Wie viel Tourismus verträgt die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen? Wie viele Tagestouristen wollen die Bürger haben oder ertragen? Ist es schon längst zu viel? Der Unmut, der im Sommer immer wieder laut geworden ist, hatte jüngst im Touristikausschuss einen großen Nachhall.

Michael Koch (CDU) sprach den Tagestourismus an, wie schlecht die Stimmung sei und dass die Akzeptanz der Einheimischen für den Tourismus ganz wegfallen könnte, wenn sich nichts ändert: „Viele schimpfen über den Tourismus. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch mehr Tagesgäste locken, beziehungsweise sie besser lenken.“

Im Frühling hatte Bodman-Ludwigshafen wie hier beim Zollhaus die Uferbereiche aufgrund des Infektionsschutzes an mehreren Wochenenden gesperrt.
Im Frühling hatte Bodman-Ludwigshafen wie hier beim Zollhaus die Uferbereiche aufgrund des Infektionsschutzes an mehreren Wochenenden gesperrt. | Bild: Löffler, Ramona

Der Grund: Die Situation mit unzähligen Tagestouristen in diesem Jahr nach dem Lockdown, dadurch überfüllten Seeufern und ebenso überfüllten Parkplätzen. „Wir sind dieses Jahr überrannt worden. Das war früher auch schon so“, sagte Koch. „Die Frage ist, wie viel wir verkraften und wie viel Werbung überhaupt nötig ist.“ Koch erlebt die Besucherströme nicht nur als Einwohner selbst mit, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Bodman-Ludwigshafen oder beruflich mit seinem Hofladen.

Auch andere Ausschuss-Mitglieder sahen das Problem mit den Besuchermassen im zurückliegenden Sommer. Sie rechneten auch hinzu, welchen Eindruck der voll belegte Campingplatz Schachenhorn in dieser Saison gemacht habe, auch wenn dort alles im Rahmen der Corona-Verordnung abgelaufen sei.

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Kritik der Einwohner im Internet

Das Problem kam in der Ausschuss-Sitzung nicht zum ersten Mal zur Sprache. Die extreme Anzahl an Tagestouristen in beiden Ortsteilen war immer wieder Thema in den Gemeinderatssitzungen in den vergangenen Monaten. Im Internet zeigte sich zum Beispiel in der Face­book-Gruppe „Unser Bodman“ regelmäßig die Verärgerung der Einwohner über verschiedene Situationen am Ufer, die Einschränkungen in den Strandbädern und mehr.

Kritik der Bewohner gab es unter anderem dazu, wo die Familien hin sollen, wenn schon alles voll ist oder wenn etwas gesperrt ist. Eine Frau schrieb zum Beispiel: „Sonntags geh ich schon aus Prinzip nicht an den See wegen den Touristen.“ Auch andere Kommentare zeigten klar, dass die Einheimischen sich zurückziehen, weil so viele Tagestouristen kommen, und, dass Unverständnis über den Parksuchverkehr bis in die kleinen Straßen ganz hinten in Bodman herrscht.

Der Campingplatz Schachenhorn war dieses Jahr sehr gefragt. Es kamen verschiedene Beschwerden auf, doch alle Corona-Vorschriften wurden eingehalten.
Der Campingplatz Schachenhorn war dieses Jahr sehr gefragt. Es kamen verschiedene Beschwerden auf, doch alle Corona-Vorschriften wurden eingehalten. | Bild: Claudia Ladwig

Diese Punkte war bekannt. Nur dass es über den Sommer sehr viele Beschwerden und schlechte Bewertungen für den Campingplatz gab, stand in der Sitzung erstmals so deutlich im Raum und wurde stark diskutiert. Sandra Domogalla, die Leiterin der Touristinformation, sagte, das seien zum Teil auch subjektive Bewertungen. Es seien Gespräche dazu mit dem Campingplatz-Betreiber und dem Verpächter geführt worden. Bürgermeister Matthias Weckbach betonte: „Es wird immer wieder kontrolliert. Mehr können wir nicht machen, wenn sich alles im rechtlichen Rahmen bewegt.“ Dietmar Specht (CDU) ergänzte, dass die Campingplätze überall ausgebucht gewesen seien: „Ich glaube, die Nachfrage wird steigen.“

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Der Verkehr soll aus Bodman raus

Weckbach war sich der Wichtigkeit der Themen bewusst, erinnerte aber auch daran, dass die Stärken der Gemeinde die verkehrsgünstige Lage und der begehrte Naturraum seien. Er sagte, dass ein Antrag beim Tourismusförderprogramm laufe, der am Dienstag, 20. Oktober, Thema in der Gemeinderatssitzung sein werde. Es gehe um einen Verkehrs-Hub, also Knotenpunkt, am Weilerkapellen-Parkplatz in Bodman.

Der Parkplatz solle vergrößert werden und es sollen verschiedene Dinge gebündelt werden: Parken, Bushaltestelle, Tourismus-Informationspunkt und Toilettenanlage. Auch ein Parkleitsystem und mehr sind vorgesehen. Bisher ist dort nur Parken möglich und die Bushaltestellen sind ein paar Schritte weiter. Es solle dann möglich sein, mit dem öffentlichen Nahverkehr gut in den Ort rein und wieder hinaus zu kommen, so Weckbach.

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„Wir müssen versuchen, dass der Verkehr aus dem Ort draußen bleibt“, wiederholte er, was er auch immer wieder im Gemeinderat sagt. Eine Lösung zu finden sei schon lange sein Bestreben und auch das des Gemeinderats. Weckbach fügte außerdem hinzu: „Wir können etwas ändern, müssen aber strikter sein.“ Nach einer Vorberatung solle alles öffentlich im Gemeinderat diskutiert werden. „Es ist wichtig, dass wir das verändern, was wir verändern können“, so Weckbach.

Dietmar Specht stimmte sofort zu: „Wir müssen das unbedingt anpacken. Es ist bereits fünf nach zwölf. Wir müssen anders lenken, was auf uns hereinbricht.“

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