Die Realschule Salem ist Geschichte. Dies ist die Folge des Gemeinderatsbeschlusses vom Juli 2014, der die Abschaffung der Realschule zugunsten des Aufbaus einer Gemeinschaftsschule zum Inhalt hatte. Vom Schuljahr 2014/15 an wurden an der Realschule keine neuen Eingangsklassen mehr gebildet. Der letzte Jahrgang wurde vergangene Woche entlassen.

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Im Nachgang dazu hatte der Förderverein der Schule nun ehemalige Schüler, Eltern und Lehrer zu einem „Tag der verschlossenen Tür“ eingeladen.

„Ich hoffe, dass die Realschule in Salem nicht für alle Ewigkeit beerdigt ist.“ – Theresia Koritensky, Elternbeiratsvorsitzende
„Ich hoffe, dass die Realschule in Salem nicht für alle Ewigkeit beerdigt ist.“ – Theresia Koritensky, Elternbeiratsvorsitzende | Bild: Peter Schober

Rund 80 ehemalige Lehrer, Schüler und Eltern bei Abschiedsveranstaltung

Zu dem Abschlussfest auf dem Vorplatz des Salemer Bildungszentrums hieß Fördervereinsvorsitzender Oliver Endrikat rund 80 Menschen willkommen, die sich der abgewickelten Realschule verbunden fühlen.

„Vielleicht merkt die Gemeinde bald, dass das Schulleben in Salem nach der Schließung der Realschule ärmer geworden ist.“ – Bruno Kiebler, ehemaliger Konrektor
„Vielleicht merkt die Gemeinde bald, dass das Schulleben in Salem nach der Schließung der Realschule ärmer geworden ist.“ – Bruno Kiebler, ehemaliger Konrektor | Bild: Peter Schober

Unter ihnen befanden sich auch der ehemalige Stuttgarter CDU-Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller, der Salemer FDP-Landtagsabgeordnete Klaus Hoher und der Salemer CDU-Ortsverbandsvorsitzende Franz Jehle. Sie gehörten vor fünf Jahren zu denen, die sich für den Erhalt der Realschule einsetzten.

Aktion als Möglichkeit zum Erinnerungsaustausch

Bei dem Fest gab es kein Programm oder offizielle Ansprachen. Das habe man laut Förderverein ganz bewusst so geplant. Denn im Zentrum sollte der Austausch von Erinnerungen stehen. Bei einem Picknick auf dem Schulhof hatten ehemalige Schüler, Eltern und Lehrer die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Schulgebäude selbst blieb verschlossen.

„Ich fand die Realschule gut. Wir sind immer hervorragend betreut worden.“ – Maximilian Lotz, Schüler der letzten Abgangsklasse
„Ich fand die Realschule gut. Wir sind immer hervorragend betreut worden.“ – Maximilian Lotz, Schüler der letzten Abgangsklasse | Bild: Peter Schober

Wie die Idee einer Gemeinschaftsschule entstand

Den Anstoß für Überlegungen, die Realschule sowie die Haupt- und Werkrealschule am Salemer Bildungszentrum abzuschaffen, hatte die grün-rote Landesregierung im Jahr 2011 gegeben. Damals wurde die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft. Seitdem können Eltern ungesehen der Einschätzung der Lehrer die weiterführende Schule für ihrer Kinder frei wählen. Der damalige Leiter der Salemer Haupt- und Werkrealschule, Emil Bauscher, sorgte sich deshalb um den Fortbestand seiner Schule. Im Salemer Gemeinderat warb er für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule. In seinem Konzept, das in dem Gremium bis auf wenige Ausnahmen (Franz Jehle und Ingo Unger, beide CDU, und Klaus Hoher, FDP) eine hohe Akzeptanz fand, hatte die Realschule keinen Platz mehr.

„Ich verstehe nicht, dass eine Schule aufgegeben wird, die so funktioniert hat.“ – Christian Partikel, ehemaliger Schüler
„Ich verstehe nicht, dass eine Schule aufgegeben wird, die so funktioniert hat.“ – Christian Partikel, ehemaliger Schüler | Bild: Peter Schober

Bürgerentscheid ändert an Gemeinderatsbeschluss nichts

Die Folge waren kontroverse Diskussionen in der Bevölkerung, die letztlich in einen Bürgerentscheid mündeten. 1971 Bürger sprachen sich im Juli 2014 für den Erhalt der Realschule aus, 788 votierten für die Abschaffung. Obwohl die Mehrheit sich für den Erhalt ausgesprochen hatte, war dieses Votum für den Gemeinderat nicht verbindlich, weil das damals für Bürgerentscheide geltende Quorum von 25 Prozent knapp verfehlt wurde. Danach hätten 25 Prozent der Wahlberechtigten für den Erhalt stimmen müssen. Dazu fehlten 281 Stimmen.

Gemeinschaftsschule verzeichnet sinkende Anmeldezahlen

Ein ausschlaggebendes Argument der Befürworter der Abschaffung der Realschule war von Beginn an, dass einer Gemeinschaftsschule am Ende noch eine gymnasiale Oberstufe aufgesetzt werden könnte, sodass die Schüler in Salem ein durchgehendes Bildungsangebot von der Grundschule bis zum Abitur vorfinden. Doch diese Pläne haben sich im vergangenen Jahr zerschlagen.

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Einem Antrag der Gemeinde, der Gemeinschaftsschule eine gymnasiale Oberstufe hinzuzufügen, hat das Kultusministerium aufgrund zu geringer Schülerzahlen nicht stattgegeben. Tatsächlich gingen in der Gemeinschaftsschule zuletzt die Anmeldezahlen zurück. Nach einem Spitzenjahrgang vor drei Jahren mit 88 Schülern rutschten die Zahlen im vergangenen Jahr und für das kommende Schuljahr um über die Hälfte ab.