Eigentlich ging es um einen Zuschussantrag für eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur der Seegemeinde. Erfolgsschancen unklar. Im Gemeinderat entbrannte jedoch eine lange Diskussion darüber, inwieweit das schon ein Beschluss zur Umsetzung wäre und wie sinnvoll was ist.

Das Problem: Die Infrastruktur von Bodman-Ludwigshafen war im Sommer bei so vielen Besuchern überfordert. „Sie war schon vorher ausgereizt, jetzt hält sie nicht mehr Stand“, sagte Bürgermeister Matthias Weckbach in der jüngsten Ratssitzung. Das werde bald durch den Wegfall des Auffangparkplatzes in Bodman durch den Bau des Penny-Markts verschärft.

Das Ziel und die mögliche Lösung

Der Verkehr soll weitgehend aus beiden Ortsteilen herausgehalten und besser gelenkt werden, so Weckbach. Über einen Zuschussantrag für die Förderung von Tourismuseinrichtungen beim Land könnte die Gemeinde Gelder für die Umsetzung einen umfassenden Konzept erhalten. Der Antrag umfasst ein Multifunktionsgebäudes mit Fahrradboxen, SB-Fahrradwerkstatt, Akku-Ladestation, SB-Touristinformation, Infoterminal, WLAN-Hotspot und Toiletten auf dem Weilerkapellen-Parkplatz.

Zudem geht es um die Erweiterung des Parkplatzes (125 Stellplätze), ein Parkleitsystem, Parkraum für Wohnmobile und Fahrräder, elektronische Parkraumüberwachung und ein Mobilitäts-Knotenpunkt (Hub) für den Umstieg auf den ÖPNV zum Transfer in die Ortsmitte von Bodman.

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Mit dem System Peter Park soll außerdem genaues und verlässliches Zahlen beim Parken möglich sein: Die Kennzeichen werden erfasst und wer nicht die Parkster-App oder einen Parkschein unter Angabe des Kennzeichens am Automat löst, erhält das Knöllchen per Post. Das würde beim Ordnungsamt Kapazität einsparen, die dann in Wohngebieten eingesetzt werden könnte, was schon viel gefordert wurde, so Weckbach. Es wäre auch eine Verschaltung mit der Parkanzeige in einem Parkleitsystem möglich.

Ein Aspekt sei auch die bald beginnende Umgestaltung der Weilerkapellen-Kreuzung, so dass diese von Besuchern mehr als Ortsbeginn angesehen werde. Hinzu käme, dass ein Teil der Straße „Im Weiler“ zwischen Kreisverkehr und Kapelle zur unechten Einbahnstraße werden solle. Alle, die in den Ort wollen, müssten über die Kaiserpfalzstraße und automatisch am Weilerkapellen-Parkplatz vorbei.

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Es stehen zudem Modelle im Raum, wie mit vier Mal in der Stunde fahrenden Bussen Besucher vom Weilerkapellen-Parkplatz in den Ort transportiert werden können. Caroline Schlatterer von der Touristinformation erklärte dazu die Fahrpreisvarianten, zum Beispiel einen Euro pro Fahrt. Die Gemeinde würde den Rest tragen. Eine andere Option wäre, dass Besucher kostenlos in den Bus steigen, aber die Fahrtkosten bereits in den Parkgebühren verrechnet wären. Sie fügte hinzu, dass es schön wäre, wenn auch die Einheimischen diese Busse nutzen könnten.

Kosten und mögliche Zuschüsse

Die Umsetzung aller vorgestellten Maßnahmen würde rund zwei Millionen Euro kosten: Für Grunderwerb, Ausbau und das System Peter Park rund 1,34 Millionen Euro und Baukosten des Mobilitätsknotens mit E-Ladeplätzen kosten rund 660.000 Euro.

Die Finanzierung würde sich so zusammensetzen: Verkauf des Kaiser-Grundstücks für 500.000 Euro, Verkauf des Grundstücks mit Hang hinter der Volksbank für 540.000 Euro, Zuschüsse in Höhe von etwa 250.000 Euro und 710.000 Euro Eigenmittel der Gemeinde. Alessandro Ribaudo (CDU) warf ein, dass die Eigenmittel eigentlich höher wären, da auch die Grundstücke dazu gehören würden.

