Die Schüler der Kursstufe 12 hören ihrem Biologielehrer Carsten Heinichen aufmerksam zu. Es ist still im Klassenraum der Gemeinschaftsschule Gebhard (GMS), nur zwischendurch stellt ein Schüler eine Frage.

Es wird der letzte Schultag für eine relativ lange Zeit sein. Ab 17. März werden alle Schulen Baden-Württembergs bis nach den Osterferien geschlossen sein. Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus‘ zu verlangsamen.

Wie man digital und alleine arbeitet

Carsten Heinichen erläutert die Vorgehensweise: Die Schüler haben einen Wochenplan und arbeiten die vorbereiteten Aufgaben ab. Sobald eine Aufgabe für ein Fach fertig ist, lädt der Schüler das Dokument hoch und der Lehrer kann es korrigieren.

Der letzte Schultag vor der Corona-Zwangspause in der Gemeinschaftsschule: von links: Noemi Grandpre, Melek Tan, Biolehrer Carsten Heinichen, Robyn Weyer, Johanna Gerwin, Carolina Binaie (stehend) und Jirina Romer.
Der letzte Schultag vor der Corona-Zwangspause in der Gemeinschaftsschule: von links: Noemi Grandpre, Melek Tan, Biolehrer Carsten Heinichen, Robyn Weyer, Johanna Gerwin, Carolina Binaie (stehend) und Jirina Romer. | Bild: Wagner, Claudia

Wie es den Schülern geht

Wie geht es den Schülern mit der ungewohnten Form des Unterrichts? „Ich finde spannend, was im Moment passiert“, sagt Carolina Binaie. Jirina Romer ergänzt, dass sie Schüler der GMS das selbstständige Lernen gewöhnt seien. Nun also auch noch digital. „Das wird schon gehen“, ergänzt Carolina Binaie optimistisch.

Surreal scheint den Schülerinnen die neue Lage aber doch, ein bisschen wie „Sommerferien im März“, wie Jirina Romer es nennt. Im Moment ist das Bedürfnis groß, alles richtig zu machen. „Ich möchte meinen Freundeskreis eingrenzen, um wenig Ansteckungsgefahr zu erzeugen, aber wo genau ist die Grenze?“, fragt Carolina. Jirina hat die Idee, sich zum Skypen und gleichzeitigem Malen zu verabreden – man hätte Unterhaltung und jeder wäre doch für sich.

Die Klassenzimmer sind schon mal aufgeräumt, die Stühle versorgt.
Die Klassenzimmer sind schon mal aufgeräumt, die Stühle versorgt. | Bild: Wagner, Claudia

Die Rektoren der Konstanzer Schulen haben diesen vorerst letzten Schultag unterschiedlich gestaltet. Elke Großkreutz, Rektorin der GMS, war es wichtig, dass alle Schüler informiert werden, welche Aufgaben sie in der unterrichtsfreien Zeit zu erledigen haben. Dann dürfen sie, nach Klassenstufe gestaffelt, nach Hause: zuerst die Jüngsten, dann die Mittel- und Oberstufe.

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Appell an die gesellschaftliche Verpflichtung

Patrick Hartleitner, Direktor des Heinrich-Suso-Gymnasiums, will den Schülern ihre Verantwortung für die Gesellschaft verdeutlichen: Die Schließung der Schulen werde wirksam, wenn die Jugendlichen auch privat Kontakte mieden. Ebenso verstehe es sich von selbst, dass sie sich von 9 bis 13 Uhr mit Lernen zu beschäftigen haben. „Wir werden im Lernfortschritt vielleicht nicht so weit kommen wie sonst, aber hoffentlich auch nicht sehr zurückfallen“, sagt Hartleitner.

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Am Humboldt fand kein Unterricht mehr statt

Jürgen Kaz, Direktor des Humboldt-Gymnasiums, hat eine Alternative vorgegeben: Am Humboldt hat kein Unterricht stattgefunden, weil die Schulleitung vermeiden wollte, dass eine große Zahl Schüler erneut zusammen kommt.

„Unsere Beratungen haben ergeben, dass der Gewinn aus einer kurzen Begegnung überschätzt würde“, erläutert Kaz. Deshalb hatten die Schüler lediglich die Gelegenheit, ihre Spinde zu leeren. Ansonsten seien die Online-Portale ebenso freigeschaltet wie an den anderen Schulen.

Bei Grundschülern müssen Eltern helfen

Auch für die Schüler der Theodor-Heuss-Schule heißt es: Wochenpläne bearbeiten. Gerade bei jüngeren Schülern seien auch die Eltern gefordert, zu unterstützen, sagt Frank Raddatz, Rektor der Theodor-Heuss-Schule. „Der digitale Unterricht kann im Moment nur ein Notbehelf sein, es ist eine besondere Situation.“

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Und die Lehrer? Carsten Heinichen rechnet damit, dass in dieser ungewöhnlichen Situation auch eine Chance stecke, das digitale Lernen voranzutreiben. „Wir machen uns keine Illusionen, dass je nach Persönlichkeit bei den Schülern unterschiedliche Ergebnisse herauskommen“, sagt er. Es sei für die Oberstufe aber das Ziel, universitäres Lernen zu proben. „Das bekommen unsere Schüler schon hin“, gibt er sich zuversichtlich. Schließlich seien sie intensiv auf selbstständiges Lernen vorbereitet worden.

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