Konstanz Aktivisten protestieren bei Fällung des Turnschuhbaums - deshalb musste die Polizei eingreifen

Umweltschützer stürmen am Dienstagmorgen den Platz am Turnschuhbaum und behindern die Fällarbeiten. Das hat am Ende nichts genützt, nun steht nur mehr der Stumpf am Winterersteig.

Vom Turnschuhbaum am Seerhein steht nur mehr der Stumpf. Am Dienstag rückten in den Morgenstunden Arbeiter zum Fällen der riesigen Pappel an. Ein Dutzend Gegner erzwangen die Unterbrechung der Arbeiten, indem sie auf das abgesperrte Gelände vordrangen.

Sie wollten ihren Protest gegen die ihrer Ansicht nach baumfeindliche Haltung der Stadt Konstanz und des Technischen Ausschusses ausdrücken, sagte Christel Thorbecke, Sprecherin der Freunde der Riesenpappel. Nach Verhandlungen mit der Polizei verließen zuletzt alle Fällgegner das Gelände freiwillig. Ansonsten hätten die Polizeibeamten sie unter Zwang entfernt, das machten sie vor Ort deutlich.

Streit der Experten

Christel Thorbecke bemängelte erneut, es sei bei den Debatten um den möglichen Erhalt des Baums vor allem um die Kosten dafür gegangen, kaum aber um den ökologischen und ideellen Wert. Die mächtige Pappel am Seerhein sahen von der Stadt beauftragte Experten als nicht mehr bruchsicher an. Der Technische und Umweltausschuss hatte sich gegen Investitionen ausgesprochen, um den Baum trotzdem zu erhalten.

Dass dies mit entsprechenden Pflege- und Schutzmaßnahmen möglich gewesen wäre, zu diesem Schluss war der Schweizer Baumsachverständige Fabian Dietrich gekommen, der den Baum für die Freunde für den Erhalt der Pappel begutachtet hatte. Er hielt diese für vital und erhaltenswert. Ein Mitglied der Aktivisten forderte allerdings Einsicht in die Fällgenehmigung. Er machte darauf aufmerksam, dass Fällgegner die Einstufung des Baums als Naturdenkmal angeregt hatten.

Holz endet als Holzhackschnitzel

Martin Wichmann, Leiter der Umweltabteilung der Stadt Konstanz und Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, unterbrach seinen Urlaub, um vor Ort die Rechtmäßigkeit des Verfahrens darzulegen. Nach dem Beschluss des Technischen Ausschusses, der Investitionen für den Erhalt des Baums ablehnte, sei die Entscheidung bei der Stadt Konstanz und bei keiner übergeordneten Behörde gelegen. Dies bestätigten auf Nachfragen des SÜDKURIER die Pressestellen des Landratsamts und des Regierungspräsidiums in Freiburg.

Wichmann sagte, die höheren Naturschutzbehörden seien aber von der Fällung in Kenntnis gesetzt worden. Der Baum am Seerhein, der mit Turnschuhen geschmückt war, wurde Ast für Ast gefällt. Das Holz landete in Containern, die daran einst angebrachten Turnschuhe sind ebenfalls entsorgt. Nach Angaben von Andreas Hoffmann von den Technischen Betrieben wird das Holz zu Holzhackschnitzeln für den Ofen verarbeitet. Neben dem Baumstumpf und neben einer Sitzbank wurden zwei Eichen nachgepflanzt.

 

Debatte um Pappeln

Am Seerhein wurden schon vor Jahren die ersten alten Pappeln gefällt und durch Eichen ersetzt. Bei Stürmen waren immer wieder Äste gebrochen. 2012 war ein Baum auf einen der Bootsliegeplätze am Seerhein gestürzt. Bei einer größeren Fällaktion vor einigen Jahren blieben Proteste aus. Ganz anders war dies 2015, als die Stadt die Säge an die Pappel-Allee im Tägermoos ansetzte. 41 Bäume fielen, der Rest blieb nach großen Protesten erhalten. Ein Teil der damals protestierenden Bürger kämpfte nun auch für den Turnschuhbaum.

Von der beliebten Pappel mit Turnschuhen geschmückt bis zum Baumstumpf - wir waren bei der Fällung des Turnschuhbaums live dabei: Eine Visual Story mit Bildern und Videos finden Sie hier. 

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