Wenn reife Herrschaften ungeachtet ihrer Bandscheiben aus den Kirchenbänken hochschießen und zusammen mit anderen berührten Zuhörern strahlend applaudieren, dann haben die Interpreten ihr Publikum erreicht.

Renaissance bis Moderne

Dem in seiner Besetzung ungewöhnlichen Duo Christoph Theinert (Cello) und Rudi Hartmann (Akkordeon) ist das am Samstagabend in der Bodmaner Pfarrkirche Sankt Peter und Paul gelungen.

Musik von der Renaissance über den Frühbarock bis zur Moderne stand auf dem mit Fingerspitzengefühl konzipierten Programm, das mit „Ushuaia Diary“ auch eine Eigenkomposition von Christoph Theinert enthielt. Das Stück für Solo-Cello beschreibt als mitten ins Herz zielendes, reich nuanciertes, Klangwunder in psychedelischer Manier eine Szene aus Feuerland mit Blick auf die Antarktis.

Ein harmonisches Team

Froh gestimmte, sakrale Klänge aus der Feder eines englischen Anonymus hatten das ebenso spannend wie berührend schön gestaltete Programm eröffnet. „Komponiert hat es wahrscheinlich Heinrich VIII, der mit den vielen geköpften Frauen“ erläuterte der mit werkdienlichen Erläuterungen moderierende Akkordeonist Rudi Hartmann, der mit dem Cellisten Christoph Theinert ein harmonisch zusammenwirkendes Team bildete.

Eine muntere Tarantella, die ein quirliges Jahrmarkttreiben in die Akustik des Bodmaner Kirchleins zauberte, führte zu bekannten und beliebten Salonstücken aus viktorianischer Zeit. Konnte hier das beweglich geführte Akkordeon schon ein wenig herzerweichend schluchzen wie ein argentinisches Bandoneon, so war dieser Eindruck bei Piazolla im Solo vollendet.

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Ein genial gespieltes, brillierend rhythmisiertes Vergnügen mit Gänsehaut-Momenten bescherten Akkordeon und Cello in inniger Verschmelzung mit Piazollas Milonga. Vor einem abschließenden Abendlied verzauberte eine heitere Zugabe, mit der sich der Kreis vom Anfang schloss, als es in der Musik noch keinen Taktstrich gab.

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