Konstanz Litzelstetter Ufer-Pächter verärgern Spaziergänger

Passanten fühlen sich auf einem öffentlichen Uferweg nicht mehr willkommen, seitdem Pächter des Streifens am Wasser den See-Zugang verwehren. Jetzt will der Ortsvorsteher mit den Besitzern sprechen.

"Es ist traurig", sagt die Litzelstetterin Brigitte Morber. "Man geht jetzt mit einem unguten Gefühl den Weg lang. Obwohl er ausgeschildert ist, weiß man, dass man dort nicht willkommen ist." Sie spricht von dem schmalen, öffentlichen Weg, der unterhalb des Milanwegs an privaten, unbebauten Ufergrundstücken entlang führt. Eben hier kam es im August zu Streitigkeiten. Zwischen dem Grundstück des Segler-Vereins Purren und weiteren privaten Arealen eröffnet sich ein etwa vier Meter breiter vermeintlicher Seezugang, der bislang von Einheimischen gerne genutzt wurde, um eine Kurzabkühlung zu nehmen oder ihren Hunden eine kleine Erfrischung zu gönnen. Doch das ist passé, denn die Pächter jener Uferzonen verbieten den Zutritt. Wie sich herausstellte, ist das ihr gutes Recht, denn sie haben den Uferstreifen parallel zum Milanweg vom Strandbad bis Holdersteig vom Land Baden-Württemberg gepachtet. Genauer gesagt handelt es sich um ein Grundstück, das in sogenannte Lose unterteilt ist. Die Stadt Konstanz hat eine Teilfläche für den Gemeindeweg gepachtet. Die weiteren Grundstücksteile hat das Land an acht andere Pächter vergeben, erläutert Thomas Steier, Leiter des Amtes Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Konstanz. "Zur Anlegung des Uferweges haben die damaligen Pächter im Jahr 1977 entschädigungslos ihre Zustimmung gegeben."

Fakt ist also: Der Uferbereich zwischen Strandbad und Holdersteig ist für die Öffentlichkeit tabu, lediglich der besagte Weg, der von der Gemeinde Litzelstetten ausgeschildert ist, bleibt weiterhin frei zugänglich. Damit wollen sich aber zahlreiche Litzelstetter nicht abfinden. Rund um Manfred Lamersdorf, der in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Uli Burchardt sowie während der letzten Gemeinderatssitzung auf die Situation hinwies, hat sich eine lose Initiative gebildet, die sich für öffentliche Seezugänge ausspricht. 328 Unterschriften haben sie "auf die Schnelle" gesammelt, wie Beate Morber sagt, und an Ortsvorsteher Wolfgang Gensle übergeben. Sie wollen eine Änderung des Status Quo: mehr Zugänge oder vielleicht einen Uferweg, wie die Stadt Konstanz ihn bereits von Seestraße bis Hörnle realisiert hat.

Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Der Litzelstetter Ortschaftsrat beriet in seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien das Thema nichtöffentlich. "Wir hatten mit dem Amt Vermögen und Bau einen Termin und haben uns die Verträge erläutern lassen", so Ortsvorsteher Wolfgang Gensle auf SÜDKURIER-Nachfrage. Auch mit einem der Grundstückspächter habe er gesprochen, so dass er nun alle drei Seiten kenne. Im November möchte er einen Termin mit den acht Pächtern vereinbaren und "versuchen, im Guten eine Lösung zu finden", so Gensle. Dabei geht es auch darum, einen Seeblick von dem öffentlichen zugänglichen Uferweg über die verpachteten Grundstücke hinweg zu ermöglichen. Seesicht ist Gensle wichtig, zumal auch viele Bürger gerne von der aufgestellten Sitzbank in die Ferne blicken möchten.

Gewisse zur Bepflanzung sind in den Pachtverträgen geregelt. "Die bei Mietantritt übernommenen Bäume sind sorgsam zu pflegen. Neuanpflanzungen von Bäumen und Sträuchern durch den Mieter erfolgen auf dessen alleiniges Risiko", so Thomas Steier. Die Nutzung des Grundstücks zur Lagerung eines Beiboots und als Badeplatz ist den Pächtern gestattet.

Bezüglich des gewünschten öffentlichen Seezugangs äußert sich Ortsvorsteher Gensle zurückhaltend: "Wir müssen erst einmal prüfen, wie die Kündigungsfristen der Pachtverträge sind." Darüber hinaus gelte es zu eruieren, wie groß der Bedarf seitens der Bürgerschaft wäre. "Eigentlich müsste man eine Verkehrszählung machen, ob wir wirklich den Druck haben." Jetzt will Gensle erst einmal alle nötigen Unterlagen haben und Gespräche führen. Wenn kein Konsens erzielt werden könnte, dann werde das Thema im Ortschaftsrat behandelt, "und dann schauen wir, was für eine politische Lösung wir wollen", so Gensle.

Öffentliche und private Flächen

  • Der Gemeindeweg: Der kleine Gemeindeweg ist quasi als Rundweg angelegt. Er führt vom Holdersteig in einen Pfad, der zwischen Grundstücken und dem Uferbereich wieder zurück zum Milanweg führt. Der Weg ist öffentlich; die Fläche hat die Stadt vom Land gepachtet.
  • Das Ufer: Das Ufergrundstück zwischen Holdersteig und Strandbad gehört dem Land Baden-Württemberg. Es ist in Lose unterteilt und an acht Privatpersonen verpachtet. "In der seit Jahrzehnten gängigen Praxis bei der Verpachtung dieser Grundstücksteilflächen wurden die Verträge immer mit den Personen abgeschlossen, die entlang des öffentlich zugänglichen Uferweges oder im Milanweg ein Hausgrundstück als Eigentümer oder als Erbbauberechtigte haben", erläutert Thomas Steier vom Amt Vermögen und Bau. Die Pachtverträge seien auf unbestimmte Dauer abgeschlossen.
  • Seezugänge: Öffentliche Seezugänge sind in Litzelstetten Mangelware. Laut Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer gebe es da lediglich das Strandbad, die Verlängerung des Holdersteigs sowie den Zugang beim Steg nahe des Campingplatzes. 

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