Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht war damals nur noch eine Frage der Zeit, an allen Fronten rückten die Alliierten vor. Trotzdem sollte noch ein verzweifelter Versuch unternommen werden, den Einmarsch der Franzosen in Dettingen zu verhindern.

Ende April, knapp zwei Wochen vor dem Kriegsende am 8. Mai 1945, klopften zwei junge Soldaten an die Tür ihres Elternhauses, das sich am Ortsrand von Dettingen in Richtung Langenrain befand. Johanna Schieß war damals sieben Jahre alt.

Johanna Schieß erinnert sich noch gut an den Tod der beiden Soldaten.
Johanna Schieß erinnert sich noch gut an den Tod der beiden Soldaten. | Bild: Nikolaj Schutzbach

"Das waren Soldaten der Wehrmacht, keine Leute von der SS. Die haben Hunger gehabt. Sie haben nach der Mutter gefragt. Von der Mutter hat’s Brot gegeben. Wurst gab’s von der Nachbarin. Die hatte Sauen und Kühe. Sie hat auch Eier und Butter gebracht. Wir hatten viel Mitleid mit den Jungen, weil diese ganz mager und stark nass-verschwitzt waren. Da sagte meine Schwester Irmgard mit ihren sechs Jahren: Sowas würde ich nicht machen bei der Hitze. Da sagten die Soldaten zu uns: Wenn wir das nicht machen, dann werden wir vom Feldwebel verschossen. Daraufhin waren wir geschockt und haben geweint. Das war für uns wie ein Stich ins Herz."

Abends gegen sieben Uhr ging sie mit ihrer Schwester zum Schützengraben am Ortsrand beim Rohnhauser Hof. Dabei hatten sie eine Tüte voller Äpfel und Wurstbrot. Später hörten sie, wie oben gekämpft wurde. Die Verteidiger hätten mit Panzergranaten geworfen, um den Feind aufzuhalten.

Das Bild, das sie am Morgen vorfand, hat sich in ihrem Gedächtnis eingebrannt:

"Einer der beiden Soldaten hing mit der Handgranate in der Hand tot über dem Grabenrand. Der andere hatte wohl flüchten wollen. Wir hätten sie im Kleiderschrank verstecken sollen. Ich bin bis heute mit dem Ereignis verbunden. Ich hätte zuerst den Hitler verschossen."

Bestattet wurden die beiden Soldaten auf dem Dettinger Friedhof. Wer ihn heute am oberen Eingang betritt, findet das Doppelgrab mit seinem schlichten Holzkreuz auf der linken Seite kurz vor der Gedenkkapelle. Zwei Steintafeln darin erinnern an die Getöteten und Vermissten der beiden Weltkriege.

Die kleine Kapelle auf dem Dettinger war ursprünglich als Familien-Grabesstätte des Dettinger NSDAP-Ortsgruppenleiters Bogenschütz gedacht. Dazu kam es aber nie, und so wurde sie zu einer Gedenkstätte an die beiden Weltkriege. Links und rechts sind die Tafeln mit den Gefallenen und Vermissten angebracht.
Die kleine Kapelle auf dem Dettinger war ursprünglich als Familien-Grabesstätte des Dettinger NSDAP-Ortsgruppenleiters Bogenschütz gedacht. Dazu kam es aber nie, und so wurde sie zu einer Gedenkstätte an die beiden Weltkriege. Links und rechts sind die Tafeln mit den Gefallenen und Vermissten angebracht. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Auch die Namen zweier Familienangehöriger von Johanna Schieß sind dort zu lesen. Ihr Vater Fridolin wurde vermisst, ihr Bruder Andreas ist gefallen.