Schon am Eingang zum Probelokal des Musikvereins Horn-Gundholzen hängt das Regelwerk für die Eindämmung der Corona-Pandemie, bildlich dargestellt in zehn Piktogrammen. In den Räumen des Vereins ist das Plakat gleich in mehrfacher Ausfertigung und an jeder Ecke sichtbar. Und damit sich das Hygiene-Konzept jedem Musiker nachhaltig einprägen konnte, wurden die Piktogramme während der ersten beiden Musikproben mit einem Beamer auf zweieinhalb Quadratmeter Fläche an die Wand geworfen.

Hygiene scheint neben der Orchesterblasmusik im Musikverein Horn-Gundholzen offensichtlich groß geschrieben und weniger zufällig zu sein. Denn der Vereinsvorsitzende Mathias Breyer übt auch im Beruf eine Funktion im Arbeitsschutz aus. Das vor wenigen Jahren gebaute Probelokal scheint ideal für das anspruchsvolle Hygiene-Konzept des Bundesverbands zu sein, das auch eine gute Belüftung der Räume vorsieht: 22 Fenster hat das Probelokal. Und keine Nachbarn, die sich bei geöffneten Fenstern von den Proben gestört fühlen könnten.

Bis zu 37 Musiker dürfen im Proberaum sein

Wer hätte je gedacht, dass es sinnvoll sei, wenn nicht alle Musiker bei Proben gleichzeitig anwesend sind. Nach Maßgaben des Bundesverbandes können sich 37 Musiker inklusive Schlagwerk im Raum aufhalten, rechnet Mathias Breyer vor. Dabei berücksichtigt er auch mit einem eigenen Quotienten die Maßgaben der Wege und Abstände der Stühle voneinander. Anwesend seien 28 Musiker.

Durch beste Voraussetzungen im Vereinsheim konnten die Proben früh aufgenommen werden, nachdem Mathias Breyer das Konzept dem Bürgermeister vorgelegt hatte. „Die erste Probe war für die Musiker erleichternd“, erzählt der Vorsitzende: Jeder habe darauf gewartet wieder Musik machen zu dürfen. Dabei scharrt er mit beiden Händen auf dem Tisch wie ein Pferd mit seinen Hufen vor einem Rennen. Jeder habe die Proben erwartet, weil den Musikern ein Stück Lebensmittelpunkt fehlte. Das verstehe jeder, der ein Hobby pflege, ist Mathias Breyer überzeugt.

Querflöte hat einen hohen Risikofaktor

Neben den großen Veranstaltungen rangieren das Musizieren im Chor und die Blasmusik unter den ersten Plätzen als potenzielle Infektionsherde in der Corona-Pandemie. Bisher sei jedoch keine Blasmusik-Veranstaltung als Herd ausgemacht worden, erläutert Breyer: Das liege daran, dass insgesamt nur wenige Feiern und Proben zwischen Aschermittwoch und Ostern stattgefunden hätten, die Zeit, in der der Lockdown behördlich angeordnet wurde.

Bei Studien über die Blasmusik wurde die Querflöte als für Zuhörer potenziell infektionsreiches Instrument ausgemacht, da die Flötisten über die Mundöffnung hinweg blasen, erläutert Mathias Breyer: Die anderen Musiker spielten im Gegensatz dazu in das Blech hinein, wobei sich Kondensflüssigkeit im Instrument absetzt und durch eine Klappe entsorgt werden kann. Hierfür liegen eigens Blumentopfuntersetzer für die Musiker bereit, die nach dem Proben geleert und in der Spülmaschine gereinigt werden. Dieses Verfahren sei schon von je her Standard bei den Proben.

Wichtige Anlässe wurden Opfer der Corona-Pandemie

Dem Musikverein Horn-Gundholzen sind während der Pandemie viele Auftritte und Feste entgangen, die ihn für gewöhnlich finanziell gut durch das Jahr bringen. Vom Maibaumstellen am Schulhof in Horn, dem musikalischen Dämmerschoppen „Turm in Flammen“ mit Blick über den Untersee am Horner Wasserturm bis hin zum Johannifest der Gemeinde, das vom kleinen Frühschoppen zu einem zweitägigen Event anwuchs, wurde vieles zu Opfern der Pandemie.

Der Verein lebt aktuell von den Reserven. Der Proberaum am Horner Sportgelände steht dem Verein kostenfrei zur Verfügung, lediglich die Nebenkosten habe er zu tragen. Der Dirigent des Musikvereins, Mark Bosch, spendete während der akuten Krisenzeit sein Honorar dem Verein. Die größten Fixkosten seien die Abgaben an den Verband, die sich laut Mathias Breyer an der Anzahl der Mitglieder orientierten. Der Verband betreue eine eigene Musikakademie mit eigenem Kostenplan.

Bürger wollen den Musikverein wieder hören

Breyer möchte die Investitionen für die kommenden Jahre niedrig halten, gleichzeitig hofft er, dass ein Leben mit dem Coronavirus weitergehen kann. Der Vorsitzende bedauert das Fehlen und Wirken des Vereins nach außen. Bürger fragten bereits nach Auftritten. Man probe dahingehend, dass die geplanten Auftritte noch stattfinden können.