Bauteil um Bauteil wuchs am Mittwoch ein großer Ponton im Bodmaner Hafen. Ein Autokran der Stockacher Firma Moll hob die Stücke auf den See. Die Mitarbeiter der Bohrgesellschaft Roßla mbH aus Berga (Sachsen-Anhalt) befestigten diese aneinander. Auch ein 14 Tonnen schwerer Bohrer fand seinen Platz auf der Plattform. Der Kranfahrer ließ ihn ganz vorsichtig hinab.

Aber wofür ist das überhaupt? In den kommenden Wochen und Monaten finden bei Ludwigshafen und Sipplingen Bohrungen für die Bodenseewasserversorgung (BWV) statt. Genauer gesagt: Erkundungsbohrungen für das Projekt Zukunftsquelle. Ein Boot wird die zusammengebaute Bohrplattform noch an die entsprechende Stelle in der Nähe des Ludwigshafener Strandbads ziehen, wo sie dann verankert wird, ehe die eigentlichen Arbeiten losgehen.

Bild: Schönlein, Ute

Der Bohrer wiegt rund 14 Tonnen

Trotz Einwasserung am Mittwoch wartet die Firma noch auf die Bohrgenehmigung, wie Gunter Kühne, der technische Leiter, vor Ort sagte. Er rechnet in den kommenden Tagen damit. Kühne erläuterte zur Bohrplattform und der Maßnahme, das Floß setze sich aus zehn Pontonteilen zusammen. Das gesamte Konstrukt, auf dem der 14 Tonnen schwere Bohrer, ein Container und eine Toilette sowie Werkzeuge Platz finden, werde per Schubboot, das zwei Schrauben und 250 PS habe, an den Einsatzort geschleppt.

Mit Seilen und vier Ankern werde die Plattform dann fixiert. Dabei könne es per GPS-Koordinaten ganz genau positioniert werden. Für die Bohrung in Wassertiefen von bis zu 70 Metern werde später vom Ponton bis auf den Seegrund ein Rohr verlaufen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sorge um Einschränkungen für die Schifffahrt

Im Gemeinderat von Bodman-Ludwigshafen ging es erst am Dienstag, dem Vorabend dieser Arbeiten, um eine Stellungnahme zu der Maßnahme. Bürgermeister Matthias Weckbach erläuterte den Bereich der Bohrungen, die im Pfaffental liegen. Das ist auf dem See in der Nähe des Strandbads Ludwigshafen auf Höhe des Bahnwärterhäuschens. Diese Bohrungen würden bis Mitte Mai laufen, was Einschränkungen für die Schifffahrt mit sich bringe. Es werde zudem weitere Bohrungen an Land und auf dem See bei Sipplingen im Bereich Süßenmühle geben. Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen habe das Einwassern am Bodmaner Hafen zügig ermöglicht.

Laut den Informationen zum Projekt Zukunftsquelle in den Sitzungsunterlagen sind im Pfaffental sechs Bohrungen vorgesehen, die vom Seegrund aus maximal 40 Meter tief gehen sollen. Im Bereich Süßmühle bei Sipplingen werde es zwölf Bohrungen mit maximal 60 Metern Tiefe geben.

An den Kranseilen hängt ein Bauteil, das wie ein Stift zwischen die Pontonteile kommt, um diese zu stabilisieren.
An den Kranseilen hängt ein Bauteil, das wie ein Stift zwischen die Pontonteile kommt, um diese zu stabilisieren. | Bild: Löffler, Ramona

Gespräche mit Landratsamt stehen noch an

Weckbach wies aufgrund der Schutzzonen auf dem Wasser auf die Zuständigkeiten hin: Das Landratsamt Bodenseekreis sei dafür zuständig, obwohl sich der Bohrbereich im Landkreis Konstanz befinde. Da liege daran, dass die Bodenseewasserversorgung im Nachbarkreis angesiedelt sei. Die Gemeinde wolle mit dem Landratsamt über die Schwierigkeiten durch die Schutzzonen für die Schifffahrt sprechen.

Petra Haberstroh (Freie Wähler) befürchtete nur eine Verlagerung von Freizeitbooten an das Naturschutzgebiet Hangen, wenn das Ankern im Bohrbereich nicht erlaubt sei. Der Gemeinderat erteilte dennoch einstimmig das Einvernehmen zu den Erkundungsbohrungen. Dieser Beschluss beinhaltet auch den Auftrag an die Verwaltung, „in Gesprächen mit der BWV und den zuständigen Behörden hinsichtlich der Schutzzonen auf möglichst geringe Einschränkungen für die gewerbliche und die Freizeitschifffahrt hinzuwirken“.

Gunter Kühne freut sich über die Unterstützung durch die Beteiligten und die Bereitschaft für das Projekt. Es sei ein wichtiges Projekt für die Allgemeinheit, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren