Das Strandbad war noch dort, wo heute der Seegarten ist, als einige Aktive die eigenständige Allensbacher Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft gründeten. Am 26. Juni 1970 war es so weit, zuvor hatten einige Aktive bereits Dienst als Stützpunkt der Radolfzeller Gruppe geleistet, blickt Heiner Fritze zurück; er war von Anfang an dabei und ist seit 31 Jahren Vorsitzender. „Es war eine Gruppe, die relativ schnell Fuß gefasst hat“, erklärte er bei der nun im kleinen Rahmen nachgeholten Jubiläumsfeier bei der Wasserrettungswache. Manches war in den Anfangsjahren eher improvisiert. Im alten Bad diente eine klapprige Kabine als Raum für die Utensilien, so Fritze, im ein paar Jahre später eröffneten neuen Bad zunächst ein ausrangiertes DRK-Zelt, dann ein alter Baucontainer. Einen Wachturm gab es natürlich zunächst nicht.

Gründungsmitglieder erinnern sich

André May, ebenfalls Gründungsmitglied und 1973 bis 1977 Vorsitzender, erklärte, dass die Gruppe anfangs ein schweres Ruderboot von Schifffahrt Baumann als Rettungsboot nutzen durfte. Da wäre man schwimmend schneller gewesen, sagte May. Und er weiß auch noch von den harten Verhandlungen mit dem damaligen Bürgermeister Hermann Brunner wegen der Feuerwehrabgabe. Diese mussten junge Männer zahlen, die sich nicht engagierten. Und bei den DLRG-Aktiven ging es um die Frage, wie viel ehrenamtliche Stunden sie leisten mussten, um davon befreit zu werden. Ein weiteres Gründungsmitglied war Gerhard Hausler, von 1984 bis 1990 Vorsitzender. Er war zuvor Kassierer gewesen. „Ich habe einen Schuhkarton mit Unterlagen übernommen“, berichtete er schmunzelnd. Das habe damals gereicht für die Mitgliederverwaltung und Kasse. „Als ich das Amt wieder abgegeben habe, war da einiges mehr.“ Eine besonders große Leistung für den kleinen Verein sei es gewesen, die Anschaffung des eigenen Rettungsboots Moby Dick zu stemmen, das noch heute im Einsatz ist, so Hausler.

Sie waren als junge Aktive dabei, als vor 51 Jahren in Allensbach eine eigenständige Ortsgruppe der DLRG gegründet wurde (von links): Heiner Fritze, Norbert Brausch, Klaus Beisel, Gerhard Hausler und André May. Bild: Thomas Zoch
Sie waren als junge Aktive dabei, als vor 51 Jahren in Allensbach eine eigenständige Ortsgruppe der DLRG gegründet wurde (von links): Heiner Fritze, Norbert Brausch, Klaus Beisel, Gerhard Hausler und André May. Bild: Thomas Zoch | Bild: Zoch, Thomas

Hauslers Idee sei das Gnadenseeschwimmen gewesen, etwas Ähnliches habe von Wangen auf der Höri in die Schweiz gegeben. „Ich sagte, das würde sich anbieten“, erinnert sich Hausler. Die Reichenau sei ja ein sichtbares Ziel, und für junge Männer sei es normal gewesen, dort mal rüber zu schwimmen. Anfangs sei das im Wechsel mit der Reichenauer DLRG-Gruppe organisiert worden. Schifffahrt Baumann brachte die Teilnehmer ans andere Ufer, einmal habe man hierfür extra einen Steg zum Anlegen im Bad gebaut. Später transportierte viele Jahre die Fähre der THW die Teilnehmer, deren Zahl stetig stieg. „Das war eine richtig runde Sache.“ Und Hausler beförderte die Schwimmausbildung für Kinder, knüpfte die Kontakte zur Schmieder-Klinik, damit die DLRG dort das Bad nutzen konnte. Doch organisiert habe dann Heiner Fritze die Schwimmkurse, so Hausler. Er sei der Aktivste gewesen. Und Hausler meint: „Die Entwicklung ist schon enorm.“

In der Tat: In den vergangenen 50 Jahren lernten rund 1600 Kinder bei der DLRG das Schwimmen, so Fritze. Außerdem zählte die DLRG Mitte der 1980er-Jahre zu den Mitbegründern des Seetorfeschts – das wie das Gnadenseeschwimmen wegen Corona auch dieses Jahr ausfällt. Dort führte die Ortsgruppe mit dem Fischerstechen eine bis heute beliebte Attraktion ein. Und ein langwieriger Kraftakt war es, bis die eigene Wasserrettungswache im Jahr 2005 stand. Zwölf Jahre Planung und Vorarbeit seien vorangegangen, so Fritze. Rund 30 000 Euro Eigenmittel und 100 000 Euro Landeszuschuss seien dafür nötig gewesen. Deshalb haben die Mitglieder 1994 beschlossen, aus der Ortsgruppe einen Ortsverein zu gründen, was 1997 erfolgte.

Sie erhielten für ihren langjährigen großen Einsatz bei der DLRG Allensbach das Verdienstabzeichen in Gold (von links): Michael Hog, Jörg Peters und Ralf Baron.
Sie erhielten für ihren langjährigen großen Einsatz bei der DLRG Allensbach das Verdienstabzeichen in Gold (von links): Michael Hog, Jörg Peters und Ralf Baron. | Bild: Zoch, Thomas

Manch andere Aufgabe hatte sich irgendwann erledigt. So habe die DLRG im Wechsel mit Feuerwehrleuten im Winter Eis-Dienst geleistet, um gestürzten oder eingebrochenen Schlittschuhläufern zu helfen. Bis ins Jahr 2017, so Fritze. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrtausends gab es sogar eine eigene Tauchergruppe. „Ich glaube, wir haben da schon Spuren hinterlassen in der Gemeinde“, sagte Fritze bei der Feier. Die Gemeinde habe die DLRG stets unterstützt, betonte er.

Jürgen Keck, Vorsitzender des DLRG-Bezirks Bodensee-Konstanz, sagte in seinem Grußwort: „Hier ist mächtig viel Arbeit geleistet worden.“ Wichtig seien das Gnadenseeschwimmen und vor allem die Schwimmkurse. Und hier sei es das Problem, dass manche Kommunen ihre Hallenbäder schließen, so Keck. Joachim Ostheim, Vorsitzender der Reichenauer Ortsgruppe, sagte: „Wir von der Reichenau existieren nur dank der Kooperation mit euch.“ Bei Wach- und Bootsdienst sowie Schwimmkursen arbeiten die Gruppen zusammen. Jugendleiter Manuel Häusle sagte, Jugendarbeit sei wichtig und etwas Tolles, denn ohne Nachwuchs gäbe es keine weiteren 50 Jahre. „Ich fühle mich wohl in diesem Amt.“ Bärbel Kuttruff, die langjährige Regattaleiterin der Seglervereinigung Allensbach, dankte für die stets gute und zuverlässige Begleitung bei Regatten. „Wir sind sehr auf euch angewiesen.“

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Bürgermeister Stefan Friedrich sagte, die DLRG sei – wie die Feuerwehr – auch im Lockdown einsatzbereit gewesen sei. Die Bedeutung der Wachdienste im Bad sei umso größer, weil wegen Corona mehr Deutsche am See Urlaub machen. „Man geht unbeschwert ins Wasser, weil man weiß, wenn was ist, dann ist jemand da, der hilft“, sagte Friedrich. „Wir sind froh, dass wir eine DLRG haben wie euch.“