Allensbach Wie das neunjährige Talent Matthis Schulte die Modellflug-Szene in Staunen versetzt

Der Allensbacher Matthis Schulte hat ein Händchen fürs Modellfliegen: Der Neunjährige kann Kunstflug-Manöver hinlegen, die Experten mit der Zunge schnalzen lassen.

Der kleine Flieger aus Schaumstoff saust senkrecht nach oben, dann zieht er in Seitenlage kerzengerade wie ein Strich weiter, bleibt kurz in der Luft stehen, um als nächstes im Tiefflug knapp über der Grasnarbe zu schweben. Der Pilot Matthis Schulte steht seelenruhig mit der Fernsteuerung am Boden, als wäre das alles längst Routine. Doch der Allensbacher Junge ist gerade mal neun Jahre alt und hat in ziemlich kurzer Zeit schon sehr viel gelernt im Modellflug, hatte einige Auftritte bei größeren Veranstaltungen und hat auch schon ein paar Pokale gewonnen. Und bei einem großen Modellbauhersteller ist er bereits der jüngste Teampilot, führt Modelle von diesem vor und wird gesponsert. "Es macht einfach Spaß, neue Manöver zu üben und auf Shows und Messen zu fliegen", erklärt der Fünftklässler vom Konstanzer Ellenrieder-Gymnasium. Seine Mutter Jennifer Schulte berichtet: "Er geht auch gern ins Risiko. Da habe ich immer Schweißausbrüche." Doch Matthis sage dann nur: "Mama, ich kann das!"

Sein Talent als Modellflugpilot sei von einigen Mitgliedern des Flug- und Schiffsmodellbau-Clubs Konstanz (FSMC) erkannt und gefördert worden, so Jennifer Schulte. Mit einem kleinen, ferngesteuerten Helikopter, den sich Matthis zum siebten Geburtstag wünschte und bekam, habe alles angefangen. "Da stand ab 14 Jahren darauf", so die Mutter, "aber er konnte das, als hätte er nie was anderes gemacht." Ein älterer Nachbarsjunge habe Matthis dann seine Modellflieger gezeigt. "Da wollte ich auf jeden Fall mit Modellflug anfangen", betont Matthis.

Kunstflüge auf der Modellbaumesse

Zum achten Geburtstag bekam er deshalb einen Flugsimulator, um hierfür zwei Jahre lang zu üben. Und kurz darauf besuchte die Familie das FSMC-Gelände, um sich mal umzuschauen. Doch als dort der Modellflieger Matthias König gesehen habe, wie Matthis seinen Heli fliegen ließ, habe er gesagt: "Vergesst den Simulator. Der hat das drauf!", berichtet Jennifer Schulte, er könne sofort mit einem Einsteigermodell beginnen. König brachte dem Jungen die Grundbegriffe des Modellflugs mit einem kleinen Schaumstoffflieger bei.

Und Matthis lernte schnell, konnte schon bald selbst starten und landen und ein Modell fliegen, das komplizierter zu steuern war. "Irgendwann wurde es mir langweilig, nur ein bisschen herumzufliegen", so Matthis. "Dann habe ich Loopings versucht." Michael Schupp, ein weiteres FSMC-Mitglied, habe dann schon bald gefragt, ob er Kunstflug machen wolle. "Natürlich hatte ich Interesse", so Matthis. Schupp und dessen Sohn Marc übten das dann intensiv mit dem Jungen – diesmal mit einem Holzmodell. Und auch hier lernte Matthis verblüffend schnell. So sei mit Michael Kirz ein weiteres FSMC-Mitglied auf das Talent aufmerksam geworden. Als Sprecher der Modelbaumesse Friedrichshafen lud er Matthis dorthin ein. Dort durfte der Junge seine erste Solo-Show fliegen, mit einem Shock-Flyer, einem kleinen, schnellen, wendigen Modell, und mit der Jugendgruppe eines Clubs aus Nordhorn auftreten. "Sie waren alle total begeistert, weil er so jung ist und toll fliegen kann", berichtet die Mama. Darunter sei mit Basti Hummel auch ein Flugzeugkonstrukteur des großen Modellbauherstellers gewesen. Matthis durfte dann auch schon gleich in der Firmenflugshow ein paar Modelle vorfliegen.

