Im letzten Winterhalbjahr wurden im Konzessionsgebiet des Kraftwerks Schaffhausen über 450 Meter verbaute Uferabschnitte renaturiert. "Es wäre undenkbar gewesen, diese Projekte im Rahmen des Kraftwerks-Budgets zu finanzieren", bemerkte der Bauleiter Peter Hunziker, der bei einem Pressegespräch zusammen mit Walter Vogelsanger die einzelnen Umwelt-Fördermaßnahmen erklärte. Mit dabei war auch Stefan Mayer, der bei SH-Power als Bereichsleiter Elektrizität die Verantwortung für den Uferunterhalt von Walter Vogelsanger nach dessen Pensionierung übernehmen wird.

Im Jahr 2003 brachte der Energieversorger SH Power den Clean Solution Ökostrom auf den Markt, von dem ein Mehrwertzuschlag von vier Rappen pro Kilowattstunde in den Ökofonds fließt, aus dem solche Maßnahmen finanziert werden. Bisher wurden auf dem 14 Kilometer langen Rheinabschnitt beidseitig für rund 7,5 Millionen Franken knapp 6,5 Kilometer Hartverbauungen abgebrochen und das Ufer in einen naturnahen Zustand zurückgeführt.

Bauleiter Peter Hunziker erklärt die Aufwertungsmaßnahmen, die er im letzten Winter an den Rheinufern betreut hatte. Die Öffentlichkeit kann sich am Sonntag beim SH Power-Happy Nature Day ein Bild von einzelnen Projekten machen. Bild: Thomas Güntert
Bauleiter Peter Hunziker erklärt die Aufwertungsmaßnahmen, die er im letzten Winter an den Rheinufern betreut hatte. Die Öffentlichkeit kann sich am Sonntag beim SH Power-Happy Nature Day ein Bild von einzelnen Projekten machen. Bild: Thomas Güntert

Der Rhein kühlte sich in den letzten Tagen wieder auf unter 25 Grad ab. Die warmen Temperaturen haben insbesondere den Äschen zugesetzt, für die es kritisch wird, wenn die Wassertemperatur über 26 Grad beträgt. In der letzte Woche sind rund drei Tonnen Fische verendet. Nachdem fast der gesamte Äschenbestand dem heißen Sommer 2003 zum Opfer gefallen war, wurden im Rahmen der Uferrenaturierung spezielle Maßnahmen ergriffen. Die Einmündungen der Bäche wurden vertieft, damit sich die Fische im kühleren Wasser sammeln können. Den Bauern wurde ermöglicht, dass sie das Wasser zum Bewässern direkt aus dem Rhein und nicht aus den kühlen Bächen holen können.

Schutzzonen für Jungfische

Viel Geld wurde in die Laichgebiete investiert. Gegenüber der Gemeinde Gailingen wurde beim Äschenlaichplatz unterhalb St. Katharinental der stark verdichtete Rheingrund auf einer Fläche von rund einem Hektar mit einem Schreitbagger aufgelockert und mit einer 20 Zentimeter dicken Kiesschicht überdeckt, damit die Fische wieder Laichgruben schaffen können. Zudem werden immer wieder strömungsberuhigende Kiesufer und natürliche Strukturen wie alte Baumwurzeln angelegt, auf die insbesondere Jungfische in den ersten Lebenswochen angewiesen sind, damit sie nicht fortgeschwemmt werden.

"Seit Freitag kommen keine toten Fische mehr", betonte Walter Vogelsanger, der der Äsche bei dem Klimawandel langfristig allerdings wenig Chancen gibt. Peter Hunziker bemerkte, dass bereits im Jahr 2012 unterhalb des Büsinger Ortskerns die Hartverbauungen am Ufer auf einer Länge von 65 Meter abgebrochen und wiederverwertet wurden. Auf Initiative eines Grundeigentümers konnten im letzten Winter weitere 75 Meter realisiert werden. Während der Planungsarbeiten hat allerdings ein Biber auf dem Projektareal unter einem Wurzelstock einen Bau angelegt. Zusammen mit Bettina Sättele, der Biberbeauftragten des Regierungsbezirks Freiburg, konnte eine Lösung gefunden werden, damit der geschützte Nager nicht in seiner Winterruhe gestört wurde und geblieben ist.

Flachufer und natürliche Strukturen wie hier reduzieren die Strömung, worauf insbesondere Jungfische angewiesen sind. Bild: Thomas Güntert
Flachufer und natürliche Strukturen wie hier reduzieren die Strömung, worauf insbesondere Jungfische angewiesen sind. Bild: Thomas Güntert

"Wir machen nichts gegen den Willen des Grundstückeigentümers", betonte Walter Vogelsanger. Er bemerkte, dass die Grundstücke der Eigentümer durch den direkten Zugang zum Rhein zumeist aufgewertet werden, obwohl einige Quadratmeter Land abgeben werden müssen. Hunziker erwähnte, dass die Grundeigentümer mittlerweile auf ihn zukommen und dass er zu Beginn der Renaturierungsmaßnahmen die meiste Zeit dafür investierte, die Leute von den Projekten zu überzeugen. Nachdem von 2014 bis 2016 unterhalb der Gemeinde Gailingen im Gebiet Kohler bereits über 200 Meter Ufer renaturiert werden konnten, kamen im vergangenen Winter auch dort zwei weitere Abschnitte dazu. Dabei wurden über 100 Meter Uferverbauungen, Mauern und Blocksätze abgebrochen und Kiesflachufer mit der maximalen Neigung von eins zu fünf erstellt, damit die Wellenschläge der Kursschiffe keine Erosionen verursachen. Zudem wurde landseitig eine kleine Bucht als Kinderstube für Jungfische angelegt und neue Bepflanzungen an steilen Abschnitten getestet.

Wenn die Genehmigung bis zum kommenden Winter erfolgt, sollen unterhalb Gailingen von nochmals 100 Laufmeter Hartverbauungen entfernt werden. Am kommenden Sonntag ist der SH Power-Happy Nature Day, bei dem bei einer Exkursion vom Petri-Parkplatz bis zur Badi Langwiesen einzelne Projekte besichtigt werden können. "Es haben sich bereits 200 Personen angemeldet", bemerkte Walter Vogelsanger.