Nina Röckelein

Nina Röckelein ist Feministin und will mehr Gleichberechtigung, auch in der Familie.
Nina Röckelein ist Feministin und will mehr Gleichberechtigung, auch in der Familie. Bild: Oliver Hanser

Eigentlich sei es nicht ihre Idee gewesen, für den Gemeinderat zu kandidieren, räumt die 21-Jährige ein wenig verschämt ein. Verschämt, weil es als typisch für Frauen gilt: sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, darauf verzichten Frauen gern. Nun aber steht sie auf Platz 1 der Liste der FGL.

Stichwort Mittelpunkt: Nina Röckelein hat in ihrer Kindheit beim Jugendzirkus mitgemacht und weiß, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Die politische Bühne ist dennoch ungewohnt. Verschiedene Personen aus dem Bundesvorstand der Grünen Jugend haben sie aufgefordert, sich für die Kommunalwahl in ihrer Stadt als Kandidatin aufstellen zu lassen.

Je länger die Studentin mit den widerspenstigen Rastalocken darüber nachdachte, desto logischer schien es.

„Es heißt ja oft: es gebe keine Frauen, die das machen wollen. Damit ist es dann erledigt. Aber die gibt es schon!“
Nina Röckelein

Das Nachdenken brachte weitere Motivation: Im Gegensatz zu vielen Kommilitonen ist Röckelein in Wallhausen aufgewachsen, kennt und liebt Konstanz – und kann sich vorstellen, zu bleiben. Warum also nicht die Politik mitgestalten?

Dass junge Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert sind, sieht sie als Herausforderung. Röckelein ist technisch versiert, interessierte sich früh für Computer und nahm an Veranstaltungen wie „Jugend hackt“ teil.

„Dort war es ähnlich: immer waren es zu wenig Mädchen. Es ist aber möglich, junge Frauen so anzusprechen, dass sie sich wohlfühlen und in technischen Fächern mitsprechen wollen.“
Nina Röckelein

Und der Frauentag? Ihn verbindet die Studentin der Informatik und Politikwissenschaft mit Feminismus. „Ich bin gerne Feministin“, sagt sie, „es war ein langer Kampf ums Wahlrecht und um Frauenrechte, auf den man unbedingt stolz sein muss.“ Das gewichtigste Thema sei die gleichberechtigte Organisation von Familie.

Darüber hinaus gehe es um Beruf und Karriere: „Wie viele Frauen sind in der Verwaltung in Leitungspositionen? Wie viele Frauen im Gemeinderat?“, fragt sie und will im Fall ihrer Wahl Alleinerziehende noch besser unterstützen.

Ach, und da ist sie wieder, die Unsicherheit angesichts der neuen Bühne: „Wettbewerb mag ich eigentlich nicht. Mochte ich noch nie, auch im Sport nicht. Aber ich glaube, mit diesem Wahlkampf hier werde ich klar kommen“, sagt Nina Röckelein und lacht herzlich: ganz Kämpferin mit Charme.

Susanne Heiß

Susanne Heiß glaubt, dass politisches Engagement eben seine Zeit braucht.
Susanne Heiß glaubt, dass politisches Engagement eben seine Zeit braucht. Bild: Oliver Hanser

Kommunalpolitik ist Susanne Heiß so vertraut wie wenig anderen, sie ist damit aufgewachsen, dass der Vater, der sich lange Jahre bei den Freien Wählern engagierte, die lokale Politik an den Esstisch der Familie brachte. Das sei bei ihr heute nicht anders, ihre 17 und 19 Jahre alten Kinder würden ebenso intensiv in die politischen Diskussionen zuhause einbezogen.

Da kann es schon mal passieren, dass man wie Heiß seit 1992 bei den Freien Wählern mitredet und seit 2014 im Gemeinderat sitzt. Dabei sei längst nicht alles Gold, was in den Wänden des Ratssaals debattiert und gesprochen wird.

„Die Länge der Sitzungen kann schon sehr zermürbend sein. Ich habe etliche Kollegen im Rat, die endlos lang reden und immer wieder dasselbe sagen.“
Susanne Heiß

Das ist, darin sind sich die Gemeinderätinnen weitgehend einig, ein vornehmlich männliches Verhalten. Eine Redezeitbegrenzung wäre eine Lösung. Dass sich ohne Druck etwas an langen Wortbeiträgen ändere, glaubt Heiß nicht.

