Es bedeutet meistens nichts Gutes, wenn Vereinsmitglieder zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen werden. So auch im Fall des Gottmadinger Tennisclubs, der möglicherweise nach 66 Jahren vor dem Aus steht. Jedenfalls legt das die Tagesordnung nahe, die der Vorstand mit der Einladung zum 11. September um 19 Uhr verschickt hat. Um zu erfahren, was der Grund für den Antrag auf Auflösung des Vereins ist, hat sich der SÜDKURIER mit dem Vorsitzenden des Vereins, Sven Refeld, auf dem Platz getroffen.

Sven Refeld ist der Vorsitzende des Tennisclubs Gottmadingen. Er fordert von seinen Mitgliedern eine Entscheidung, wie es mit dem Verein weitergehen soll.
Sven Refeld ist der Vorsitzende des Tennisclubs Gottmadingen. Er fordert von seinen Mitgliedern eine Entscheidung, wie es mit dem Verein weitergehen soll. | Bild: Trautmann, Gudrun

Viele Vereine haben das gleiche Problem: Zahl der Mitglieder nimmt ab

Refeld ist selbst seit 45 Jahren leidenschaftlicher Tennisspieler. „Ich habe bereits mit vier Jahren angefangen“, sagt er und wirkt ein wenig wehmütig, wenn er den Niedergang des Gottmadinger Clubs beschreibt. Wobei er feststellt, dass sein TC nicht der einzige Verein ist, der solche Probleme hat. „In der Blütezeit hatte der Verein 300 Mitglieder“, erzählt er. „Heute sind wir noch knapp 100 und davon nur rund 50 Aktive.“ Die Vorfahren hätten sich mit dem Bau der Anlage hoch verschuldet, weil sie von steigender Nachfrage dieses Sports überzeugt waren. Erst seit zwei Jahren ist der Club schuldenfrei. Doch die sieben Plätze sind zum Teil marode. Zwei davon sind überhaupt nicht mehr bespielbar, weil da mittlerweile sogar kleine Bäume auf dem Feld wachsen.

Kaputte Pumpe und marode Drainage: Um die Tennisplätze zu erhalten, muss der Verein investieren.
Kaputte Pumpe und marode Drainage: Um die Tennisplätze zu erhalten, muss der Verein investieren. | Bild: Trautmann, Gudrun

Vor zwei Jahren hatte der Verein beschlossen, einen Schritt in die Zukunft zu gehen und die Anlage zu renovieren. Sie sollte wieder attraktiver werden und neue Mitglieder anlocken. „Wir wollten sechs Plätze komplett mit einem Allwetterbelag erneuern“, berichtet der Vorsitzende. Der ausgewählte Belag, ähnlich einer Tartanbahn, hätte den Pflegeaufwand minimieren sollen. Kostenpunkt: 230 000 Euro.

Zuschüsse waren zu optimistisch kalkuliert

Der Verein sprach im Gemeinderat vor und erhielt die Zusage für einen Zuschuss in Höhe von 37 000 Euro. Die Mitglieder waren begeistert. Endlich tut sich was auf dem Platz. 60 000 Euro wollten die Mitglieder in Form von Privatdarlehen zur Finanzierung beisteuern. Die Sparkasse hatte einen Kredit in Höhe von 100 000 Euro zugesagt. Fehlte nur noch die Zusage über eine Förderung der Anlage in Höhe von 70 000 Euro vom Sportbund. „Die kommt in der Regel nach drei bis vier Jahren“, weiß Refeld, was nicht das Problem gewesen wäre. Die Gemeinde hätte zwischenfinanziert. Doch die böse Überraschung stand im Kleingedruckten.

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Man sei davon ausgegangen, dass der Sportbund 30 Prozent der Kosten übernimmt. Was der Verein nicht wusste ist, dass die Förderung von der Zahl der Mitglieder abhängt. „Wir sind einfach zu wenig Mitglieder“, sagt Refeld. „Der Sportbund würde nur 18 000 Euro geben.“ Damit ist das gesamte Finanzierungskonzept gescheitert.

Ziemlich verwildert sind zwei Sand- und zwei Hartplätze. Hier könnte sich Sven Refeld vorstellen, dass das Gelände umgestaltet und anderen Vereinen zur Verfügung gestellt wird.
Ziemlich verwildert sind zwei Sand- und zwei Hartplätze. Hier könnte sich Sven Refeld vorstellen, dass das Gelände umgestaltet und anderen Vereinen zur Verfügung gestellt wird. | Bild: Trautmann, Gudrun

Einfach weiterspielen wie bisher, das funktioniert auf den Plätzen nicht mehr lange. Einen Platzwart hat der Verein schon länger nicht mehr. Die Mitglieder müssen die Plätze nach dem Spiel wässern und glattfegen. Der Aufwand sei durchaus vertretbar, aber die Anlage wird dadurch nicht attraktiver.

Die Schiedsrichtersitze führen schon lange ein Schattendasein. Wettkämpfe werden auf dem Gelände des TC Gottmadingen nicht mehr ausgeführt.
Die Schiedsrichtersitze führen schon lange ein Schattendasein. Wettkämpfe werden auf dem Gelände des TC Gottmadingen nicht mehr ausgeführt. | Bild: Trautmann, Gudrun

Drohende Auflösung soll Mitglieder wachrütteln

Mit dem Vorschlag, den Tennisclub aufzulösen, hat der siebenköpfige Vorstand eine kleine Bombe platzen lassen. Es geht wohl darum, die Mitglieder wachzurütteln. Sven Refeld hofft, dass es in der Krisensitzung am 11. September gar nicht zu der Abstimmung über die Auflösung des Vereins kommen wird. Er hofft weiter, dass die Mitglieder den Ernst der Lage begreifen und sich kreativ mit einer weiteren Nutzung der Anlage auseinandersetzen.

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Ideen hat der Vorsitzende selbst genug. Er kann sich vorstellen, andere Vereine auf das Gelände zu holen. „Uns würden drei Plätze reichen“, sagt er. „Früher waren wir sehr wettkampforientiert. Unsere Zukunft könnte aber im Freizeitsport liegen.“ Eine Kooperation mit anderen Vereinen würde auch die Nutzung des Vereinsheimes betreffen, dass die meiste Zeit leer steht.

Gibt es doch einen Neustart als Freizeitzentrum?

Refeld würde dem Verein gerne noch ein Jahr Zeit verschaffen, um eine Neuausrichtung in die Wege zu leiten. Da das Gelände aber der Gemeinde gehört, muss diese einer veränderten Nutzung auch zustimmen. „Ich werde erst wieder an den Gemeinderat herantreten, wenn die Mitglieder einer Neukonzeption zustimmen“, sagt er. Der 11. September müsste also nicht das Aus des Vereins besiegeln, sondern könnte auch durchaus ein Neuanfang werden.

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