Die EU-Kommission hat die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat bei Zustimmung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Anfang Dezember 2017 um fünf Jahre verlängert. Der Technische und Umweltausschuss der Stadt Konstanz (TUA) hat ebenfalls im Dezember beschlossen, die Anwendung von Glyphosat auf städtischen Flächen künftig zu verbieten. Die gegensätzlichen Beschlüsse zeigen, wie kontrovers das Mittel derzeit beurteilt wird.

Der Beschluss der Ausschussmitglieder bedeutet, dass auf städtischen Flächen künftig kein Glyphosat mehr verwendet werden darf, dieses Verbot bezieht sich auf öffentliche Flächen wie Friedhöfe, Parkanlagen, Spielplätze, ebenso auf die Flächen der Bädergesellschaft. Bei landwirtschaftlichen Flächen, die verpachtet werden, gilt in Zukunft, dass bei einer Neuverpachtung das Verbot des Mittels künftig ebenfalls festgeschrieben werden soll.

Die Flächen der Spitalkellerei sind, da sie der Spitalstiftung gehören, von der Regelung ausgenommen. Dennoch will sich auch die Stiftungsverwaltung in Zukunft an dem Beschluss orientieren. "Wir sind keine Freunde von Herbiziden", sagt Andreas Voß, Direktor der Spitalstiftung, "laut Pachtvertrag sollen Pflanzenschutzmittel sehr sparsam eingesetzt werden". Hubert Böttcher, der mit Stephan Düringer die Spitalkellerei betreibt, erläutert sein Vorgehen: Vor drei Jahren habe er eine Rollhacke angeschafft, damals eine neue Methode gegen Unkraut: "Das Gerät hängt an einem Traktor und zieht das Unkraut mechanisch aus dem Boden", sagt Böttcher. 2016 sei es so möglich gewesen, das Unkraut zu bekämpfen, 2017 stieß Böttcher an Grenzen: es habe mehr geregnet.

Vor der Ernte habe der Weinbauberater davon abgeraten, die Rollhacke anzuwenden, da dabei Stickstoff freigesetzt werde und für die Reben Fäulnisgefahr bestehe. "Deshalb haben wir punktuell Glyphosat eingesetzt."

Böttcher verweist auf ein weiteres Detail: Glyphosat werde im Weinbau niemals auf die Frucht gespritzt, da es deren Wachstum blockieren würde. Es gehe nur darum, das Unkraut, das zwischen den Reben wachse, zu vernichten. Daher könnten keine Rückstände des Mittels in die Traube gelangen. Aus seiner Sicht sei nun die Forschung gefordert, alternative Methoden zum Pflanzenschutz zu entwickeln. Er selbst sei gern bereit, mit der Spitalstiftung über Alternativen nachzudenken: "Wir wollen in den kommenden Jahren dort hinkommen."

Florian Fuchs, Juniorchef auf dem Fuchshof, hat eine dezidierte Meinung zur Debatte: "Das Thema wird auf einer politischen Ebene diskutiert, nicht auf der wissenschaftlichen." Prinzipiell seien Herbizide in der Öffentlichkeit negativ behaftet, Fuchs aber ist es wichtig, jeweils darüber nachzudenken, ob andere Methoden ökologisch sinnvoller seien. Man könne im Obstbau beispielsweise mit Bodenherbiziden arbeiten, die aber länger im Boden nachweisbar seien. Zudem gebe es mechanische Formen der Unkrautbekämpfung, etwa mit einer Fräse. Auch er betont, dass sich der Familienbetrieb Gedanken um Alternativen zu Glyphosat mache. Beim Baumobst wende der Fuchshof das Mittel punktuell an: "Meist geschieht das im Frühjahr in der Vorblüte. Es geht dabei um das Unkraut, das rund um den Baum wächst." Dass die Stadt nun das Glyphosatverbot in Pachtverträge schreiben will, sieht Fuchs kritisch: Man greife damit stark in den Anbau ein und stelle enge Regeln für den Pächter auf – und dies durch ein politisches Gremium, das nicht vom Fach sei.

Auch Hans-Adolf Kärcher, der den Rohnhauserhof in Dettingen betreibt, betont, dass die Glyphosat-Debatte sehr emotional und wenig sachlich geführt werde. Glyphosat werde im Ackerbau als eine Art "Feuerwehr" eingesetzt, wenn keine andere Methode mehr helfe. Im Schnitt benutze er das Mittel alle paar Jahre, abhängig von der Witterung. "Wenn ich es anwende, dann nur nach der Ernte". Kärcher betreibt Saatgutvermehrung, daher würde er das Getreide nie direkt mit dem Pflanzenschutzmittel in Kontakt kommen lassen, "es würde die Pflanze zerstören". Wie Fuchs sieht er es als problematisch an, wenn das Mittel komplett verboten würde und appelliert an die Öffentlichkeit, der Sachkenntnis der Landwirte etwas mehr Vertrauen entgegen zu bringen.

Mittel und Methoden

  • Glyphosat: Es ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Am 27. November verlängerte die EU-Kommission die Zulassung für Glyphosat für weitere fünf Jahre. Umstritten ist die Entscheidung, weil es Hinweise gibt, dass das Mittel "wahrscheinlich krebserregend" ist, zu diesem Schluss kommt die Internationale Agentur für Krebsforschung. Glyphosat ist ein Totalherbizid, wendet man es an einer Pflanze an, so stirbt diese ab.
  • Alternative Methoden: Hans-Adolf Kärcher nennt für den Ackerbau die Methode des Striegelns. Dabei ziehe man einen Rechen durch das Getreide bei einer Wuchshöhe von etwa 20 Zentimetern. Die Unkräuter werden dadurch herausgezogen. Nachteil: dies funktioniert nur bei homogenen Böden. Im Weinbau könne man das Problem des Unkrauts neben den Rebenpflanzungen auch thermisch lösen, berichtet Böttcher. Dabei brenne man das Gras mit einer Flamme ab oder nutze Dampf, um das Unkraut zu zerstören. Böttcher betont, dass diese Methoden nicht zwingend ökologischer seien.

 

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