Thomas Fahr schüttelt ungläubig den Kopf, wenn er an den Kampf um das schnelle Internet für den Gottmadinger Teilort Ebringen zurückdenkt. Wäre da nicht die Gemeinde so kreativ gewesen und die Hilfe von der Thüga gekommen, so wäre das Dorf vermutlich bis heute nicht in der Gegenwart angekommen.

Rund acht Jahre haben die Mitglieder der Bürgerinitiative schnelles Internet (BISIE) für eine schnelle Datenübertragung gekämpft. Mittlerweile, so schätzt Thomas Fahr, ist das halbe Dorf angeschlossen.

Pilot-Nutzer für die Testphase

Thomas Fahr war 2016 einer der Pilot-Nutzer, der herausfinden sollte, ob das Konstrukt aus Glasfaser und Kupferkabel tatsächlich den erhofften Nutzen in jene Haushalte bringen kann, die auf ein leistungsstarkes Datennetz angewiesen sind. Fahr ist beruflich in der IT-Branche in der Schweiz tätig und muss immer wieder große Datenmengen verschicken. Vor der Umstellung war das nur mit einem hohen Zeitaufwand möglich. An Homeoffice war da nicht zu denken.

Thomas Fahr hat die Bürgerinitiative BISIE für schnelles Internet in Ebringen mit angestoßen. Heute ist der IT-ler äußerst zufrieden über die leistungsstarke Datenleitung, die ihm das Arbeiten von Zuhause ermöglicht. Bild: privat
Thomas Fahr hat die Bürgerinitiative BISIE für schnelles Internet in Ebringen mit angestoßen. Heute ist der IT-ler äußerst zufrieden über die leistungsstarke Datenleitung, die ihm das Arbeiten von Zuhause ermöglicht. Bild: privat | Bild: Familie Fahr

„Wir hatten am Ende Glück“, sagt Fahr, der gerade in Corona-Zeiten von zu Hause aus arbeiten muss. „Wir sind äußerst zufrieden, selbst wenn es vereinzelt kleinere Probleme gibt.“ Das liege an den alten Kupferdrähten im Dorf. Aber in zwei Jahren soll die Thaynger Straße renoviert werden. Dann sollen dort auch Rohre für Glasfaserkabel verlegt werden.

Kritik an EU-Richtlinien

Zur Zeit reicht die Glasfaser der Thüga nur bis zu einem Verteiler im Dorf. Von dort führen immer noch Kupferkabel in die Haushalte. „Das ist zwar noch nicht ganz optimal, aber ein Quantensprung gegenüber der früheren Technik“, berichtet Thomas Fahr. Obwohl sein Haus weit entfernt vom Verteiler liegt, spüre er im Home-Office keinen Unterschied in der Übertragungsgeschwindigkeit zu seinem Büro-Arbeitsplatz.

Trotzdem mahnt er: „Wir dürfen die weitere Entwicklung nicht verschlafen.“ Deutschland sei ohnehin sehr rückständig, was den Ausbau des Breitbandnetzes angehe. Das liege aber auch an den Kriterien für Fördermaßnahmen. „Wenn man als Bürgermeister ein Dorf anbinden will, muss man die Arbeiten europaweit ausschreiben“, weiß Fahr. Kurios findet er, dass die Fördermittel zwar vorhanden seien, aber von den Kommunen nicht abgerufen werden könnten, „weil zum Teil sinnlose Richtlinien“ erfüllt werden müssten.

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Übrigens liegt Thomas Fahr mit seiner Schätzung, was die Anbindung des Dorfes an die moderne digitale Welt angeht, noch deutlich unter den echten Zahlen. Eine Nachfrage bei der Thüga-Pressestelle in Singen ergibt, dass rund zwei Drittel aller Haushalte in Ebringen an das schnelle Internet angeschlossen sind. Gabriele Müller erinnert sich gut an die Freude im Dorf, als es endlich so weit war: „Die Ebringer haben uns breite Nudeln mit der Aufschrift ‚Breitbandkabel‘ überreicht.“

Die Glasfaser als Lebensader

In der modernen Wirtschaftswelt ist die Glasfaser wie eine Lebensader. Dörfer, die nicht an das schnelle Internet angeschlossen sind, verlieren an Attraktivität. Für Unternehmen oder Familien ist die Verbindung zur Welt essenziell.

