Gaienhofen Fünf Sterne Menschlichkeit für das Hotel Seehörnle

Eine TV-Sendung porträtiert das integrativ arbeitende Restaurant und Hotel auf der Höri. Ausgestrahlt wird sie am Sonntag, 16. Juli, um 9.03 Uhr im ZDF.

Arbeit für Menschen mit einem Handicap und im direkten Kundenkontakt – das klingt für viele Unternehmer unvorstellbar. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) war zu Gast im Hotel Seehörnle und berichtet am morgigen Sonntag in einer Dokumentation über das integrativ arbeitende Hotel mit daran angeschlossenem Restaurant. Im Seehörnle arbeiten zwölf Menschen mit einer Behinderung. Wie jeder andere gastronomische Betrieb muss sich auch das Seehörnle auf dem Markt beweisen.

Geschäftsführer Andreas Ehret kennt die Ansprüche der Gäste: "Der Kunde will gutes Essen und eine gute Übernachtung. Er gibt keinen Behindertenbonus." Seine Mitarbeiter müssen den normalen Ablauf eines herkömmlichen gastronomischen Betriebes mit Hotel gewährleisten. Der Betrieb schreibt schwarze Zahlen und ist mit drei Sternen zertifiziert. Wie ist es in einem Hotel, das inklusiv arbeitet? Und wie kann es wirtschaftlich arbeiten und so, dass Gäste zufrieden sind? Damit beschäftigt sich die TV-Dokumentation.

Die ZDF-Redakteurinnen Isabel Löchte und Rita Döbbe begreifen das Hotel als einen überschaubaren Mikrokosmos und sehen bei ihren Dreharbeiten eine große Zufriedenheit – auch auf Seiten der Mitarbeiter. Gäste könnten intergrative Arbeitskräfte in ihrem beruflichen Alltag beobachten. Ebenso würden Angehörige von Menschen mit einem Handicap die Atmosphäre des Hotels mögen, in der die Behinderung ihres Ehepartners oder Kindes nichts Besonderes sei. Das TV-Magazin "sonntags" versteht sich als ein Wertemagazin. Zu dessen Auftrag gehöre es, Themen zu finden, bei denen Menschen konstruktiv mit Gegebenheiten umgehen, erläutert Isabel Löchte das Konzept der Sendung.

Ihr Kamerateam porträtiert einen Kellner mit Handicap, begleitet das Küchenteam auf eine Einkaufstour und zeigt Urlauber im Seehörnle. Ein wichtiger Bestandteil des Umgangs sei die Anerkennung des Anderen, so Redakteurin Rita Döbbe.

Andrea Ballschuh ist die Frontfrau, das Gesicht des TV-Magazins. Sie präsentiert das, was die Redakteure vorbereitet haben. Menschen mit einem Handicap sind ihr persönlich bekannt. Als Aupair-Mädchen betreute sie ein schwer geistig und körperlich behindertes Kind. Während der einjährigen Begleitung erlebte sie hautnah die Fortschritte therapeutischer Hilfen. Kurz vor Drehbeginn konnte sich die Moderatorin nur schwer vorstellen, wie ein Hotelbetrieb mit Behinderten funktionieren soll, obwohl sie positive Erfahrungen gesammelt hatte. Sie lernte im Seehörnle Kellner mit Handicaps kennen, von denen sich herkömmliche Kellner eine Scheibe abschneiden könnten – so ihr spontaner Eindruck.

Ballschuh zeigt sich einerseits fasziniert, dass Menschen mit einem Handicap am Kunden direkt mitarbeiten. Sie ist auch von der Herzlichkeit des Küchenchefs angerührt, der seine Wertschätzung den Mitarbeitern unmittelbar zeigt. Da könne man viel lernen, so die Moderatorin: Die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung würde den Betrieb entschleunigen, ebenso sei die Atmosphäre ruhiger. Andrea Ballschuh zieht ein Fazit: Wenn man vom Leistungsprinzip loslässt, brächten Menschen automatisch mehr Leistung. Das Hotel würde beweisen, dass man keinen Leistungsdruck aufbauen muss, um erfolgreich zu sein. Es funktioniere, schreibe schwarze Zahlen und sei ein Erfolgsrezept, das andere Unternehmen übernehmen könnten.

Neben der Bewirtschaftung des Hotels und im Kundenservice arbeiten vier weitere Menschen mit einem Handicap in der Küche. Ludger Ferber-Thiel ist Küchenchef. Der gelernte Koch ist Fachwirt im Gastgewerbe. Als integrativer Betrieb würde das Seehörnle besonders beäugt werden. Seine Hauptmitarbeiter sind vom Naturell her sozial gefestigt und schaffen ein angenehmes Betriebsklima für Menschen mit Behinderung. Die Schichtführer im Hotel schauen täglich nach der Befindlichkeit der behinderten Mitarbeiter und überlegen sich, wie sie motiviert, gefördert und gefordert werden können. Täglich pendelt der Küchenchef seinen Anspruch mit dem Vermögen seiner Mitarbeiter neu aus. Er schafft ein Umfeld, bei dem es gelingt, 120 Gäste gleichzeitig zu bewirten. "Anschreien nützt nichts", macht Ferber-Thiel die Erfahrung in Situationen größten Drucks. Die Arbeit mit Behinderten habe den Betrieb und ihn selbst entschleunigt – ohne dabei die Qualität der Dienstleistungen zu vermindern.

Die ZDF-Sendung "Fünf Sterne Menschlichkeit" wird in der Reihe "sonntags – TV fürs Leben" am kommenden Sonntag, 16. Juli, um 9.03 Uhr ausgestrahlt

 

Das Seehörnle

Es ist ein integratives Hotel mit angeschlossener Gastronomie auf der Halbinsel Höri. Es verfügt 31 Zimmer und bewirtet bei Tagungen 80 Menschen gleichzeitig im Restaurant. 30 Menschen finden im Seehörnle ihren Arbeitsplatz, zwölf von ihnen haben eine Behinderung. Das Seehörnle ist ein Integrationsbetrieb der Caritas Konstanz. Als GmbH führt deren Vorstand die Geschäfte des Hotels. Das Seehörnle wurde 2009 als eine Tochtergesellschaft von der Caritas Konstanz übernommen.

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