Gibt es in Konstanz auf lange Frist genügend Wohnungen auch für Menschen, die am überhitzten Immobilienmarkt kaum mehr eine Chance haben? Diese Frage beschäftigt inzwischen auch die Landesregierung, und Zahlen aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sind besorgniserregend.

Nese Erikli fragte bei der Landesregierung nach

Die aktuellen Zahlen gegen aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage hervor, die die Landtagsabgeordnete Nese Erikli (Grüne) im März gestellt hat. Das Stuttgarter Ministerium erwartet demnach, dass die Zahl von Sozialwohnungen von 1125 per Ende 2017 bis Ende 2030 auf 790 zurückgeht.

Bei vielen Wohnungen fällt die Sozialbindung weg

Hintergrund ist, dass geförderte Wohnungen eine bestimmte Bindungsfrist haben, während derer sie nur an Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins vermietet werden dürfen. Nach Ende dieser Frist können die Wohnungen frei, ohne Sozialbindung und zu höheren Preisen angeboten werden. Bedarf an mehr Sozialwohnungen wäre da, auch das geht aus dem Dokument hervor. So wurden in Konstanz allein im vergangenen Jahr 974 Wohnberechtigungsscheine beantragt und 831 auch ausgestellt.

Dass also noch viel zu tun ist, das sieht auch Hans-Joachim Lehmann, der Vorstandsreferent der Wobak so. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ist bei Sozialwohnungen der einzige verbliebene große Akteur, in wenigen Wochen wird sie am Zähringer Hof rund 50 neue geförderte Wohnungen zur Verfügung stellen.

Das Konstanzer Handlungsprogramm sieht 1900 neue Sozialwohnungen vor

Dass die Zahl der Sozialwohnungen aber in den nächsten 13 Jahren um ein Drittel zurückgehe, trifft laut Lehmann nicht zu. Denn im Handlungsprogramm Wohnen der Stadt seien bis 2035 rund 1900 neue Wohnungen mit Sozialbindung vorgesehen, die in der Aufstellung des Stuttgarter Ministeriums offenkundig fehlten, sagte Lehmann dem SÜDKURIER auf Anfrage. Doch selbst große Anstrengungen reichten vermutlich nicht aus, um die Wobak-Warteliste mit mehr als 3300 Einträgen – so viele wie noch nie – abzuarbeiten.

Wobak-Manager sagt: "Die Katastrophe gibt es nicht"

"Die Zahlen sehen katastrophal aus, aber die Katastrophe gibt es nicht", so Hans-Joachim Lehmann. Dabei bezieht er sich nicht nur auf die fest geplanten Neubauten, sondern auch auf den Bestand an Wohnungen, die zwar keine Sozialbindung mehr haben, aber immer noch vergleichsweise günstig seien. "Das mittlere Segment ist für die Lösung des Wohnungsproblems mindestens genauso wichtig", betont Lehmann. Dennoch gelte es, das Thema auslaufende Sozialbindungen genau im Auge zu behalten.

Landtagsabgeordnete befürchtet Entwicklung in falsche Richtung

Das sieht auch Nese Erikli so: "Was mich stark besorgt, ist die prognostizierte Bestandsentwicklung der gebundenen Sozialmietwohnungen. Ein Rückgang von aktuell 1225 Sozialmietwohnungen in Konstanz auf lediglich 790 im Jahr 2030 wäre angesichts der aktuellen Probleme und des absehbaren Wachstums der Stadt eine Entwicklung in die völlig falsche Richtung."