Nach der Kritik an der neuen Seebühne im Allensbacher Seegarten melden sich jetzt auch die Bürger zu Wort, die das Projekt positiv sehen – denn die gibt es ebenfalls, wie Bürgermeister Stefan Friedrich (CDU) betont hatte. Zu ihnen gehört Elisabeth Hausler, die es befremdlich findet, „dass man das von vornherein schon verurteilt.“ Sie wolle sich erst ein Urteil bilden, wenn alles fertig sei und man dort etwas erleben könne, sagt sie. „Es war an der Zeit, dass man in Allensbach mal was Großzügiges hat. Ich finde es nicht so bombastisch. Und man muss auch mal sehen, was das für Vorteile hat.“ Zum Beispiel gebe es jetzt ein größeres Gelände für Zuschauer. Und um die Bühne herum könne man überall auf den See sehen.

Eine Bereicherung für den Ort

Auch Christoph Strobel, Leiter des Hotels St. Elisabeth in Hegne, verteidigt das Projekt: „Ich finde das eine ganz tolle Sache, dass die Gemeinde das in Angriff genommen hat. Das ist eine Bereicherung für Allensbach und die umliegenden Gemeinden.“ Man werde Hotelgäste gern auf die Veranstaltungen dort hinweisen, sagt Strobel. Und er meint: „Ich finde die Bühne nicht zu groß, sondern passend für die Anlässe.“ Und sie passe auch in die Landschaft. Für das reichliche Programm, das Allensbach biete, sei sie ideal. Zudem könnten nun vielleicht auch andere Angebote anvisiert werden, die bisher so nicht möglich waren.

Ansicht von einer anderen Seite: Der Musikverein freut sich auf die neue Bühne.
Ansicht von einer anderen Seite: Der Musikverein freut sich auf die neue Bühne. | Bild: Zoch, Thomas

Derzeit steht der Rohbau

Martin Motz, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde, wundert sich nicht darüber, „dass manche Leute im ersten Moment erschrecken, weil man halt nur das jahrzehntelange Provisorium von früher kennt.“ Es handele sich jedoch um einen Rohbau. Ein Urteil könne man erst dann fällen, wenn alles fertig sei. „Wenn man davor steht und sich vorstellt, dass da eine größere Gruppe spielt, dann würde ich sagen, das passt“, sagt Motz. Für manches brauche es einfach Platz – und einen Backstagebereich sowieso. „Es ist einfach up to date“, betont er – wenn die Gemeinde die Bühne etwas kleiner gemacht hätte, würde es später vielleicht auch Kritik geben.

Akustik muss stimmen

Ähnlich äußert sich Ulrich Haaff. Es werde viel Geld ausgegeben. Es wäre problematisch, wenn dann am Ende die Akustik nicht stimmt. Er finde die Bühne zwar ebenfalls relativ groß – einer der Hauptpunkte der Kritiker –, aber das liege am Vergleich zu früher. „Das ist in den Hinterköpfen drin.“ Bei einer politischen Entscheidung müsse nun einmal ein Kompromiss gefunden werden. „Ich glaube, dass die Bühne unter dem künstlerischen Aspekt einen würdigen Rahmen bietet.“ Dort werde kostenlos ein tolles Programm mit guten Musikern geboten. „Da braucht man halt die Location.“

So sieht die Planung für die Neugestaltung des Allensbacher Seegartens aus. Das Dach soll nun etwas höher, die Bühne etwas kleiner werden. Die neue Bühne ist im Südwesten des Rasens, nah am Ufer.
So sieht die Planung für die Neugestaltung des Allensbacher Seegartens aus. Das Dach soll nun etwas höher, die Bühne etwas kleiner werden. Die neue Bühne ist im Südwesten des Rasens, nah am Ufer. | Bild: Zoch, Thomas

