordan sagte aber auch, sein ehemaliger Vorgesetzter habe stets ein offenes Ohr gehabt und sei fest zu seinen Kameraden gestanden. Quintus habe lieber einmal nach gesundem Menschenverstand gehandelt als nach starren Vorschriften. Ihn zeichnete eine fürsorgliche Ader aus. Beispiel: Den Konstanzer Feuerwehrball hat er einst mit initiiert, um mit Einnahmen eine überlebenswichtige Operation für das schwerkranke Kind eines Kameraden aus Fontainebleau mitzufinanzieren.

Freundschaften waren dem Kommandanten immer wichtig. So hat er enge Bande zu den Wehren in Partnerstädten und in der Schweiz gehalten, Vertreter waren zur Verabschiedung angereist. Sein Nachfolger Bernd Roth will diese Freundschaften weiterpflegen, versprach er in seiner kurzen Rede. Quintus hat an Reformen mitgewirkt, unter seiner Führung ist die weithin beachtete Ölwehr für den Bodensee entstanden, er hat sich für die Integration von Frauen in der Feuerwehr eingesetzt, die Jugendwehr gefördert und er sei einer der Vorreiter bei der interkommunalen Ausschreibung zur Anschaffung von Fahrzeugen gewesen, zählte sein bisheriger Stellvertreter Hans-Jürgen Oexl auf. „Deine Leistungen haben zur Weiterentwicklung des Feuerwehrwesens im Landkreis beigetragen“, ergänzte Helmut Richter, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands.

Nach einem Studium an der Fachhochschule im Fach Bauingenieurwesen wurde er 1977 stellvertretender Kommandant. Er sei Vermittler zwischen Stadtbrandmeister Rudolf Santo und jüngeren Kollegen gewesen, sagte Oberbürgermeister und ehemaliger Dienstherr Uli Burchardt. Als Santo in den Ruhestand ging, 1987, übernahm Quintus das Steuer. Mehr noch, er war streckenweise stellvertretender Kreisbrandmeister, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Feuerwehrkommandanten. Landesweit „hast Du Dir einen Namen erarbeitet“, lobte Karsten Homrighausen, und: „Vorbilder mit Ecken und Kanten gibt es heute zu wenige“. Der Landesbranddirektor verlieh im Namen von Innenminister Thomas Strobl an Dieter Quintus die höchste Feuerwehrauszeichnung des Landes, das Ehrenzeichen in der Sonderstufe. Oberbürgermeister Uli Burchardt überreichte Quintus die Goldene Ehrennadel der Stadt. „Die Feuerwehr Konstanz ist eine schlagkräftige, leistungsstarke Wehr, auf die Konstanz stolz sein kann“, sagte das Stadtoberhaupt in seiner Ansprache. Das sei ein Verdienst von Quintus. Der sich in seinen abschließenden Worten zwei Dinge wünschte: dass auch in Zukunft alle Kameraden heil von Einsätzen heimkehren; und dass das Ehrenamt seinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft beibehalten wird.

Noch etwas

5 Dinge über Dieter Quintus, die Sie vielleicht noch nicht wussten: Er wurde von Konrad Schatz 1971 für die Feuerwehr angeworben. Schatz war damals Führer des 3. Löschzugs, und als Münster-Mesner hat er bei Ministranten Nachwuchs rekrutiert; er hat Oberbürgermeister Uli Burchardt einst zum Feuerwehrmann ausgebildet, Burchardt zog es aber zur Allensbacher Wehr; er war und ist ein Excel-Fanatiker. Alles, was ging, hat er mit diesem Tabellenprogramm erstellt; er hat, aus einer Wette heraus, einen Esel organisiert und auf den Obermarkt gestellt. Ein Kamerad musste Geld für die Wehr sammeln; er hat es auch in den Film geschafft, in den Konstanz-Tatort und in einen Handyfilm, als Quintus bei einem Einsatz, nun ja, falsch parkte. (phz)