Für Radfahrer soll die Strecke von Kaltbrunn bis zum Wildpark sicherer werden. Statt wie bisher auf der schmalen Kreisstraße fahren zu müssen, bekommen sie einen Radweg. Das Thema zieht sich bereits seit Jahren hin. Grund für die Verzögerung waren unterschiedliche Meinungen, wie der Weg geführt werden sollte: zwischen dem Gemeinde- und Ortschaftsrat auf der einen Seite sowie dem Landkreis als Bauherr und der Forstdirektion auf der anderen.

Grund für Ablehnung: Naturschutz

Die Gemeinde wollte eine durchgängige Führung ab dem Müllerhof entlang der Kreisstraße. Die Behörden erklärten dagegen wiederholt, aus Naturschutz- und Forstgründen sei es nötig, den Radweg beim Waldanfang westlich von Kaltbrunn einige hundert Meter weit auf einem bestehenden Waldweg zu führen. Andernfalls gebe es keinen Radweg. Das hatte unter den örtlichen Kommunalpolitikern für einigen Unmut gesorgt.

Führende Vertreter der Forstdirektion Freiburg und des Landratsamts Konstanz erklärten im Allensbacher Gemeinderat und Kaltbrunner Ortschaftsrat, warum der Radweg von Kaltbrunn zum Wildpark aus rechtlichen Gründen nicht durchgängig neben der Straße verlaufen kann (von links): Helmut Butz, Dietmar Winterhalter, Birgit Geschke und Thomas Buser.
Führende Vertreter der Forstdirektion Freiburg und des Landratsamts Konstanz erklärten im Allensbacher Gemeinderat und Kaltbrunner Ortschaftsrat, warum der Radweg von Kaltbrunn zum Wildpark aus rechtlichen Gründen nicht durchgängig neben der Straße verlaufen kann (von links): Helmut Butz, Dietmar Winterhalter, Birgit Geschke und Thomas Buser. | Bild: Zoch, Thomas

Behörden erklären sich

Führende Vertreter der Behörden begründeten dies nun ausführlich in einer gemeinsamen Sitzung von Gemeinde- und Ortschaftsrat. „Wir sind rechtlich gebunden“, sagte Thomas Buser, Leiter des Amts für Baurecht und Umwelt im Landratsamt, und: „Die Waldvariante ist aus unserer Sicht zumutbar und führt zu weniger Eingriffen.“ Nach einer ausgiebigen Diskussion stimmte der Gemeinderat schließlich bei drei Neinstimmen und zwei Enthaltungen zu – unter einigen Vorbehalten (siehe Info).

Ortsvorsteherin plädiert für Test

Der Ortschaftsrat hatte die Wald­variante zuvor erneut abgelehnt – mit drei Nein- bei einer Ja-Stimme und zwei Enthaltungen. Ortsvorsteherin Elisabeth Müller sagte, man wolle als völlig andere Variante lieber den bestehenden Weg südlich von Kaltbrunn, der am Fischerhaus vorbei führt, zwei Jahre lang testen, ob er sich als Radweg eignet. „Wir wissen alle, dass wir einen Radweg brauchen“, sagte Müller, aber: „Die Diskussionen haben alle nicht befriedigt.“ Und die Variante des Ortschaftsrats scheint für die Behördenvertreter auch kein Thema.

Hier ist Kaltbrunn zu Ende, hier geht es Richtung Langenrain und Markelfingen – auf einer schmalen Straße.
Hier ist Kaltbrunn zu Ende, hier geht es Richtung Langenrain und Markelfingen – auf einer schmalen Straße. | Bild: Zoch, Thomas

Forstvertreter: „Etwas Wertvolles“

Stattdessen begründeten sie, warum der Radweg eben nicht durchgängig an der Kreisstraße geführt werden könne – weder nördlich davon und erst recht nicht südlich der Straße. Helmut Butz, der stellvertretende Leiter der Forstdirektion beim Regierungspräsidium Freiburg, erklärte: „Wir haben hier etwas naturschutzfachlich und forstlich Wertvolles.“ Es gebe diverse Schutzgebietsarten und es handele sich um Erholungswald der höchsten Stufe. Bei einem Weg an der Straße müsste aber der Waldrand abgeholzt werden.

