Ein 30-jähriger Mann aus dem Kreis Konstanz hat sich mehr als 5200 Bilder und Videos von pornografischen Szenen mit Kindern und Jugendlichen aus dem dunklen Netz (Darknet) auf seinen Computer geladen. Für den Besitz des Materials aus dem virtuellen Hinterzimmer, das etwas anders gebaut ist als das gängige Internet, ist er nun vor der vierten Strafkammer des Landgerichts Konstanz zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Weil der Mann zuvor schon wegen Drogenhandels eine Haftstrafe von vier Jahren bekommen hatte, bildete die Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Arno Hornstein eine Gesamtstrafe von vier Jahren und vier Monaten.

Die Dateien auf dem Computer hatte die Polizei Ende 2015 sicher gestellt, als sie die Wohnung des Angeklagten wegen der Drogendelikte durchssuchte. Bei der Sichtung des Materials, darunter 156000 Bilder, stießen Polizeiexperten auf die Darstellungen von Kindern und Jugendlichen in porongrafischen Posen, bei Missbrauchszenen und teilweise bei gewalttätigen Sexualszenen, bei einer wurde dem Minderjährigen eine Pistole an den Kopf gehalten, wie es bei der Verhandlung vor der Landgericht hieß. Die Kriminalbeamtin, die das alles sichten musste, sagte als Zeugin vor Gericht, es gehe hier nur um Darstellungen, bei denen es keinen Zweifel gab, dass die Abgebildeten minderjährig waren. In vielen Szenen sei das Leiden der Betroffenen deutlich zu erkennen gewesen. Sie erinnere sich an Kinder die weinten oder schrieen. "Hinter jedem Bild steht ein Opfer, ein Missbrauch."

Angeklagter ist geständig

Der Angeklagte räumte das Herunterladen der Bilder ein, sagte aber, er sei sexuell nicht an Kindern und Jugendlichen interessiert. Das massenweise Herunterladen habe mit der damaligen Ausnahmesituation zu tun gehabt, als er in Schulden wegen eines gescheiterten Geschäfts gerutscht war, in Drogenkonsum und in die Versuche, durch Drogenverkäufe im Darknet Gelder einzunehmen. Dabei war Leben des 30-Jährigen bis ins Jahr 2014 in relativ ruhigen Bahnen verlaufen. Der Angeklagte erreichte einen guten Schulabschluss, absolvierte eine Ausbildung, arbeitete danach in der Schweiz.

2014 wurde er entlassen, warum wurde vor Gericht nicht ganz deutlich. Es habe Fehltage gegeben, ein Unfall mit einem Rollbrett und die Fraktur eines Fußgelenks könnten dabei eine Rolle gespielt haben. Der Angeklagte führte dies vor Gericht nicht weiter aus. Er sei dann jedenfalls arbeitslos geworden und aus einem gescheiterten Geschäft mit 25000 Euro Schulden dagestanden. Er habe angefangen, Aufputschmittel (Amphetamine) zu nehmen, er habe sie aus dem Darknet bezogen, um sie dort weiter zu verkaufen. Und da er sich in dieser Zeit sowieso häufig im dunklen Teil des Netzes bewegte, habe er sich an dem kinderporongrafischen Materialien bedient. "Ich kann das nur mit den Drogen erklären. Ich habe nie vorgehabt, Kinder anzufassen, und ich habe das auch nie gemacht", sagte der Angeklagte vor Gericht. Dennoch holte er sich massenweise Bilder, auf denen andere, Kinder und Jugendliche schwer sexuell missbrauchten.

"Habe nur einen Teil der Bilder gesehen"

Der Angeklagte sagte vor Gericht, im dunklen Netz sei es ganz einfach gewesen, an die Darstellungen zu kommen, man habe sie sogar in verschiedenen Themen geordnet auf den Computer bekommen. Er habe überhaupt nur einen Teil der Bilder gesehen. Die Menge sei einfach zu groß gewesen. Dass im Leben des Angeklagten zu diesem Zeitpunkt Chaos herrschte, habe sich auch in der Wohnung gezeigt, wo das große Durcheinander herrschte, darauf wies Verteidigerin Hanna Palm hin. In ihrem Plädoyer forderte die Rechtanwältin acht Monate Freiheitsstrafe für die jetzt angeklagten Taten und es bei der Gesamtstrafe bei den vier Jahren zu lassen, die der Angeklagte sowieso wegen des Drogenhandels absitzen muss. Ihrem Mandanten sei das volle Geständnis zugute zu halten, außerdem habe sich alles im Rahmen des damaligen Drogenkonsums abgespielt.

Gesamtstrafe von vier Jahren und sechs Monaten

Durch das Ermittlungsverfahren wegen der Kinderpornografie seien dem Angeklagten die Erleichterungen, die er sich im Gefängnis erarbeitet hatte, wieder gestrichen worden. Er habe zuletzt den Freigang für eine Arbeit außerhalb der Gefängnismauern erreicht. Jetzt müsse er wieder zur Arbeitsstelle im Gefängnis. Palm geht von guten Prognosen für ihren Mandanten aus. Kirsten Schwertle forderte für die Staatsanwaltschaft ein Jahr und vier Monate sowie eine Gesamtstrafe von 4 Jahren und sechs Monaten.

Dem Angeklagten sei zugute zu halten, dass er bis zum Drogenhandel keine Vorstrafen hatte und er bei der Aufklärung weiterer Drogengeschäfte mitwirke. Schwer wiege aber die Menge der Bilder, die alles zeigten, vom Posieren bis zum brutalsten Missbrauch. Dies war auch für den Vorsitzenden Richter Arno Hornstein ausschlaggebend. Er hofft dennoch, dass der Angeklagte an sein bisher vorbildliches Verhalten im Vollzug anknüpfen und so eine vorzeitige Entlassung erwirken kann. Der Angeklagte beteuerte, er wolle sein Leben wieder in geordnete Bahnen bringen.