Es ist ein ungewöhnliches Angebot, das derzeit auf eBay zu finden ist: für einen Kaufpreis von 12.500 Euro kann man dort ein altes Schiff erstehen. Baujahr 1913, 100 PS, Länge rund 15 Meter, mit einer historischen Bedeutung für Konstanz. Das Boot hat den Namen MS Deutschland und ist auch bekannt als Zehn-Pfennig-Fähre von Konstanz – so viel kostete einst eine Fahrkarte.

Lange bevor der Wasserbus vom Bodenseeforum Richtung Hafen ablegte, gab es nämlich schon einmal ein Wassertaxi in Konstanz. Die MS Deutschland – für die Größe des Bootes durchaus ein respektabler Name – transportierte von 1912 bis 1969 Fahrgäste im Konstanzer Trichter.

1913 in Hamburg gebaut

Gebaut wurde die Zehn-Pfennig-Fähre 1913 in Hamburg. Von 1915 bis 1918 war die MS Deutschland der Seewache zugeteilt, um Deserteure und Schmuggler im Konstanzer Trichter aufzuspüren. Ab 1919 verkehrte es als Wassertaxi in der Konstanzer Bucht. Bis auf eine weitere Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg und die Beschlagnahme durch die französischen Behörden, war das Schiff wieder von 1949 bis 1973 in Betrieb – dann wurde es aus dem Verkehr gezogen und verkauft.

Fünf Jahre lag das Schiff auf dem Trockenen in einer Konstanzer Lagerhalle, bis sich drei tatkräftige Männer entschlossen, es für 4200 Mark zu kaufen und wieder flott zu machen: Karle Maurer, Karl-Heinz David und Heinz Rohskohten.

Alle halfen mit, das Boot wieder flott zu machen

Mehrere Jahre hatten die drei Männer an dem Schiff gearbeitet, schreibt der SÜDKURIER am 30. März 1983. Und alle halfen offenbar mit: „30 bis 40 Personen haben hier gewerkelt“, gab Heinz Rohskohten damals zu Protokoll. Der Sohn habe Freunde mitgebracht und die Tochter Freundinnen, um das Schiff wieder seetüchtig zu machen. Die Hobbykapitäne installierten die damals neueste Technik, renovierten den Innenraum und brachten sogar Gardinen an den Kajütenfenstern an.

Bild: Norbert Gleichauf

Die alte Passagierfähre, auf der sich einst bis zu 65 Ausflügler drängten, wurde so zum heimeligen Privatboot für zehn bis zwölf Leute.

So lag die MS Deutschland viele Jahre im Dingelsdorfer Hafen, bis sie 2017 wieder zum Verkauf stand. Norbert Gleichauf, Geschäftsführer der Yachtzentrum Überlingen GmbH Bodensee, schlug zu. Allerdings gibt er zu: „Ich bin ein Blindkäufer und habe das Schiff eher aus Versehen gekauft.“

Mit einem Spezialkran musste der 15-Tonnen-Koloss im Mai im Hafen Unteruhldingen aus dem Wasser gehievt werden, um im Trockenen auf Vodermann gebracht zu werden.

Der 15-Tonnen-Koloss der MS Deutschland beim Auskranen im Hafen Unteruhldingen mit einem Spezialkran.
Der 15-Tonnen-Koloss der MS Deutschland beim Auskranen im Hafen Unteruhldingen mit einem Spezialkran. | Bild: Reiner Jäckle/Bodenseeschiffahrt.de/Stadtwerke Konstanz
Der 15-Tonnen-Koloss der MS Deutschland beim Auskranen im Hafen Unteruhldingen mit einem Spezialkran. Der Schriftzug ist auch in die Jahre gekommen.
Der 15-Tonnen-Koloss der MS Deutschland beim Auskranen im Hafen Unteruhldingen mit einem Spezialkran. Der Schriftzug ist auch in die Jahre gekommen. | Bild: Reiner Jäckle/Bodenseeschiffahrt.de/Stadtwerke Konstanz

Zwar freute sich Gleichauf, dass die MS Deutschland in „einem erstaunlich guten Zustand“ sei. Ein bisschen sah man dem Schiff aber doch die Jahre an.

Bild: Reiner Jäckle/Bodenseeschiffahrt.de/Stadtwerke Konstanz

Über mehrere Monate hat Gleichauf die MS Deutschland nun wieder sauber und flott gemacht. Als Oldtimer von 1913 bewirbt er das alte Konstanzer Schiff im Internet zum Verkauf. Den Bodensee wird das Schiff nach 105 Jahren wohl verlassen.

Kaufinteressenten aus Berlin

Insgesamt sechs Kaufinteressenten gebe es, sagt Gleichauf. Zwei aus dem Rheingebiet und vier aus Berlin. Dort könnte die alte Fähre auch als Hausboot genutzt werden, was am Bodensee seit den 70er-Jahren verboten ist.

Der Transport nach Berlin kostet noch mal 6000 Euro. Dass sich doch noch ein Käufer aus der Region für den Kauf erwärmen könnte, bezweifelt Gleichauf. Schon allein die langen Wartelisten für einen Liegeplatz seien ein Problem. Er sieht die Zukunft der alten Fähre ohnehin eher auf dem Trockenen, als ungewöhnliche Immobilie. „Als Kiosk beispielsweise oder Clubheim“, sagt er. Oder als kleines Restaurant. Vorbilder gibt es am See ja einige: Im vorarlbergischen Lochau wurde ein altes Bodensee-Schiff zum Restaurant umfunktioniert, ebenso in Friedrichshafen.

Alte Konstanzer Schiffe sind in aller Welt verstreut

20 verschiedene Passagiermotorboote der Stadtwerke Konstanz waren im vergangenen Jahrhundert auf dem See unterwegs. Einige fahren noch immer – verstreut in aller Welt.

  • Die MS Stadt Konstanz, gebaut 1952, fungierte bis Anfang der 1980er als Ausflugsschiff in der Konstanzer Bucht und zur Insel Mainau. Später wurde es als Arbeitsschiff eingesetzt. Nach der Ausmusterung kam es in den Besitz verschiedener privater Bootsbetriebe, bis es 2012 von der Stadtwerke-Tochter Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) gekauft wurde. Da sich allerdings eine notwendige Renovierung nicht lohnte, wurde das Boot 2013 nach Polen verkauft.
  • Die MS Niederburg, gebaut 1960, löste die Komet ab, die 50 Jahre lang als Personenfähre auf dem Seerhein unterhalb der alten Rheinbrücke die Altstadt mit Petershausen verbunden hatte. Allerdings stand die Linie mehrmals wegen Unrentabilität vor dem Aus und wurde 1991 letztlich eingestellt. Wer heute doch noch einmal mit ihr fahren will, muss nach Norddeutschland fahren. Dort verkehrt sie als Personen- und Fahrradfähre Lisa auf dem Peenestrom zwischen Kamp und Karnin auf der Insel Usedom.
  • Die MS Bayern, gebaut 1909, wurde an eine schweizerische Motorbootgesellschaft verkauft und verkehrte auf dem Hallwilersee. Ein schwerer Sturm im Jahr 1959 beschädigte das Schiff, es musste neu aufgebaut werden. Heute verkehrt es als Nostalgie-Salonboot unter dem Namen Griffioen in den Grachten von Amsterdam. Für 244 Euro pro Stunde kann man es für bis zu 20 Personen mieten.