Nichts ist heutzutage mehr sicher vor ihr: Die Bewertungswut im Netz holt sie alle ein, Restaurants, Schulen, Rathäuser, Gerichte, Sehenswürdigkeiten.

Auf Plattformen wie Google sind die Urteile häufig besonders hart. Hier geizen die Wertenden zwar mit den zu verteilenden Sternen, aber nicht mit harschen Worten. Und das gilt auch für Konstanz. Unschöne Beispiele gefällig?

Hass dem Hafengebäude!1!!

Beginnen wir mit einer unnötigen und zugleich absurden Bewertung. Hätten Sie gedacht, dass ein historisches Gemäuer im Konstanzer Hafen Stein des Anstoßes für eine Rezension sein kann? Wir nicht. „Gibt dazu nicht viel zu sagen“, schreibt ein Nutzer – und tut es dann doch. „Ist n altes Gemäuer aus dem 19.Jhdt., dass da so unmotiviert in der Gegend rumsteht.“

Welches er meint, und wie ein motiviertes Gemäuer aussieht, behält er für sich. Doch scheint der Rezensent in einer Art Zwiespalt. Vermutlich aus einem Anflug von Mitgefühl und Reue entschließt er sich deshalb, dem faulen Gemäuer doch noch drei von fünf Sternen zu geben.

Bild: Reinhardt, Lukas

Ein weiterer Internetnutzer ist da deutlich sparsamer – wie auch bei der Anzahl der Worte, die das Fazit seines Besuchs im Konstanzer Hafen ziehen: „Geht so“, schreibt er, hinterlässt einen mickrigen Stern, und ist auch schon wieder weg.

Bild: Reinhardt, Lukas

Was kann denn bitte das arme CO2 für den Klimawandel?

Bei staatlichen Institutionen sind die Worte nicht weniger harsch. Betrachtet man etwa die Bewertungen des Konstanzer Rathauses, so sticht einem – neben all dem Lob für den malerischen Innenhof – vor allem ein Kommentar ins Auge. Er zeigt: Die Kontroverse um den Klimawandel hinterlässt auch auf Google ihre umweltunfreundlichen Rückstände.

Bild: Reinhardt, Lukas

„Lasst co2 in Ruhe. Es ist kein Klimagas“, wettert da etwa ein verärgerter Nutzer über die Entscheidung der Stadt Konstanz, den Klimanotstand auszurufen. Und natürlich kommt eine junge Schwedin auch nicht ungeschoren davon: „Greta ist ein Insidejob der Klimaadeligen, Großindustrie und Finanzeliten“, schließt er die Beweisführung.

Der verbalen Watsch‘n folgt dann die Keule in Sternenform: nur einer von fünf. Autsch.

Eine Serviceleistung für Kriminelle?

Auch Gerichte und Staatsanwaltschaften sind vor der Bewertungswut im Netz nicht sicher. Hier aber haben einige, die in der Vergangenheit bereits Erfahrung mit der Konstanzer Justiz sammeln durften, den Servicecharakter von Online-Rezensionen verstanden.

Bild: Reinhardt, Lukas

„Hier werden nach hypothetischer Befindlichkeit Urteile gefällt.. natürlich unanfechtbar“, schreibt da ein auf den ersten Blick wütender Nutzer.

Indirekt aber will der offenbar verurteilte Nutzer kriminellen Kollegen damit wohl raten: „Verübt eure Straftaten besser in einem anderen Gerichtsbezirk!“ Ein einsamer Stern rundet seine Serviceleistung ab.

Schlecht erzogene Kinder, aber wenige Hausaufgaben

Mehr Sterne gibt es für eine Konstanzer Schule. Der Rezensent, womöglich ein ehemaliger Schüler oder eine ehemalige Schülerin, scheint sich nicht ganz sicher, ob er dort nun gute oder schlechte Erfahrungen gemacht haben will. Es folgt eine sorgfältige Abwägung der Argumente.

Bild: Reinhardt, Lukas

Kontra: „schlecht erzogene kinder gemeine und assoziale lehrer“. Pro: „sieht gut aus und handys sind erlaubt“. Kontra: „trotzdem assozial und arrogant diese schule“. Pro: „aber wenig hausaufgaben“. Es sind bestimmt die wenigen Hausaufgaben, die der Schule am Schluss trotzdem ganze drei Sterne bescheren. Glück gehabt!

Ein Abschlussplädoyer für mehr Sachlichkeit im Netz

Natürlich gibt es auch viele positive Bewertungen, die wir hier aussparen. Doch viele Menschen scheinen ihre Hände nicht mehr im Griff zu haben, sobald diese eine Tastatur berühren. Es wird wieder Zeit für etwas mehr Sachlichkeit im Netz, auch wenn dieser Aufruf einem Kampf gegen Windmühlen gleicht.

Doch bedenken Sie bei ihrer nächsten Bewertung im Internet: Auf der anderen Seite sitzen immer Menschen.