Diskussion im Rat und Kritik

Christian Pichler (CDU) hatte Bedenken, weil die Gemeinde einige große Vorhaben wie den Neubau den Kindergartens St. Michael in Bodman hat. Er erinnerte daran, dass die Gemeinde es schaffe, pro Jahr etwa sechs Millionen Euro in Bauprojekten zu realisieren. Mit dem Verkehrs-Hub und allem, was dazu gehört, wäre schon ein Drittel davon belegt, rechnete er vor. Weckbach bat die Räte, die Beträge nicht zu starr zu sehen, da zum Beispiel für den Kindergarten bis Ende 2021 noch keine zwei Millionen Euro ausgegeben werden würden.

Dietmar Specht (CDU) verwies auf den Parkplatz hinter der Volksbank, da dieser aufgelöst und das gemeindeeigene Grundstück verkauft werden soll. Zum Plan, den Erlös für die Vergrößerung des Weilerkapellen-Parkplatzes zu nutzen, sagte er: „26 Parkplätze gegen 125 zum selben Preis sind ein super Geschäft, wenn wir es so hinkriegen.“

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Michael Koch (CDU) erinnerte alle daran, dass an den Wochenenden der Parkplatz des künftigen Penny-Markts zur Verfügung stehen würde. Er fragte sich daher, ob der Weilerkapellenparkplatz dann erweitert werden müsse. Auch Alwin Honstetter (CDU) hatte Zweifel, ob sich die Kosten der Parkplatzerweiterung für den Nutzen lohnen würden. Weckbach sagte dazu, dass dies auf jeden Fall irgendwann gebraucht würde. Wenn die Gemeinde den Zuschuss erhalte, sollte sie damit bauen, so Weckbach. Der Antrag sei nur jetzt möglich.

Bedenken wegen Einbahnregelung

Die Pläne für eine Einbahnregelung in der Straße „Im Weiler“, damit alle Verkehrsteilnehmer automatisch zum Weilerkapellen-Parkplatz geleitet werden, brachten bekannte Argumente auf: Zum Beispiel dass weniger Frequenz an den Obstläden wäre. Sonja Hildebrand und Petra Haberstroh (beide Freie Wähler) gaben Hinweise von Anwohner weiter oder brachten eigene Anmerkungen ein. Weckbach betonte jedoch: „Ich glaube nicht, dass es anders funktioniert.“

Auf Kritik von Petra Haberstroh, dass es momentan am Kreisverkehr keinen Hinweis auf den Weilerkapellen-Parkplatz gebe, erklärte Hauptamtsleiter Stefan Burger, dass dort wegen der Kreisstraße nicht mehr als ein P auf dem Schild erlaubt sei.

Weckbach stellte noch mithilfe einer Präsentation der Touristinformation dar, welche „gigantische Wertschöpfung“ die Gemeinde aus dem Tourismus habe: „Wir sind eine Tourismusgemeinde. Der Tourismus kommt – ob wir ihn wollen oder nicht.“ Deshalb seien diese Maßnahmen notwendig.

Verwirrung und Entscheidung

Allgemein herrschte bei mehreren Ratsmitgliedern wiederholt Verwirrung, ob es bei der Entscheidung nur um den Zuschussantrag oder bereits die darin aufgelisteten Maßnahmen geht. Laut Weckbach war es der Antrag. Doch mit der Zustimmung bekunde der Rat gleichzeitig den Willen, die Umsetzung zu verfolgen. Angeregte Details wie ein Wohnmobilstellplatz könnten später besprochen und beschlossen werden. Die Mehrheit stimmte mit Ja.

So sieht der Zeitplan aus

Der Zuschussantrag läuft. Weckbach rechnet mit einer Bewilligung im März oder April 2021. Maßnahmen könnten dann über das Jahr hinweg oder 2022 umgesetzt werden, sagte er. Die Planung des Multifunktionsgebäudes soll schnell beginnen. Weckbach ergänzte noch, dass nicht klar sei, ob es wirklich alle Zuschüsse oder weniger geben werde.

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