Fehlt die schnelle Datenleitung, dann ist das ein großer Standortnachteil. Baupläne, Förderanträge der baden-württembergischen Landwirte über das Programm Fiona oder Unterrichtseinheiten enthalten große Datenmengen, die in den alten Kupferdrähten schlichtweg hängenbleiben. Das erschwert nicht nur die Kommunikation, sondern verursacht auch wirtschaftliche Schäden. Selbst im Tourismus, wo man es nicht unbedingt erwarten würde. Ebringen hat auch einige Ferienzimmer. Ohne Internet lassen die sich schwer vermieten.

Musikunterricht übers Internet

Einer, der das Thüga-Netz ebenfalls als Pilot-Nutzer noch vor Einführung ausprobieren konnte, ist Chris Wagner. Er kam aus familiären Gründen aus dem Großraum Stuttgart nach Ebringen, wo er seine Schlagzeugschule Drumpolin betreibt. Wenn er seine Schüler unterrichtet, spielen die zur Musik. Der Song wird aufgenommen und das Video später verschickt. „Das wäre ohne schnelles Internet gar nicht möglich“, sagt der studierte Schlagzeuger. „Mit DSL-light hätte die Übertragung eines solchen Videos eine ganze Nacht gedauert.“

Der 16-jährige Manuel demonstriert, wie der Schlagzeugunterricht in Corona-Zeiten funktioniert. Dazu braucht es sehr viel Technik und gute Datenleitungen.
Der 16-jährige Manuel demonstriert, wie der Schlagzeugunterricht in Corona-Zeiten funktioniert. Dazu braucht es sehr viel Technik und gute Datenleitungen. | Bild: Gudrun Trautmann

In Wagners Haus ist heute alles verkabelt. In einem Studioraum ist es mit Hilfe eines Mischpults und Kopfhörern möglich, völlig lautlos Schlagzeug zu üben. Genauso kann Wagner mit dieser Elektronik Fernunterricht erteilen. „Während des Corona-Lockdowns war das für mich sehr wichtig“, erzählt er. „Ich konnte jederzeit über Zoom unterrichten.“

Wenn Chris Wagner mit seinen Kindern in seiner Schlagzeugschule probt, wird es richtig laut. Doch der Raum ist rundum gut gepolstert, so dass die Beats nicht nach draußen dringen. Als Zuhörer braucht man aber einen Schallschutz.
Wenn Chris Wagner mit seinen Kindern in seiner Schlagzeugschule probt, wird es richtig laut. Doch der Raum ist rundum gut gepolstert, so dass die Beats nicht nach draußen dringen. Als Zuhörer braucht man aber einen Schallschutz. | Bild: Gudrun Trautmann

Wagner hatte schon vor Corona Erfahrungen mit dem elektronischen Unterricht gesammelt, weil einer seiner Schüler nach Australien gegangen war und trotzdem dranbleiben wollte. Darauf konnte er jetzt aufbauen.

„Ein Lehrer der Robert-Gerwig-Schule, der zur Risikogruppe gehört, hat sich ein elektronisches Schlagzeug besorgt, um während des Lockdowns weiter bei mir Unterricht nehmen zu können“, erhält Chris Wagner. Er wusste schon, warum er sich in der Bürgerinitiative BISIE für das schnelle Internet engagierte.

Christian Wagner lebt mit seiner Familie in Ebringen im Paradies, wie der parkähnliche Garten zeigt. Einen Schönheitsfehler hatte diese Lage allerdings bis vor ein paar Jahren: Hier gab es kein schnelles Internet. Dass dieser Mangel jetzt behoben ist, macht den Selbstständigen glücklich. Bild: Gudrun Trautmann
Christian Wagner lebt mit seiner Familie in Ebringen im Paradies, wie der parkähnliche Garten zeigt. Einen Schönheitsfehler hatte diese Lage allerdings bis vor ein paar Jahren: Hier gab es kein schnelles Internet. Dass dieser Mangel jetzt behoben ist, macht den Selbstständigen glücklich. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gudrun Trautmann

Auch im Sinne der Familie, die fleißig auf den verschiedensten Plattformen im World Wide Web unterwegs ist. Bei Wagners sind alle damit zufrieden. „Das erhöht die Lebensqualität extrem“, sagt der Schlagzeuglehrer.

Immerhin trägt das schnelle Internet dazu bei, dass der Familienvater seine Musikschule in einem 200-Seelen-Dorf betreiben kann. Auch für ihn ist die schnelle Datenübertragung existenziell.

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