Fünf Architekten haben ihre Pläne für ein Fahrradparkhaus in Gottmadingen präsentiert, für einen Entwurf hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag entschieden: Das Architekturbüro Siegenführ und Gassner aus Gottmadingen soll seinen Plan ausarbeiten, das einen langgezogenen, eingeschossigen Bau vorsieht. Zwei der fünf Entwürfe wurden wegen der hohen Kosten gar nicht mehr besprochen, die Angebote lagen bei 876 893 Euro und 1 038 000 Euro und waren damit mehr als doppelt so teuer wie ursprünglich gedacht.

78 Plätze für 359.718 Euro

Der nun beschlossene Entwurf rechnet mit Kosten von 359 718 Euro. Dafür sollen die Gottmadinger 76 Radstellplätze, zwei Plätze für Lastenräder sowie Raum für Schließfächer und Poststation bekommen. Diskutiert wurde darüber, wie weit ein schützendes Dach über den Bussteig ragen soll, wie sich der Bedarf entwickeln wird und ob ein Holzbau zu rasch durch Vandalismus zerstört werden würde.

Es ging um ein Abwägen zwischen Optik und Funktion, als die Gemeinderäte ausführlich über Vor- und Nachteile der drei verbliebenen Entwürfe sprachen. „Es ist ja auch ein Aushängeschild für die Gemeinde, denn das hat sonst keiner“, sagte Ulrich Rüede (Freie Wähler).

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Das Fahrradparkhaus wird eine Mischung aus Holz und Glas

Beim dritten verbliebenen und letztlich beschlossenen Entwurf liegt ein gesicherter Bereich in der Mitte, der links und rechts von zwei halboffenen Bereichen flankiert wird. In allen Bereichen stehen Fahrradbügel, es gibt eine Schutzverglasung und ein begrüntes Dach mit Lichtkuppeln. Endgültig sind die Details aber noch nicht, wie Bürgermeister Michael Klinger betonte. Mit dem Beschluss beginne die Umsetzung, erklärte Klinger, der überarbeitete Entwurf soll dann im Ausschuss für Technik und Umwelt präsentiert werden. Dann werde auch klarer, wann was umgesetzt werde.

Statt alter Baracken soll am Gottmadinger Bahnhof künftig ein modernes Fahrradparkhaus mit mindestens 80 Plätzen stehen.
Statt alter Baracken soll am Gottmadinger Bahnhof künftig ein modernes Fahrradparkhaus mit mindestens 80 Plätzen stehen. | Bild: Arndt, Isabelle

Schön, aber wenig sinnvoll: Holzträger könnten zum Schnitzen einladen

Schnell deutlich wurde, dass der zweite Entwurf des Architekturbüros Tafkal zwar schön, aber wenig sinnvoll für Gottmadingen sei: „An der Stelle ist das ein bisschen zu viel gewollt“, befand Bürgermeister Klinger. Denn der eingeschossige Bau mit Holzträgern bot viel Angriffsfläche für Vandalismus, waren sich die Räte einig: „Die Gefahr ist groß, dass einige versuchen werden, zu schnitzen“, sagte Joachim Dutt vom Bauamt auf Nachfrage von Bernd Schöffling (CDU). Für 483 818 Euro hätten 84 Fahrräder und drei Lastenräder einen Platz finden sollen – mit 5561 Euro pro Fahrrad war das gemessen an der Platzzahl der teuerste Entwurf der zweiten Beratungsrunde.

Gemeinde errechnet Preis pro Parkplatz

Dabei machten die unterschiedlichen Preisangaben es den Gemeinderäten im Vorfeld schwer, die Kosten zu vergleichen: Das eine Büro rechnete den Abbruch des bisherigen Unterstands bereits ein, das andere nicht. Das eine kalkulierte mit einer teuren Schließanlage, das andere nicht. Und das eine nannte Brutto-Preise, das andere Netto. Joachim Dutt hat nach der Ausschusssitzung vergangene Woche eine Übersicht erstellt und dabei die Kosten pro Rad berechnet.

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Idee aus Gottmadingen liegt preislich in der Mitte

Das Architekturbüro Siegenführ und Gassner aus Gottmadingen lag preislich in der Mitte: 359 718 Euro sind zwar die niedrigsten Gesamtkosten, doch weil nur 76 Radparkplätze und zwei für Lastenräder geplant waren, macht das 4612 Euro pro Parkplatz. Bürgermeister Klinger erklärte, dass die hiesigen Architekten erstmal mit einem kleinformatigen Radparkhaus den Bedarf abdecken möchten. Falls es mehr Plätze brauche, könne man in der Nähe ein weiteres errichten. Allerdings erklärte er später auch, dass die Höhe der Zuschüsse von der Zahl der untergestellten Räder abhänge.

Rampe ist Kritikpunkt bei zweigeschossigem Entwurf

„Da fehlt mir die Luft nach oben“, sagte Bianca Fleischmann (Freie Wähler) zur Zahl der Fahrradparkplätze und sprach sich deshalb für die Idee aus Aldingen aus. Die sah ein zweigeschossiges Fahrradparkhaus mit 138 Plätzen für Fahrräder sowie drei für Lastenfahrräder vor. Mit 507.277 Euro Gesamtkosten war das das teuerste der verbliebenen Angebote. Doch weil dort mehr Räder untergestellt werden könnten, war der Preis pro Stellplatz mit 3598 am günstigsten. Hier störten sich andere Gemeinderäte aber an der Rampe, die mit 23 Prozent Steigung das Hinaufschieben eines Rads beschwerlich mache.

Bild: Arndt, Isabelle

Luft fehlte wortwörtlich auch Thomas Barth (CDU), der bei dem eingeschossigen Bau des dritten Entwurfs eine Kollisionsgefahr mit Bussen sah: Das Dach, das Wartenden Schutz bieten soll, sei weniger als vier Meter hoch und damit auf ähnlicher Höhe wie ein Bus. Das Dach ein wenig zu erhöhen, sei aber vermutlich kein Problem, sagte Bürgermeister Michael Klinger.

Letztlich stimmten sechs Gemeinderäte für den ersten Entwurf und elf für den dritten, sodass das Architekturbüro Siegenführ und Gassner die weitere Planung übernehmen wird. Ein Gemeindrat enthielt sich.

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