Nach einem weiteren Flugauftritt im März 2017 bei der Modellbaumesse in Sinsheim trainierten dann Michael und Marc Schupp mit Matthis einige Wochen intensiv für den Schwabenpokal des FSV Sindelfingen. Doch als die Familie und die Coaches dort im Mai eintrafen, geb es zu wenig junge Teilnehmer. Matthis musste gegen zwei ältere Jugendliche und neun Erwachsene antreten mit einem richtigen Kunstfliegermodell mit 1,60 Meter Spannbreite – und wurde prompt Dritter. "Ich war schon nervös und dachte, dass es schlechter ausgeht", erklärt der Allensbacher Junge. Doch Michael Schupp habe ihm gesagt, es gehe um den Spaß und darum, einfach mal dabei zu sein. Und dann ging es weiter an Pfingsten mit einer Einladung zum Luftzirkus in Harsewinkel. Dort durfte Matthis mit Basti Hummel auch erstmals ein Modell mit 2,40 Meter Spannweite fliegen, die Hottrigger 2400. "Ich hatte Angst davor, dass ich abstürze. Also bin ich erst mal vorsichtig geflogen", berichtet der junge Allensbacher. "Ich war aufgeregt und nervös, aber es war cool, als ich dann geflogen bin."

Auf Anraten von Hummel habe er dann im Sommer weiter fleißig seine Manöver geübt. Im Herbst folgten dann Auftritte erneut bei der Messe in Friedrichshafen und bei einem Spaßfliegen – diesmal zusammen mit dem älteren Kevin Kirz vom FSMC im Synchronfliegen, was die beiden gewannen.

Nun fiebert Matthis dem Frühling entgegen, wenn er wieder im Gelände fliegen kann – und dies dann mit einem Modell mit 2,40 Meter Spannbreite. Basti Hummel habe ihm hierfür ein recht teures Carf-Flugzeug geliehen, aus mit Kohlefaser verstärktem Kunststoff und mit Verbrennungs- statt Elektromotor. "Das ist die nächste Stufe", meint Jennifer Schulte. Sie und Papa Christoph, der beim FSMC auch viel gelernt hat – nämlich, wie man Flieger repariert -, haben aber vorsichtshalber noch zum Üben einen ebenso großen, günstigen Modellflieger aus Holz gekauft.

Papa braucht jetzt einen Kombi

Und wie soll es weitergehen? Ob er mal Pilot eines richtigen, großen Flugzeugs werden wolle, wisse er noch nicht, sagt Matthis. "Aber ich will schon mal so eine kleine Maschine haben." Und: "Ich will mal Weltmeister werden im Kunstflug." Und die Eltern unterstützen ihn so gut es geht, wobei der Papa anmerkt, dass dies schon einiger Aufwand sei. Bei der Anschaffung eines neuen Autos habe er aber einen Kombi gewählt, um die Flieger transportieren zu können. Denn davon gibt es bei den Schultes mittlerweile einige in verschiedenen Größen – verteilt in den Zimmern der Wohnung, dem Keller, dem Speicher. Deshalb suche man zum Lagern einen größeren Hobbyraum, so Jennifer Schulte.

 

Modellflug

Wer Matthis Schulte mal fliegen sehen möchte oder sich für Modellflug interessiert, kann sich an den Flug- und Schiffsmodellbau-Verein (FSMC) Konstanz wenden. Der 1951 gegründete Club hat seinen Flugplatz auf dem Bettenberg zwischen Wollmatingen und Dettingen. Vor allem an Wochenenden seien dort viele der rund 60 Mitglieder, heißt es auf der Homepage. Dort steht: "Geflogen wird bei uns fast alles, was sich irgendwie in der Luft hält und möglichst viel Flugspaß bringt." (toz)

Mehr Informationen: www.fsmc-konstanz-ev.de

 

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