Das sagt der Paragraf

Butz zitierte Paragraf eins des Landeswaldgesetzes: „Grundsätzlich gilt das Gebot der Walderhaltung.“ Es könne zwar Ausnahmen geben, wenn ein Projekt dringend erforderlich sei. Aber dann müsse immer das Ziel sein, den Eingriff zu minimieren. Und bei einer Prüfung stelle sich als erste Frage, ob es eine Alternative gebe. Und diese gebe es hier in dem bestehenden Waldweg. Daher könne man dem Eingriff in ein hochwertiges Waldstück nicht zustimmen. „Es geht uns nicht darum, einen Radweg zu verhindern“, betonte Butz.

Nachfragen der Räte

Auf Nachfrage von Irmgard Weishaupt (SPD), ob hier auch Bäume gefällt werden müssten, sagte Dietmar Winterhalter, der für den Landkreis zuständige Referent im RP: „Der Waldweg wird nicht extra breiter gemacht.“ Er soll aber teilweise, vor allem in steilen Abschnitten, asphaltiert werden. Patrick Konopka (FDP) war der Ansicht, das sei für Eltern mit Anhängern wichtig. Doris Hellmuth (Bunte Liste) sagte, sie finde die Variante durch den Wald gut.

Zwischen Akzeptanzfragen und Sicherheit

Ernst Moll (Freie Wähler) sagte, der Rat sei für die Variante an der Straße, weil Radfahrer hier eher fahren würde. „Es geht um die Akzeptanz.“ Ebenso Sonja Rombach-Volz (SPD): „Die Radfahrer werden den kürzesten Weg nehmen.“ Franz Scheppe (CDU) meinte, der Waldweg sei teilweise recht steil. Und wenn dort Holzfahrzeuge stünden, werde es eng für Radfahrer. Er fragte, warum der Weg nicht an der Südseite der Kreisstraße möglich sei. Auch Bürgermeister Stefan Friedrich meinte, diese Variante wäre ideal. Denn dann müssten die Radfahrer im Wald nicht die Kreisstraße überqueren wie bei der jetzt geplanten Wegführung. Friedrich betonte zudem, dass es sich künftig um den Abschnitt eines übergeordneten Radwegsystems über den Bodanrück handeln werde.

Der südlichen Variante gibt das Landratsamt keine Chance

Birgit Geschke vom Referat Naturschutz erklärte, dass südlich der Straße Naturschutzgebiet sei. Eingriffe seien dort nur schwer begründbar. Zudem liege die ganze Fläche im Landschaftsschutzgebiet, und darüber liege noch EU-geschütztes Gebiet. Es gehe darum, Eingriffe zu minimieren. Und es stelle sich bei einer Prüfung die Frage, ob es alternative Varianten gebe.

Kritik an Flächenverbrauch

Helmut Renner (CDU) und der Bürgermeister monierten zudem, dass bei der jetzigen Planung andererseits vom Müllerhof bis zum Waldanfang ein recht großer Flächenverbrauch nördlich der Straße vorgesehen sei – rund zehn Meter breit durch Bankette und Mulden. „Wir haben das Gefühl, hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, so Friedrich. Buser erklärte, die Planung sei Sache der Straßenbauverwaltung, aber er gehe davon aus, dass dies der aktuelle Stand der Technik sei. Ludwig Egenhofer (CDU) sagte, er verstehe nicht, dass hier nicht gehe, was beim vor ein paar Jahren gebauten Radweg nach Dettingen möglich war. Dieser führt an der Straße entlang, und dafür wurde Wald abgeholzt. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, meinte Egenhofer. Buser erklärte, für diesen Weg seien sogar acht Varianten geprüft worden. Und bei der Abwägung habe eine Rolle gespielt, dass dort auch Schulkinder fahren würden.

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