Seit mindestens 5000 Jahren werden Erbsen bei uns gegessen. Jahrtausendelang gehörten sie zu den Grundnahrungsmitteln, das belegen archäologische Funde bei Ausgrabungen. Gemäß ihrem poetisch klingenden Familiennamen sind sie Schmetterlingsblütler, zu deren weit verzweigter Verwandtschaft auch die bunten, duftenden Wicken am Zaun und die Erdnüsse gehören. Die Wanderwege der Erbse sind seltsam und führen über die halbe Erde bis in unsere Gärten. Und in einem bekannten Märchen spielt die Erbse eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die süße frische Gemüseerbse; eine solche hätte auch der empfindlichsten Prinzessin unter ihren zwölf Matratzen und Daunendecken nicht zu schaffen gemacht. Gemeint sind vielmehr die voll ausgereiften, hart getrockneten Samen der Erbsenschote.

Unsere Gartenerbse stammt von der Ackererbse ab. Ihr Lebensweg zur feineren Form ist verschlungen. Man darf vermuten, dass sie im nördlichen Italien in Zucht genommen wurde, aber erst die Holländer und die Franzosen haben sie zu ihrer heutigen Vollkommenheit entwickelt. Die wahre Leidenschaft der Franzosen blühte auf, als Catharina de Medici für ihren zukünftigen Gemahl Heinrich II. feine in Italien gezüchtete Erbsensorten ins Land brachte. Diese kleinen zarten, delikaten und aromatischen Erbsen „piselli novelli“ machten sich bald bei den Feinschmeckern der Welt unter ihrem französischen Namen „petits pois“ unentbehrlich.

Erbsenfelder im Park des Louvre

Am Hofe Ludwigs XIV. wurde es zur Manie, grüne Erbsen zu verspeisen. Der Sonnenkönig brachte die frischen, im Stadium der sogenannten Milchreife gepflückten grünen Erbsen in Mode. Er muss ein so begeisterter Erbsen-Fan gewesen sein, dass er einen Teil der Louvre-Parks umpflügen und in Erbsenfelder verwandeln ließ. Und ihm tat es natürlich die feine französische Gesellschaft nach. Ein oft zitierter Brief der Madame de Maintenon lässt diese Vermutung zu: „Die grünen Erbsen bilden fortwährend den Hauptgegenstand aller Unterhaltungen; es gibt Damen, die, nachdem sie an der königlichen Tafel reichlich zu Abend gespeist haben, zu Hause vor dem Schlafengehen noch eine Schüssel grüne Erbsen verzehren, auf das Risiko, sich den Magen gründlich zu verderben. Es ist aber einmal so Mode: Alle Welt ist wie toll darauf.“

Frisch schmecken Erbsen nochmal besser

Erbsen sind das eiweißreichste Gemüse: in 100 Gramm Erbsenkörnern stecken etwa 6,9 Gramm. Außerdem enthalten sie 14 Gramm Kohlenhydrate, bei jungen Erbsen zum größten Teil in Form von Zucker. Frisch in der Schote gibt es Erbsen bei uns nur noch selten zu kaufen. Die meisten Erbsen, die hierzulande verzehrt werden, kommen aus Dosen oder Gläsern oder aus der Tiefkühltruhe. Doch sollte man die Saison – Mai bis August – gelegentlich nutzen, um den unvergleichlichen Geschmack der süßen Markerbsen kennenzulernen. Nach der Saison können alle einschlägigen Rezepte mit tiefgefrorenen Erbsen zubereitet werden, denn auch diese schmecken angenehm.