Wie sieht die Zukunft der historischen Schlosstorkel aus? Bei der Übergabe von Fördermitteln für die Sanierung gab es die Antwort: Ein Museum mit Urzeit-Fossilien, also Versteinerungen. "Wir haben glücklicherweise jemanden gefunden, der ein urzeitliches Museum einrichten will", sagt Johannes von Bodman. Die Torkel ist seit ihrer Entstehung im Jahr 1772 im Besitz seiner Familie. Ein solches Museum sei in dem Gebäude mit der Fassade, die im oberen Teil Öffnungen hat, kein Problem. "Versteinerte Funde brauchen keine Klimatisierung." Das Museum werde die Firma Hauff einrichten, die bereits eines in Holzmaden hat und dessen Betreiber seit einer Weile in Bodman wohnt. Es soll auch wieder eine Gastronomie geben, für die momentan die Suche nach einem neuen Pächter läuft. "Es ist uns wichtig, dass die Torkel für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt", sagt Johannes von Bodman.

Über dem Tor der Schlosstorkel, die hier zu sehen ist, steht die Jahreszahl der Entstehung als Aussparungen in den gemauerten Steinen: 1772. Architekt Tobias Jaklin bezeichnet die luftige Struktur der Mauern oben als "mit Ziegeln gehäkelt". Bild: Ramona Löffler
Über dem Tor der Schlosstorkel, die hier zu sehen ist, steht die Jahreszahl der Entstehung als Aussparungen in den gemauerten Steinen: 1772. Architekt Tobias Jaklin bezeichnet die luftige Struktur der Mauern oben als "mit Ziegeln gehäkelt". Bild: Ramona Löffler | Bild: Ramona Löffler

Bis es soweit ist, dauert es aber mindestens ein Jahr. Nächste Woche kommen erst mal die Baugerüste für die Restauration, für die Johannes von Bodman und Architekt Tobias Jaklin am Mittwoch Fördermittel erhalten haben. Anita Auer und Christine Blessing von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) sowie Frank Eisele von Lotto Baden-Württemberg haben einen symbolischen Scheck über 100 000 Euro für das Projekt übergeben. Neben diesen Fördermitteln, die die Stiftung wiederum aus Mitteln der Glücksspirale der staatlichen Lotto-Gesellschaft erhalten hat, fließen auch 120 000 Euro von Landesamt für Denkmalpflege in die Sanierung des historischen Gebäudes. Insgesamt kostet die Sanierung 650 000 Euro, sagt der Architekt. Er sei sehr dankbar für die Fördergelder. "Es ist nicht selbstverständlich und ein Geschenk, dass der Antrag geklappt hat." Johannes von Bodman und Tobias Jaklin hoffen, dass es auch noch eine Förderung von der Gemeinde gibt. "Wir sind im Gespräch. Die Gemeinde hat etwas in Aussicht gestellt, aber die Höhe ist noch unklar", so der Freiherr.

Und das sind die Maßnahmen: Das Dach muss Ziegel für Ziegel restauriert werden. Fachwerk und Dachbalken müssen wegen verschiedener Holzwurm-Arten saniert werden. Es habe sich auch wegen Feuchtigkeit Hausschwamm gebildet und auch an der Fassade, die "mit Ziegeln gehäkelt ist", wie Jaklin es beschreibt, sind Arbeiten nötig. Er nennt den Frühsommer 2019 als Termin für die Fertigstellung.

Ein Blick ins erste der beiden Dachgeschosse der Torkel. In den Balken ist der Holzwurm und die Ziegel müssen restauriert werden. Bild: Ramona Löffler
Ein Blick ins erste der beiden Dachgeschosse der Torkel. In den Balken ist der Holzwurm und die Ziegel müssen restauriert werden. Bild: Ramona Löffler | Bild: Ramona Löffler

"Es wird nur gewechselt, was nicht zu retten ist", erklärt Restaurator Rolf Hummel über die Arbeiten und Johannes von Bodman betont, dass die Bausubstanz erhalten werden solle. Das markante, historische Gebäude bleibe also, wie es ist. Der einzige kleine Haken bei der Sanierung sei laut Hummel übrigens eine einzelne männliche Fledermaus, die unter dem Dach lebt. Das mache die Bekämpfung der Holzwürmer etwas schwieriger, weil bestimmte Mittel nicht eingesetzt werden könnten. Aber es werde bei den Arbeiten darauf geachtet, dass Denkmal- und Naturschutz unter einem Hut seien.

Es gebe viele solcher Gebäude am Bodensee, doch die Bodmaner Schlosstorkel sei die größte, erzählt Johannes von Bodman. Sie war schon immer im Besitz der gräflichen Familie und steht unter Denkmalschutz. Früher habe es zwei Torkel im Ort gegeben, doch die Dreschtorkel am Ortseingang sei zu einem Restaurant umgebaut worden. Und auch was es mit dem Namen auf sich hat, erklärte er: "Torkel kommt von drehen." Eine Torkel ist eine Obstpresse. In der Schlosstorkel sei früher der Wein aus dem Königsweingarten gepresst worden. Die Maschine aus Holz im historischen Gebäude sei eine der größten überhaupt. "Wir freuen uns, dass wir dieses Denkmal bewahren können und Partner im Boot haben."

Die Torkel (Obstpresse) in der Schlosstorkel. Bild: Ramona Löffler
Die Torkel (Obstpresse) in der Schlosstorkel. Bild: Ramona Löffler | Bild: Ramona Löffler