MV Allensbach freut sich auf neue Bühne

Im Seegarten regelmäßig aufgetreten ist der Musikverein Allensbach. Dessen Vorsitzender Gerhard Bautze erklärt: „Wir freuen uns auf jeden Fall über die neue Bühne.“ Zur Höhe des Neubaus, die Kritiker monieren und die von der Gemeinde mit akustischen Gründen erklärt wird, sagt Bautze: „Für die Ansprüche des Musikvereins müsste sie nicht so hoch sein.“ Bei Auftritten im Freien biete man den Leuten eher etwas Lockeres, da sei das Klangbild nicht so entscheidend. „Aber jetzt steht sie so.“

Fairer Entscheidungsprozess

Etliche Gemeinderäte zeigen sich irritiert über die kritischen Stimmen. Elisabeth Müller (CDU) erklärt zwar, sie könne die Einwände schon verstehen. Aber wie bei einem Haus sehe ein Rohbau halt nicht so aus wie das fertige Bauwerk. „Ich finde, man sollte jetzt erst mal abwarten, bis die Bühne fertig ist.“ Sie verweist beim Thema Höhe auf die Aussage von Fachleuten, die dies für eine gute Akustik empfohlen hätten. Damit könne man dann auch andere Gruppen engagieren als das bisher möglich gewesen sei.

Unter empfohlener Höhe

Pius Wehrle (Freie Wähler) betont, dass der Gemeinderat mit seiner Entscheidung sogar unter der empfohlenen Höhe des Bauwerks geblieben war. Man solle mit dem Urteil abwarten, bis das ganze Projekt inklusive Außenanlagen abgeschlossen ist. „Es fügt sich dann wahrscheinlich auch besser ein.“ Wehrle betont: „Wir wollten eine zukünftige und dauerhafte Lösung für alle Veranstaltungen.“ Karin Heiligmann (FW) pflichtet ihm bei: „Wir haben nicht eine lapidare Entscheidung getroffen, sondern uns das reichlich überlegt. Es war ein ausführlicher und sehr fairer Entscheidungsprozess, basierend auf Gutachten.“ Dabei seien viele Aspekte berücksichtigt worden.

Pius Wehrle, Freie Wähler: „Wir wollten eine zukünftige und dauerhafte Lösung für alle Veranstaltungen.“
Pius Wehrle, Freie Wähler: „Wir wollten eine zukünftige und dauerhafte Lösung für alle Veranstaltungen.“ | Bild: Optik Photo Hepp

Mehrheit war bewusst für den Standort

Eine Mehrheit habe sich bewusst für diesen Standort entschieden, weil er am wenigsten vom Gelände einnehme, die meiste Fläche für Zuschauer biete, Richtung Restaurant gehe und laut Schallschutzgutachten die geringste Belästigung für Anwohner mit sich bringe. „Ich finde es sinnvoller, man macht jetzt was Richtiges. Es ist sicher etwas Passendes für die vielen Veranstaltungen“, so Heiligmann. Sie halte das für eine sinnvolle Investition, denn Allensbach lebe vom Tourismus. Und auch sie meint, man müsse abwarten, bis die Außenanlagen fertig sind. „Dann sieht die Bühne sicherlich viel interessanter aus als jetzt. Ich finde sie durchaus filigran.“

Gut für die Wirtschaft

Tobias Volz von der SPD verweist ebenfalls darauf, dass der Gemeinderat lange und intensiv über die Planung diskutiert habe. „Wir waren da immer sehr vorsichtig und haben geschaut: Was sind die Bedürfnisse der Gemeinde.“ Der Rat wollte eine Bühne haben, die alle Veranstaltungen möglich macht. Die Seebühne seit weit über die Landkreisgenze hinaus bekannt und habe einen guten Ruf. „Wenn die Leute in ein, zwei Jahren sehen, welche Vorteile das Projekt im Bereich Tourismus und Wirtschaft für die Wirtschaft hat, dann denken sie anders. Wir müssen in die Zukunft schauen.“

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