Immer mehr Filialisten drängen in die Konstanzer Innenstadt. Familiengeführte Fachgeschäfte hingegen werden immer weniger. Kürzlich gab auch Stefan Klingeberger sein eingeführtes Spiel- und Technik-Spezialgeschäft an der Kreuzlinger Straße auf.

Peter Muck, Geschäftsführer der Musik Ebert GmbH, befürchtet, dass dies erst der Anfang ist. Er führt ebenfalls ein alteingeführtes, etabliertes Fachgeschäft, das Werner Ebert 1952 gründete. Online-Konkurrenz sowie Verkehrs- und Parkplatzprobleme in der Altstadt sorgten auch in seinem Laden für Umsatzeinbrüche, sagt Muck.

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Ans Aufgeben wird nicht gedacht

Wenn die Schweizer Kundschaft wegbleibe, dann sehe es auch für Konstanz mau aus. „Wenn die schönen, kleinen Geschäfte nicht mehr sind, dann verliert die Stadt an Aus- und Ansehen“, formuliert Peter Muck und warnt: „Dann fehlen der Stadt Gewerbesteuereinnahmen und sie kann viele Investitionen nicht mehr tätigen. Dann kann der Gemeinderat sehen, wie er das hinkriegt.“

Peter Muck gibt aber nicht auf, sondern ist bemüht, wie Gründer Werner Ebert Trends rechtzeitig zu erkennen, dementsprechend zu handeln und die Firma immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden.
Ans Aufgeben denkt er trotz aller Widrigkeiten nicht. Im Gegenteil: Sein Sohn Vincent (24) arbeitet bereits im Familienbetrieb mit, das seit genau 50 Jahren am Schnetztor ist.

Vor 50 Jahren wurde der Neubau des Geschäftshauses Musik Ebert in der Hussenstraße neben dem Schnetztor eröffnet.
Vor 50 Jahren wurde der Neubau des Geschäftshauses Musik Ebert in der Hussenstraße neben dem Schnetztor eröffnet. | Bild: Scherrer, Aurelia

Mit 800 Mark begann das Geschäft

Gegründet wurde das Musikfachgeschäft von Mucks Onkel Werner Ebert. Dieser hätte nach dem Krieg eigentlich gerne sein Chemiestudium fortgesetzt, aber er musste Geld verdienen, um zu überleben. Er verdingte sich zunächst als Musiker in Tanzkombos und gab Klavier- und Akkordeonunterricht.

Mit 800 Mark eröffnete er 1952 im Hause seiner Eltern in der Staader Straße ein kleines Musikgeschäft, wie Peter Muck berichtet. Später eröffnete Ebert ein Ladengeschäft in der Münzgasse und zog dann an die Bodanstraße.

Mit musikalischen Neuheiten zum Erfolg

Bahnbrechend und gleichzeitig zukunftssichernd war Eberts Erfindung im Bereich neuer Lernmethoden. „Das Spielen nach Farben, in Form eines bunten Glockenspiels, Saxophons und Klarinette aus Kunststoff war seine Erfindung, die er sich patentieren ließ“, so Muck.

Diese Neuheit fand nicht nur reißenden Absatz, sondern eröffnete dem jungen Unternehmer auch den internationalen Markt. Wesentlich für den Erfolg waren die Kontakte zu Japan. „So wurde er zu einem der ersten Direktimporteure von Musikinstrumenten aus Japan nach Deutschland“, so Muck.

Eigentum am Schnetztor verhindert Mietdruck

1968 konnte Werner Ebert das Grundstück in der Hussenstraße nahe dem Schnetztor kaufen. „Nach langem Hin und Her konnte er den Altbau abreißen und das neue Geschäftshaus bauen, das 1969 eröffnet wurde“, berichtet Peter Muck.

Die Erweiterung mit dem nebenliegenden kleinen, denkmalgeschützten Gebäude, in welchem die Klavier- und Flügelabteilung untergebracht wurde, erfolgte Mitte/Ende der 1970er Jahre. „Heute profitieren wir von dem Eigentum, da wir keinen Mietdruck haben“, sagt Peter Muck, der 1992 den Betrieb seines Onkel, der im Jahr 2013 starb, übernommen hat.

