Die Tränen, die bei den Mitarbeitern und Beteiligten der Landesgartenschau in den letzten Wochen geflossen sind, scheinen mittlerweile getrocknet. Man hat sich in das Unvermeidbare gefügt, eine LGS 2020 gibt es nicht. Sie wurde auf das Jahr 2021 verschoben, Eröffnungstermin ist der 9. April. Das haben sowohl LGS-Aufsichtsrat als auch der Gemeinderat der Stadt Überlingen einstimmig beschlossen, nachdem Ministerpräsident Winfried Kretschmann wegen der Corona-Krise „Großveranstaltungen“ bis mindestens Ende August ausgeschlossen hat. Und nachdem das Land mittlerweile schriftlich seine Beteiligung an den prognostizierten Mehrkosten, die durch eine Verschiebung nötig werden, zusicherte. Nicht einstimmig, aber mit sehr großer Mehrheit (bei zwei Gegenstimmen) beschloss der Gemeinderat, das Gelände bis zum Eröffnungstermin abzuriegeln.

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Viele Arbeiten fallen doppelt an, Personal muss länger vorgehalten werden, auch die Zahl der Besucher könnte 2021 geringer ausfallen, zumal im nächsten Jahr eine zweite Gartenschau am Bodensee stattfindet, in Lindau. Die Geschäftsführung der Überlingen LGS GmbH prognostiziert die Mehrkosten auf rund sechs Millionen Euro. Laut einer Zusage der Landesministerien für Landwirtschaft und für Finanzen beteiligt sich das Land mit zwei Dritteln an den Mehrkosten, gedeckelt auf vier Millionen Euro. Das Geld stamme aus den Mitteln zur Bekämpfung der Corona-Krise und aus einem kommunalen Investitionsfonds.

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Landwirtschaftsminister Peter Hauk per Pressemitteilung: „Es liegt auf der Hand, dass die Stadt Überlingen ein sich abzeichnendes Defizit dieses Ausmaßes nicht allein schultern kann. Als Partner der Landesgartenschau lassen wir als Land die Stadt in dieser außergewöhnlichen Situation nicht allein.“

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Im April sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler, dass es nicht nur zum Heulen sei, dass die Corona-Pandemie den Plänen einen Strich durch die Rechnung macht, bei manchen seien echte Tränen geflossen. Im April wurde er vom Gemeinderat dazu ermächtigt, mit dem Land Verhandlungen über eine Kostenbeteiligung aufzunehmen. Dass im Ergebnis das Land nun eine Unterstützung in der genannten Höhe zusichert, findet Zeitler „großzügig“, wie er in der Mai-Sitzung sagte. Er danke dem Land Baden-Württemberg, „wir können froh sein, dass es uns so toll unterstützt“. LGS-Geschäftsführer Roland Leitner saß mit Behelfsmaske in den Zuschauerreihen der Ratssitzung am Mittwoch und kommentierte Zeitlers Worte mit zwei nach oben gereckten Daumen. Zeitler wiederum: „Das ist ein starkes Signal für ein voll motiviertes Team für eine Landesgartenschau 2021.“

Diskussion um Vorab-Öffnung

Dem Ansinnen der Gemeinderatsfraktion BÜB+ auf eine Vorab-Öffnung von auch nur Teilen des Gartenschaugeländes erteilte Jan Zeitler eine Absage. Seiner Argumentation folgten die Räte sämtlicher Fraktionen, bis auf eine Enthaltung und bis auf die Gegenstimmen von Roland Biniossek und Dirk Diestel (BÜB+).

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Der Leiter des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, Gunter Schöbel, empfahl in einem SÜDKURIER-Bericht von Mittwoch aus tourismuspolitischen Gründen eine Teilöffnung, eine „Schnuppervariante“.

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Doch befürchten LGS GmbH, Rathauschef und Gemeinderat, dass ein Appetitanreger das Gegenteil auslöst und 2021 eher weniger Besucher kämen. Weitere vorgebrachte Gründe waren der Infektionsschutz: Die Corona-Abstände auf den teils engen Wegen könnten bei einem Besucheransturm nicht eingehalten werden und für Kontrollgänge gebe es kein Personal. Drittens bestehe die Gefahr, dass ein Vorsteuerabzug, der der LGS gewährt wird, verloren gehen könnte. Hierfür stünden 2,9 Millionen Euro im Risiko. Das zuständige Finanzamt Überlingen gab noch keine Bewertung dazu ab. Doch unabhängig von den fiskalischen Gründen fürchte man viertens Vandalismus an den Einrichtungen, vor allem im Bereich der Villengärten, deren Uferweg für eine Teilöffnung in der Diskussion stand. Das Gelände müsse schon aus versicherungstechnischen Gründen dicht bleiben.

Überlingen geht nun den selben Weg wie Ingolstadt in Bayern, deren LGS-Gelände laut Zeitler bis zur Eröffnung 2021 geschlossen bleibt. Die dritte deutsche LGS in diesem Jahr, Kamp-Lintfort in NRW, öffnete mit Einschränkungen und Restriktionen.

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