Ein Jahr auf Bewährung hat sich der TC Gottmadingen in seiner außerordentlichen Hauptversammlung verordnet. Das ist besser als der Vorschlag, den Verein ganz aufzulösen. Der Vorsitzende Lars Refeld geht kühn in die neue Verantwortung und fordert die Vereinsmitglieder zu kreativer Mitarbeit auf. Mit einem umfangreichen Fragebogen will Refeld herausfinden, wohin die Mitglieder tendieren.

Dramatische Momente

Der Versammlung am Freitagabend ging ein dramatischer Auftakt voraus. Die Zusammenkunft selbst barg ebenfalls jede Menge Emotionen. Denn der zweite Vorsitzende Jürgen Haas, der den Verein selbst schon über 20 Jahre angeführt hatte, verkündete seinen Rücktritt und übernahm damit die volle Verantwortung für das Scheitern der dringend nötigen Sanierung des Geländes. Haas hatte eine Fußnote in den Förderrichtlinien des Badischen Sportbundes übersehen, die jedoch massive Auswirkungen auf die finanzielle Unterstützung zur Folge hat. Im Kleingedruckten steht nämlich, dass die Förderung von der Zahl der Mitglieder abhängt. Und genau da liegt das Dilemma des Vereins. Er ist von ehemals rund 300 Mitgliedern auf rund 90 zusammengeschrumpft. Davon aktiv sind etwa 50, die sicherlich keine sieben Tennis-Plätze benötigen.

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Für die geplanten Allwetterplätze, die das Spielgelände wieder aufwerten sollten, schien nach 320 Stunden Projektarbeit im Januar 2020 alles in trockenen Tüchern. Die Finanzierung durch die Sparkasse, der Zuschuss der Gemeinde, die Privatkredite der Mitglieder: alles war besiegelt. Fehlte nur noch der Zuschuss des Sportbundes in Höhe von 80 000 Euro. Doch von dort kam die böse Überraschung. Der Verband könne nur 19 000 Euro übernehmen. Die plötzlich klaffende Finanzierungslücke war jetzt nicht mehr auszugleichen. Das Aus des Vereins schien besiegelt. Schockstarre im Verein.

Der Vorsitzende des TC Gottmadingen, Lars Refeld (rechts), erklärt den rund 25 anwesenden Mitgliedern den Ernst der Lage. Für einen Neustart braucht es viel Kreativität.
Der Vorsitzende des TC Gottmadingen, Lars Refeld (rechts), erklärt den rund 25 anwesenden Mitgliedern den Ernst der Lage. Für einen Neustart braucht es viel Kreativität. | Bild: Trautmann, Gudrun

Neue Ideen gefragt

Doch Lars Refeld dachte noch einmal über alles nach. Nach 66 Jahren Vereinsgeschichte will er den Bettel nicht einfach hinschmeißen und bietet sich an, über neue Modelle für den Verein nachzudenken. Ein Jahr will er sich und dem Verein dafür Zeit geben, in dem auch nach einer professionellen Sanierung auf zwei Sandplätzen weitergespielt werden kann. Für das übrige Gelände kann er sich Kooperationen mit andern Vereinen und Nutzern vorstellen. Dafür sollen jetzt Konzepte erarbeitet und in der nächsten Hauptversammlung 2021 beschlossen werden. Bei drei Enthaltungen stimmten die 25 Anwesende für diese Bewährungszeit. Sollte dann keine Lösung vorliegen, kann sich der Verein immer noch auflösen.

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