Ohne Coronatest kommt man momentan nicht rein – egal ob es um Gastronomie oder das Freibad geht. Die Nachfrage ist entsprechend groß, doch nicht alle Gemeinden haben ständig kommunale Testangebote. In Steißlingen wird beispielsweise bisher nur Donnerstagabend getestet. Das ist zu wenig, wenn der Nachweis eines negativen Coronatests höchstens 24 Stunden alt sein darf. Umso besser, wenn sich ein privater Anbieter findet. In Hilzingen und Gottmadingen hat das diese Woche aber für Aufregung gesorgt, denn der private Anbieter hat sein Angebot vor den Freibädern kurzfristig pausiert oder in Hilzingen komplett eingestellt.

„Wir haben am Sonntag spätabends eine Mail bekommen, dass er von der Vereinbarung zurücktritt. Dann waren wir Montagfrüh in der Bredouille und mussten improvisieren“, sagt Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer. Nun erklärt der Anbieter, woran es in Hilzingen scheitert und wie es an anderen Standorten in Steißlingen und Gottmadingen weiter gehen soll.

Rettungssanitäter macht sich selbstständig

Benjamin Hoch wirkt motiviert, wenn er von seinen Plänen erzählt. Der hauptberufliche Rettungssanitäter aus Moos hat sich Anfang Mai selbstständig gemacht mit Teststationen. 30 Mitarbeiter arbeiten inzwischen für ihn, drei davon Voll- und zwei Teilzeit. „Die Gemeinden stellen uns den Ort und eine Hütte zur Verfügung, alles andere bringen wir mit“, erklärt Hoch. Er habe sich bei der kassenärztlichen Vereinigung registriert und auch beim Gesundheitsamt gemeldet. Deshalb kann er kostenlose Bürgertests anbieten, die mit der kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden.

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Diese Abrechnungen stehen auch in der Kritik, weil sie wohl kaum kontrolliert werden. Das ist für Benjamin Hoch kein Thema: „Mehr Kontrollen finde ich nicht schlecht.“ Er bietet auch kostenpflichtige PCR-Tests in Zusammenarbeit mit einem Freiburger Labor.

Geht es um das schnelle Geld? Nein, sagt er.

Der Rettungssanitäter betont, dass er die Testmöglichkeiten nicht anbiete, um schnelles Geld zu machen: „Ich habe das aufgebaut, um den Menschen eine Möglichkeit zu bieten. Die Leute wollen raus, wollen wieder ins Freibad oder ins Restaurant, und dafür braucht es momentan eben so einen Test.“ In Moos mache er etwa 300 Abstriche am Tag, in Steißlingen seien es sogar noch mehr. „Dort gibt es sonst auch kaum eine andere Möglichkeit, deshalb behalten wir diesen Standort auf jeden Fall bei.“

Hilzingen improvisiert – und macht 250 Tests am Tag

In anderen Orten lief es nicht so gut. Nachdem Benjamin Hoch in Hilzingen von der Vereinbarung zurücktrat, mussten diese Woche Rathaus-Mitarbeiter aushelfen, damit in der Hegauhalle ausreichend getestet werden kann. Zwischen sechs und acht geschulte Mitarbeiter waren dafür in Zweier- oder Dreier-Teams im Einsatz, sagt Bürgermeister Holger Mayer. Diese hätten allein am Dienstag bis zu 250 Tests abgenommen.

Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer.
Hilzingens Bürgermeister Holger Mayer. | Bild: Gemeinde

Dennoch ärgert sich der Bürgermeister: Er habe sich darauf verlassen, dass der Dienstleister ein gutes Angebot für Hilzingen biete. Stattdessen sei er Freitag verspätet gestartet und habe sich am Sonntag komplett zurückgezogen. Nun sei man im Gespräch mit einem anderen Dienstleister, der ab nächster Woche übernehmen könnte.

Doch warum hat Benjamin Hoch den Auftrag in Hilzingen nicht erfüllt?