Bild: Scherrer, Aurelia

Weiterhin große Nachfrage für die Angebote

Breit aufgestellt ist das Musikhaus, das Blas-, Tasten-, Streich- und Schlaginstrumente, Gitarren, Ukulelen und ein großes Notensortiment führt. Gerade das Notensortiment, das sehr arbeitsintensiv sei, um es auf dem Laufenden zu halten, erfreue sich erstaunlicherweise großer Nachfrage.

„Offensichtlich sind gebundene Noten beliebter, als sich einzelne Blätter downzuloaden“, sagt Muck. „Gitarre, Klaviere und E-Pianos sind absolut im Trend“, berichtet der Fachmann. Den Profi-Shop mit E-Gitarren und mehr hat er im Jahr 2009 bereits aufgegeben. „Ein internetsensibles Sortiment“, stellt er fest.

„Bei allem, was keinen Stecker hat, spielt das Internet nicht gar so eine große Rolle.“ Muck versucht mit fachkundiger Beratung mit seinem versierten, kompetenten Team, einer eigenen Reparaturwerkstatt sowie Schnupperstunden und Workshops – Ukulele ist gerade aktuell – bei der Kundschaft zu punkten.

Musikalische Vorbilder fehlen

„Wir kooperieren mit der Musikschule Konstanz und wollen in Zukunft auch mit der Uni Workshops geben. Die Schlossschule Salem und die Mainau wollen wir noch ins Boot holen“, gibt Peter Muck Einblick über bevorstehende Projekte, um Jugendliche für das Musizieren zu begeistern.

„Es fehlen Vorbilder“, stellt er fest. Ein Richard Clayderman, der Ende der 1970er Jahre für das Klavier begeisterte, oder Geigerin Vanessa Mae, die ebenfalls einen Ansturm ausgelöst haben, fehlen aktuell. Das riesige Angebot an anderen Freizeitmöglichkeiten einerseits, Ganztagesschule und G 8 andererseits, machen dem Hobby Musik Konkurrenz.

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Online-Handel ersetzt nicht das hautnahe Erleben

Aber nicht nur mit Workshops versucht das Musikgeschäft, den Nachwuchs und interessierte Erwachsene für ein Instrument zu begeistern. „Mein Sohn Vincent trimmt den Laden auf Digitalisierung“, so Peter Muck.

Internetseite und Online-Shop würden optimiert und gleichzeitig andere Kanäle, wie Facebook und Instagram, bespielt, „um die Jugendlichen abzuholen“.

Die Zukunft heißt aber nicht ausschließlich online; ein stationäres Ladengeschäft, das Service, hautnahes Erleben und mehr bietet, erachtet Peter Muck als unverzichtbar. Aber er sieht die Stadt Konstanz in der Pflicht, die Verkehrsprobleme zu lösen und eine gute Erreichbarkeit zu gewährleisten. Die Quittung für diverse Fehlentscheidungen würden die Einzelhändler jetzt schon bekommen.

Verkehr und Parkplätze sind ein wichtiges Thema

„Seit einem Jahr haben wir aufgrund fehlender Schweizer Kunden einen Rückgang von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen“, stellt Peter Muck fest. „In der Stadt haben wir zu wenig öffentliche Parkplätze. Die Schweizer Kunden werden ins Industriegebiet gelotst und kommen nur schlecht in die Stadt“, skizziert der Geschäftsmann, der fordert: „Wenn schon P+R, dann braucht es auch einen 15-Minuten-Shuttlebus, der die ganze Zeit gratis in die Stadt fährt.“

„Der Einzelhandel jammert definitiv nicht auf hohem Niveau“

Er glaubt nicht daran, dass sich das Mobilitätsverhalten der Kunden wirklich ändern werde. „Jeder will mit dem Auto kommen. Das können wir nicht ändern“, sagt Peter Muck, der sich nach wie vor für ein Parkhaus am Döbele ausspricht.

Das C-Konzept sieht er kritisch: „Ich habe Angst, dass der Verkehr am Bahnhof zum Erliegen kommt.“

Er erhofft sich ein Umdenken im Gemeinderat, denn, so formuliert Muck: „Der Einzelhandel jammert definitiv nicht auf hohem Niveau. Wenn sich eine Trendwende ergibt und die Schweizer Kunden ausbleiben, dann werden einige Geschäftsleute lange Gesichter machen.“