Dass Frauen sich nur zurückhaltend an die Kommunalpolitik wagen, sieht Susanne Heiß mit Sorge – und mit Verständnis. Das größte Problem sei strukturell.

„Sitzungen an den Nachmittagen und Abenden und die Unterlagen vorbereiten, das ist nicht eben familienfreundlich.“
Susanne Heiß

Klare Entscheidung: Auch sie habe erst auf den vorderen Listenplätzen der FW kandidiert, als die Kinder älter als zwölf waren. "Ich hätte es vorher nicht übers Herz gebracht, sie so lang allein zu lassen". Ähnlich gehe es vielen Müttern. Dabei seien sehr viele Frauen ehrenamtlich tätig.

Dass Frauen die Kommunalpolitik mieden, könne auch an Anspruch und Unsicherheit liegen. "Frauen wollen, wenn sie etwas tun, das dann perfekt machen. Mit Schul- und Betreuungsthemen kommen viele, die sich interessieren, zurecht, trauen sich aber nicht die Kompetenz bei Finanzen oder Verkehr zu", fasst sie die Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis zusammen.

Susanne Heiß hat da keine Berührungsängste: Sie arbeitet in der Automobilbranche, Wirtschaftsthemen sind ihr Metier. Dass Frauen noch vor 100 Jahren eine solch zweitrangige Rolle spielten, die sie sogar vom Wahlrecht ausschloss, will sich Susanne Heiß gar nicht vorstellen. Sie ist aber überzeugt, dass sich heute noch vieles ändere und künftig mehr Frauen ihre Leidenschaft für die Politik entdecken werden: "Es braucht eben seine Zeit".

Tanja Rebmann

Tanja Rebmann will Frauen in Männerdomänen unterstützen. Bilder: Oliver Hanser
Tanja Rebmann will Frauen in Männerdomänen unterstützen. Bild: Oliver Hanser

Sie ist ein wenig spät dran und im Moment auch im Stress. Das merkt man der 26-Jährigen kaum an, routiniert streicht sie eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und beginnt zu erzählen.

Die Studentin der Politik- und Verwaltungswissenschaft hat sich "schon immer" für Politik interessiert, findet es wichtig, sich einzubringen und setzt diesen Vorsatz seit 2014 im Studierendenparlament und bei den Hochschul-Jusos um. Inzwischen ist sie dort Vorsitzende und hat zu tun: die Bewerbung für die Exzellenzinitiative fordert auch der Studierendenvertretung Zeit und Einsatz ab. Die Bewerbung auf Platz 6 der SPD-Liste für den Gemeinderat scheint ihr konsequent.

„Ich glaube, dass man auf kommunaler Ebene das Leben der Menschen verbessern kann, Lokalpolitik greift direkt vor Ort.“
Tanja Rebmann

Dass Politik eine Männerdomäne ist, erlebt die junge Frau aus Waldshut-Tiengen im eigenen Umfeld weniger. Bei den Jusos diskutierten Frauen ebenso engagiert mit und seien bereit, Ämter zu übernehmen. Allerdings oft eher die "Macher-Ämter", während die jungen Männer eher zu den repräsentativen neigten.

Eine gute politische Schule war die Juso-Hochschulgruppe für sie: "Ich habe auch gelernt, Gegenwind auszuhalten und mich mal durchzusetzen. Und dabei kompromissbereit zu bleiben", sagt Rebmann. Es sind Fähigkeiten, die sie auch im Gemeinderat brauchen wird.

Trotz aller Gleichberechtigung im studentischen Umfeld kennt die 26-Jährige subtile Abwertungen.

„Oft wird mein Co-Vorsitzender im AStA zuerst begrüßt, bevor die Leute merken, dass ich ihre Ansprechpartnerin bin. Ich werde dann eher als das Mitbringsel wahrgenommen. Liegt das an der Körpergröße oder daran, dass ich Frau bin?“
Tanja Rebmann

Warum man nicht so ernst genommen werde wie andere, liegt im subtilen Bereich der Körpersprache und ist deswegen schwer zu monieren. Frauen sollten sich in männlich-dominierte Bereiche einmischen, davon ist Rebmann überzeugt. Deshalb hält sie nichts von Frauennetzwerken, dafür viel von Ermutigung der Frauen, teilzunehmen, von Formaten wie dem Girls' Day. Das will sie in die Stadtpolitik einbringen, an ihre Chancen dazu glaubt sie fest.