Der junge Selbstständige begründet seinen Rückzug aus Hilzingen mit Anlaufschwierigkeiten: Die Ausstattung der Testhütte habe gefehlt und bei der Gemeinde habe er niemanden erreicht. Das schildet Bürgermeister Mayer anders. Später räumt Hoch ein, dass er dringend Mitarbeiter sucht: „Ich kann die Mitarbeiter leider nicht herzaubern.“ Viele seiner Mitarbeiter hätten noch einen Hauptjob und teils sei es schwer, Schichten unter der Woche zu besetzen.

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Ähnlich war es wohl auch in Gottmadingen. Sonntagmittag habe sein Team die Sachen gepackt – in Absprache mit der Gemeinde, wie Hoch betont, nachdem die Nachfrage sehr gering gewesen sei. „Wir standen dort zehn bis elf Stunden und hatten zwei Kunden, deshalb müssen wir dort die Zeiten anpassen.“ Auch das schildert ein Beteiligter anders.

Dienstagmittag in Gottmadingen: Das Testangebot eines privaten Anbieters war kurzfristig geschlossen. Dabei sollte es dafür sorgen, dass Menschen sich problemlos testen lassen können, bevor sie ins Höhenfreibad gehen.
Dienstagmittag in Gottmadingen: Das Testangebot eines privaten Anbieters war kurzfristig geschlossen. Dabei sollte es dafür sorgen, dass Menschen sich problemlos testen lassen können, bevor sie ins Höhenfreibad gehen. | Bild: Sandra Baindl

In Gottmadingen soll es wieder los gehen

Eine Nachfrage bei der Gemeinde bringt nur etwas Licht ins Dunkel: Sie habe Montag mitbekommen, dass Sonntag nicht mehr getestet wurde und daraufhin mit dem Anbieter gesprochen, erklärt Martina Stoffel vom Haupt- und Personalamt. „Die Nachfrage ist ja da, das Wetter ist toll und die Menschen wollen baden“, wie sie sagt. Die Gemeinde wolle den Bürgern eine Testmöglichkeit bieten – ob vor dem Freibadbesuch oder aus anderem Anlass. Deshalb werde seit Donnerstag, 3. Juni, wieder getestet, am Freibad erstmal bis Samstag von 9 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr.

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In Steißlingen hat sich das Angebot bewährt

Gut läuft es dagegen in Steißlingen, wie Hauptamtsleiter Roland Schmeh berichtet: „Wir können uns nicht beschweren.“ Seit 26. Mai sei Benjamin Hoch mit seinem Team im Einsatz und teste täglich. „Ich sehe immer Leute, die davor stehen“, schildert Schmeh eine große Nachfrage. Zu den Kunden zählen nach seiner Einschätzung auch viele Menschen, die den Testnachweis nicht fürs Freibad brauchen. „Wir haben in Steißlingen bisher nichts Vergleichbares.“ Von der Nachricht einer Testpflicht sei die Gemeinde überrascht worden, da sei so ein Angebot eines Dienstleisters willkommen.

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Ab Montag soll sich Einiges ändern – sagt auch das Land

Holger Mayer aus Hilzingen hofft, dass sich die Aufregung nächste Woche legt – nicht nur wegen eines neuen Dienstleisters, sondern auch wegen neuer Regelungen. Sein Wunsch wurde am Donnerstagabend erhört: Das Land kündigte eine neue Corona-Verordnung an, die ab Montag weitere Lockerungen verspricht. Dann würde in einem Landkreis, dessen Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage in Folge unter 35 liegt, die Testpflicht für Aktivitäten im Freien entfallen. Ähnliches forderte Mayer schon einen Tag zuvor: „Politisch ist es zunehmend schwieriger, die Testpflicht im Freien aufrecht zu halten. Viele kritisieren zu Recht, dass sie beim Friseur keinen Test brauchen, aber im Biergarten schon.“

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