Der Favorit ist eindeutig: Ein Weg durch die Marienschlucht selbst, der aber in zehn Metern Höhe über den früheren, zerstörten Treppen und Stegen verläuft. So umreißt es Matthias Weckbach, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, der seit Sommer die Projektleitung für die Wiederöffnung von Marienschlucht und den Uferweg zwischen Bodman und Wallhausen übernommen hat.

Bürgermeister Matthias Weckbach hat sich seit seiner Wahl 1999 um die Entwicklung in Bodman-Ludwigshafen große Verdienste erworben. Am Samstag, 23. Februar, begeht er seinen 50. Geburtstag.
Bürgermeister Matthias Weckbach hat sich seit seiner Wahl 1999 um die Entwicklung in Bodman-Ludwigshafen große Verdienste erworben. Am Samstag, 23. Februar, begeht er seinen 50. Geburtstag. | Bild: Löffler, Ramona

"Aber fast täglich ändert sich etwas", sagt er über das Konzept. Inzwischen gibt es wichtige Gutachten zum Mondfelsen am Uferweg und große Fortschritte in der Planung. Die Eckpunkte Mondfelsen, Steganlage, Kiosk seien klar, so Weckbach. Die Marienschlucht und der Weg nach Wallhausen sind noch in der Konzeptphase.

Wo die Probleme liegen

Dringt zuviel Wasser zwischen Humusschicht und das lockere Felsgestein darunter ein, können Erde und Bäume abrutschen. So ist es 2015 bei dem tödlichen Unglück in der Marienschlucht geschehen. Deshalb muss eine Lösung für die Wiedereröffnung sicher für die Besucher sein. Gleichzeitig sollen Eingriffe in die Natur minimal bleiben und müssen den Naturschutz berücksichtigen. Momentan gebe es viele Spaziergänger, die einfach die Sperrungen umgehen. "Wir wollen die Wege so anlegen, dass sie sicher sind", sagt Weckbach.

Bevorzugte Variante für die Schlucht

Der alte Weg verlief am tiefsten Punkt der Schlucht direkt auf dem Klingenbach. Aus verschiedenen Ideen kristallisierte sich ein Weg auf Treppen und Stegen in zehn Metern Höhe als beste Möglichkeit heraus. "Wir müssen den Weg vom Schluchtboden wegbekommen", folgert Weckbach aus Gutachten, die mehrere Ordner füllen. Das wäre in sicherer Höhe und würde trotzdem das Schluchterlebnis bieten.

An einer Stelle müsste der Weg wegen eines Felskopfs aber für eine Teilstrecke weit drei Meter höher sein. Weiter vorne müsse er außerdem mit etwas Abstand zur Felswand verlaufen, damit Gestein im Ernstfall zwischen Wand und Steg fallen könne. Dieser neue Weg wäre kürzer als der alte, der 2015 zerstört wurde. Die Baumaßnahmen wären allerdings schwierig und es dürften nur junge Bäume im Schluchtbereich stehen, da dies deren Absturzgefahr mindere.

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Es steht aber auch noch eine zweite Variante im Raum, die über die Felskante oben läuft, und noch nicht ganz vom Tisch ist. Ein Nachteil sei hier, dass es keine Sicht in die Schlucht gebe, und viele Eingriffe in die Natur nötig seien, so Weckbach. "Je attraktiver die Wege sind, desto mehr bleiben die Leute auf ihnen." Flora und Fauna in den Seitentälern sollen geschützt werden.

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Eine Hängebrücke im hinteren Teil der Schlucht, von der im Sommer die Rede war, ist in der Planung weit in den Hintergrund gerückt. Sie war angedacht, falls die Schlucht gar nicht begehbar gemacht werden könnte, oder als Ergänzung.

Konzept für den Mondfelsen

Er kann nicht umgangen werden. Der Weg müsse weiterhin unten entlang führen. Die Begutachtung per Teleskopkorb und Drohne ergab im Herbst zwölf Gefahrenstellen, von denen an drei akute Sturzgefahr herrschte. "Eine davon ist in der Zwischenzeit heruntergefallen", sagt Weckbach. Nur an wenigen Stellen treffen loses Gestein und "hochwertige Pflanzengesellschaften" aufeinander, ist ein weiteres Ergebnis. Laut einer biologischen Bewertung könnten Einzelstellen mit Nägeln gesichert werden. Nabu und BUND hätten sogar ein Entfernen vorgeschlagen, so Weckbach.

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Eine Zaunanlage in 40 Metern Höhe soll als Steinschlagbarriere dienen. Außerdem sind an zwei Stellen Vorrichtungen geplant, die Murgangssperren oder Hangmurenbarrieren heißen und Steinrutsche verhindern sollen. Es sind dann Ausgleiche an der Felswand für die Eingriffe vorgesehen. "An die Felswand unten kommen drei Pfähle zur messtechnischen Überwachung", so Weckbach. "Wir bekommen dann eine Info, falls sich etwas bewegt."

Öffnung des Uferwegs

"Wir wollen den Uferweg erhalten", sagt Weckbach. Nachdem es in den vergangenen Jahren schlecht aussah, zeichnet sich nun ab, dass der Weg zwischen Bodman und Wallhausen mit entsprechenden Sicherungen und einer Durchforstung wieder geöffnet werden kann. Es gibt ein Gutachten, das Problemstellen benennt: Dort sind viele Wege sowie Brücken in schlechtem Zustand und es liegen umgestürzte Bäume. Die Konzeptidee sieht eine konsequente Waldbewirtschaftung und Wiederherstellung der Wanderwege vor. Die Kommunen würden die Bewirtschaftung stemmen, da Forst BW dies in seinem Waldbereich nicht leisten könne.

Steg und Kiosk

Die alte Steganlage wird abgerissen und eine neue gebaut. Das war bereits vor dem Unglück im Jahr 2015 geplant. Der Kiosk soll dort stehen, wo bisher der Grillplatz war. Denn am alten Kiosk-Standort herrscht Felssturzgefahr.

Nächster Meilenstein und Zeitplan

Für die Schlucht sowie auch Felsen und Uferweg macht derzeit ein Fachplaner geologische Vorplanungen oder Untersuchungen zur Machbarkeit. Das Gesamtkonzept soll im Februar fertig werden und Ende März gibt es ein Gespräch mit den Fachbehörden. "Darauf arbeiten wir hin", sagt Weckbach. Im weiteren Zeitplan ist im Sommer nochmal eine gemeinsame Sitzung aller Gemeinde- und Ortschaftsräte vorgesehen.

Nach der Sicherung der Finanzierung sollen im September die Zuschussanträge beim Land gestellt werden. Der Bau der neuen Steganlage ist für Winter 2019/2020 geplant, die Sicherung des Mondfelsens dann 2021. Weiteres steht noch nicht fest.

Präsentation in anderen Gemeinden

Den jeweils aktuellen Stand des Konzepts, das noch in Arbeit ist, stellt Bürgermeister Matthias Weckbach im Gemeinderat in Bodman-Ludwigshafen, dem Ortschaftsrat Dettingen-Wallhausen und dem Haupt- und Finanzausschuss in Konstanz vor. Der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich hat schon in der jüngsten Sitzung eine Präsentation gemacht: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und setzen einiges an Hoffnung in den Fachbehördentermin im März."